2027 in Stuttgart

Die Finals und der Sonderfall Leichtathletik: „Sehr schade“

Der Dreisprung war Teil der Finals, wurde aber in Bochum ausgetragen.

Der Dreisprung war Teil der Finals, wurde aber in Bochum ausgetragen. Foto: Sven Hoppe/dpa

Das Multisport-Event begeistert die Menschen und lebt von der Vielfalt mit mehr als 100 Meisterschaften. Doch eine olympische Kernsportart bildet auch kommendes Jahr eine Ausnahme.

Von Michael Rossmann und Robert Semmler, dpa 27.07.2026, 10:00 Uhr

Hannover/Stuttgart. Die Leichtathletik bleibt bei den Finals ein Sonderfall - auch bei der nächsten Auflage in einem Jahr in Stuttgart. Wie bei der gerade beendeten Multisport-Veranstaltung in Hannover fehlt es in Baden-Württembergs Hauptstadt an einem geeigneten Stadion. „Ich fände es schöner, wenn wir auch Teil davon wären“, sagte Kristin Pudenz, Olympia-Zweite im Diskus 2021, bei den diesjährigen Leichtathletik-Meisterschaften in Bochum.

Aber auch bei den Finals 2027 in Stuttgart „wird die Leichtathletik leider ausgelagert“, sagte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky. „In einer idealen Welt wären alle an einem Ort. Aber das funktioniert leider nicht immer.“ Es gebe zu wenige Stadien mit Laufbahn in der passenden Größe. Im Vorjahr bei den Finals in Dresden passte es, da war die Begeisterung groß.

Leichtathletik ein Zugpferd für das Fernsehen

„Das ist sehr schade für die Leute vor Ort“, sagte der ARD-Sportkoordinator und betonte: „Leichtathletik ist die größte Sommersportart.“ Das zeigt auch der Blick auf die Zuschauerzahlen der Live-Übertragungen in ARD und ZDF. Am Sonntag schauten mehr als zwei Millionen im Ersten die Übertragungen aus Bochum. Auch deshalb möchten ARD und ZDF die Leichtathletik im Finals-Programm haben.

Stabhochsprung vor der Oper war ein Publikumsliebling bei den Finals in Hannover.

Stabhochsprung vor der Oper war ein Publikumsliebling bei den Finals in Hannover. Foto: Michael Matthey/dpa

Nur der Stabhochsprung war in diesem Jahr bei den Finals in Hannover zu Gast und begeisterte Tausende vor der Oper, alle anderen Disziplinen wurden in Bochum ausgetragen. Zehnkämpfer Amadeus Gräber war sowohl beim Stabhochsprung in Niedersachsens Hauptstadt dabei als auch über 110 Meter Hürden in Bochum und sagte: „In Hannover haben wir viel mehr mitbekommen, weil wir mehr in die Stimmung einbezogen waren. Wir waren wie auf einem Schau-Podest, es hat viel Spaß gemacht.“

Zehnkämpfer schaut Beachvolleyball

Im traditionsreichen und frisch renovierten Lohrheidestadion in Wattenscheid „waren mehr Zuschauer“, dennoch meinte Gräber: „Es wäre schön, wenn die Finals an einem Ort stattfinden würden, besonders für uns Mehrkämpfer. Der Rahmen der Finals ist total super.“ Er selbst nutzte die Vielfalt der Finals in Hannover mit 24 Sportarten und berichtete: „Ich habe die ganze Zeit Beachvolleyball geschaut.“

Die Stabhochspringer waren begeistert von den vielen Zuschauern. „Es war unfassbar“, sagte der neue deutsche Meister Marec Metzger in der ARD zu der ausgelassenen Stimmung und zu den Fans, die direkt an der Anlage saßen und standen. „Das beflügelt einen unheimlich. So nah an die Masse, das ist einfach schön“, schwärmte der Stabhochspringer.

Eine Disziplin wird erneut ausgegliedert

Im kommenden Jahr wird der Überraschungsmeister auf diese besondere Atmosphäre wohl verzichten müssen. „Wir werden wieder eine Leichtathletik-Disziplin ausgliedern“, sagte Finals-Geschäftsführer Hagen Boßdorf. „Das könnte aus regionalen Gründen“ wegen der für Mannheim startenden Olympiasiegerin Yemisi Mabry, geborene Ogunleye, und auch wegen Paralympics-Sieger Niko Kappel Kugelstoßen sein. 

Ein Stadion wird noch gesucht. „Wir wollten nach Ulm gehen, aber in Ulm wird das Stadion nicht fertig“, sagte Boßdorf: „Für uns ist es immer perfekt, wenn eine Stadt auch ein Leichtathletikstadion hat, aber man kennt ja die Landschaft in Deutschland, auch sehr große Städte haben keine Leichtathletikstadien mehr.“

Bochum, Braunschweig oder Dresden? 

Eine Rückkehr nach Bochum ist eine Option. Auch eine erneute Austragung in Dresden oder Braunschweig ist möglich, wo die Titelkämpfe 2025 und 2024 ausgetragen wurden. Die Entscheidung fällt der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV).

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