Ferienzeit: Immer mehr Tiere landen im Hamburger Tierheim
Im Hamburger Tierheim steigt die Zahl der Fundtiere. Foto: Christian Charisius/dpa
Im Hamburger Tierheim steigen die Zahlen: Besonders während der Sommerferien werden Hunde, Katzen und andere Tiere oft ausgesetzt. Nicht alle überleben das - auch, wenn sie gefunden werden.
Hamburg. Der Hamburger Tierschutzverein zieht in den Sommerferien eine erste Bilanz - und die fällt eher traurig aus. Seit Anfang Juni habe das Tierheim Süderstraße 183 Fundtiere aufgenommen, die von ihren Haltern bislang nicht abgeholt worden seien. „Wir sind doch bei verschiedenen Tiergruppen an den Kapazitätsgrenzen“, sagte Tierheim-Sprecher Sven Fraaß der Deutschen Presse-Agentur. Gleichzeitig waren seit Anfang Juni 33 gefundene Tiere - vor allem Hunde, Katzen und Brieftauben - von ihren Besitzern wieder abgeholt worden.
Das Hamburger Tierheim gehört gemessen am Bestand neben Berlin und München zu den größten Tierheimen Deutschlands. Ende Juli lebten 140 Hunde, 171 Katzen, 408 Kleintiere und 139 Wildtiere in der Süderstraße.
Starker Zuwachs vor den Sommerferien
Besonders in den Wochen vor und während der Sommerferien nehme die Zahl der aufgenommenen Tiere deutlich zu. „Wir merken, dass diese größeren Wellen im Laufe der Monate vor den Sommerferien signifikanter werden“, sagte Fraaß.
Zudem seien zahlreiche Tiere mutmaßlich ausgesetzt worden. Unter ihnen seien Hunde, Katzen, Kaninchen, Ziervögel, Schildkröten und andere Kleintiere. Nach Angaben des Vereins verschärfe sich die Situation jedes Jahr mit Beginn der Ferienzeit. Viele Menschen stünden vor der Frage, wer ihre Haustiere während des Urlaubs versorge. Statt rechtzeitig eine Betreuung zu organisieren oder Tierpensionen in Anspruch zu nehmen, würden manche ihre Tiere zurücklassen oder aussetzen.
„Wir sind jedes Jahr wieder entsetzt, wie leichtfertig sich gewissenlose Menschen zur Ferienzeit ihrer Familienmitglieder entledigen. Sie setzen ihr Tier irgendwo aus, wo es im Zweifelsfall nicht gefunden wird“, sagte die Vorsitzende des Hamburger Tierschutzvereins, Janet Bernhardt.
Tierheim am Limit: Aufnahmestopps für mehrere Tierarten
Nach Angaben des Vereins überleben viele ausgesetzte Tiere die Strapazen nicht. Für 22 Tiere sei in den vergangenen Wochen jede Hilfe zu spät gekommen, darunter waren Kaninchen und Katzen. Die Dunkelziffer der mutmaßlichen Urlaubsopfer schätzt der Verein jedoch deutlich höher. Viele Tiere würden nicht rechtzeitig gefunden und im Verbogenen sterben. Zudem gibt es immer wieder Aufnahmestopps im Tierheim.
Durch die steigenden Tierzahlen kommt das Tierheim nach eigenen Angaben immer öfter an seine Belastungsgrenze. Derzeit gibt es Aufnahmestopps für Katzen, Reptilien, Ziervögel, Aquarientiere und Hausgeflügel wie Hühner. Geringe Kapazitäten gibt es noch für Hunde, Katzen und Kleinsäuger wie Hamster, Kaninchen und Meerschweinchen.
Langzeitschützlinge: Wenn Tiere kein Zuhause finden
Gleichzeitig kämpft das Tierheim mit sogenannten Langzeitschützlingen. Besonders bei Hunden blieben manche Tiere über Monate oder sogar Jahre im Tierheim. Nach Einschätzung des Vereins handelt es sich dabei teilweise auch um Hunde, die während der Corona-Pandemie angeschafft wurden. Weil Hundeschulen und Trainingsangebote zeitweise nur eingeschränkt möglich gewesen seien, hätten einige Tiere Defizite in der Erziehung oder Sozialisierung entwickelt. Das erschwere ihre Vermittlung bis heute und blockiere Plätze für neu aufgenommene Hunde.

Während der Sommerferien werden Hunde, Katzen und andere Tiere besonders oft ausgesetzt. Foto: Christian Charisius/dpa

Auch ein Spitz wurde ausgesetzt und lebt nun im Heim. Foto: Christian Charisius/dpa

Im Tierheim wohnt auch eine Große Achatschnecke. Foto: Christian Charisius/dpa

Eine Pantherschildkröte wird dort ebenfalls umsorgt. Foto: Christian Charisius/dpa