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Kritik

Gartenbesitzer aufgepasst: Für Schottergärten wird es eng

Gartenbesitzer aufgepasst: Für Schottergärten wird es eng

Schottergärten gelten als vermeintlich wartungsarme Alternative zu bepflanzten Flächen. Doch was Eigentümer oft nicht wissen: In vielen Fällen können solche Steinflächen rechtlich problematisch sein.

Von Redaktion 25.08.2026, 06:45 Uhr
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Landkreis. Nicht alles ist bei der Gestaltung des eigenen Gartens erlaubt. Besonders wer überlegt, sich einen Schottergarten anzulegen, sollte aufpassen. Die Experten des Versicherers Arag erläutern, welche Regeln gelten und worauf Eigentümer achten sollten.

Warum geraten Schottergärten in die Kritik?

Schottergärten bestehen überwiegend aus großflächig ausgebrachten Steinen oder Kiesflächen, die häufig mit Folie oder Vlies unterlegt werden und nur spärlich bepflanzt sind. Lange galten sie als pflegeleicht und modern. Inzwischen rücken sie jedoch aus verschiedenen Gründen in den Fokus: Sie speichern Wärme, bieten Insekten und anderen Tieren kaum Lebensraum und können die Versickerung von Regenwasser erschweren.

Deshalb haben viele Bundesländer und Kommunen ihre Vorschriften in den vergangenen Jahren präzisiert oder bestehende Regeln konsequenter angewendet. Hintergrund sind meist bauordnungsrechtliche Vorgaben. Dort ist häufig geregelt, dass nicht überbaute Grundstücksflächen wasserdurchlässig gestaltet sowie begrünt oder bepflanzt werden müssen. Und großflächige Steinflächen erfüllen diese Voraussetzungen oftmals nicht.

Ist jedes Kiesbeet automatisch verboten?

Der Versicherer Arag weist jedoch darauf hin, dass nicht jede Fläche mit Steinen automatisch unzulässig ist. Rechtlich kommt es vor allem darauf an, wie die Fläche gestaltet ist und welchen Zweck sie erfüllt. Ein naturnaher Steingarten beispielsweise unterscheidet sich deutlich von einem Schottergarten. Während beim Schottergarten häufig große Steinflächen dominieren und Pflanzen nur eine untergeordnete Rolle spielen, werden in einem Steingarten gezielt Stauden, Gräser und andere Pflanzen integriert. Die Steine dienen dort vor allem der Gestaltung und Strukturierung.

Auch kleinere Kiesflächen, zum Beispiel als Weg, Zuwegung oder dekoratives Gestaltungselement, sind in der Regel unproblematisch. Entscheidend ist meist, ob eine Fläche überwiegend begrünt ist oder ob sie praktisch nur aus Schotter und Kies besteht.

Welche Folgen können Verstöße haben?

Wer gegen bauordnungsrechtliche Vorgaben verstößt, riskiert mehr als eine Aufforderung zur Nachbesserung. Laut Arag-Experten können Bauaufsichtsbehörden unter bestimmten Voraussetzungen eingreifen und Eigentümer dazu verpflichten, unzulässige Flächen zurückzubauen und zu begrünen (Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg, Az.: 8 S 388/25). Besonders weit geht Bremen: Dort dürfen bestehende Schottergärten nicht dauerhaft erhalten bleiben. Eigentümer haben eine Übergangsfrist zur Umgestaltung ihrer Flächen erhalten.

Bevor größere Veränderungen geplant werden, empfiehlt der Versicherer, unbedingt einen Blick in die jeweilige Landesbauordnung und gegebenenfalls in die örtlichen Gestaltungssatzungen zu werfen.

Wie Niedersachsens Städte mit Schottergärten umgehen

Mehrere Städte in Niedersachsen gehen einer Umfrage zufolge gegen sogenannte Schottergärten vor. Während viele Kommunen lange auf die Freiwilligkeit der Grundstücksbesitzer bei der Umgestaltung ihrer Steingärten setzen, gibt es an einigen Orten wie zum Beispiel in Lüneburg, Leer, Wolfsburg und Braunschweig Kontrollen. Schottergärten wurden daraufhin, teils nach behördlichen Anordnungen, zurückgebaut, wie mehrere Städte in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilten.

Wie Kommunen mit Schottergärten umgehen, ist demnach von Stadt zu Stadt verschieden. Das Oberverwaltungsgericht (OVG) in Lüneburg hatte 2023 klargestellt, dass Bauaufsichtsbehörden den Rückbau von Schottergärten grundsätzlich anordnen dürfen. Nach der niedersächsischen Bauordnung müssen nicht überbaute Flächen von Baugrundstücken Grünflächen sein, soweit sie nicht für eine andere zulässige Nutzung erforderlich sind.

Lüneburg

Die Stadt Lüneburg hat nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr die Zahl der Schottergärten-Kontrollen erhöht. Davon habe man bei dem Thema vor allem auf „Aufklärung und Freiwilligkeit“ gesetzt, teilt eine Stadtsprecherin mit. Allerdings mit mäßigem Erfolg. Werden in Lüneburg Schottergärten etwa von der Bauaufsicht entdeckt, bekommen Grundstücksbesitzer ein Schreiben mit Hinweisen zur Umgestaltung – verbunden mit einer Frist von sechs Monaten. Bislang wurden 28 Schottergärten festgestellt und teils bereits umgestaltet.

Wolfsburg

Nach Angaben der Stadt werden Baugrundstücke seit 2023 systematisch auf unzulässige Schotterflächen kontrolliert. Insgesamt 450 Grundstücke in zwei Wohngebieten wurden überprüft, 136 Schottergärten wurden dabei „aufgegriffen“, wie ein Stadtsprecher mitteilt. Die Eigentümer wurden aufgefordert, diese Schottergärten in Grünflächen umzuwandeln.

„Die Betroffenen wurden über die Hintergründe der Gesetzgebung informiert und waren überwiegend einsichtig“, sagt der Sprecher. „Nur in wenigen Fällen wurden bauaufsichtliche Verfügungen zur Umwandlung von Schotterflächen in Grünflächen und entsprechende Zwangsgelder erlassen.“ Die Stadt Wolfsburg informiere offensiv, „damit Schottergärten erst gar nicht entstehen“.

Osnabrück

In Osnabrück gibt es nach Angaben der Stadt keine systematischen, flächendeckenden Kontrollen. Aber: Der Fachdienst Bauordnung und Denkmalpflege geht demnach bei entsprechenden Hinweisen Einzelfällen nach. Zwar habe das Oberverwaltungsgericht Lüneburg den Baubehörden in Niedersachsen die Möglichkeit eingeräumt, Schottergärten zu untersagen und deren Rückbau zu fordern, sagt ein Sprecher. „Die Stadt Osnabrück setzt jedoch vorrangig auf Aufklärung und Anreize statt auf Verbote und Kontrollen.“

Hildesheim

Auch in Hildesheim gibt es keine Kontrollen zum Aufspüren von Schottergärten, wie ein Sprecher sagt. Daher gebe es auch keine Rückbauverfügungen. Allerdings gebe es seit einigen Jahren in Hildesheim eine Pflicht zur Begrünung. Gelegentlich erhalte die Bauaufsicht entsprechende Anfragen verunsicherter Grundstückseigentümer, Erben und Käufer. „Der deutliche Hinweis, dass ein vorhandener Schottergarten weder durch beschönigende Beschreibungen noch durch jahrelanges Unentdecktbleiben einen Bestandsschutz erlangt, der vor Ahndung schützt, macht manche Anrufer nachdenklich“, sagt der Sprecher.

Braunschweig

Die Bauaufsicht kontrolliert dagegen in Braunschweig systematisch auf etwaige Schottergärten. Zugleich setze die Stadt auf präventive Aufklärungsarbeit etwa per Flyer, sagt ein Sprecher. 2025 wurden 20 neue sogenannte Vorgänge von der Bauaufsichtsbehörde eröffnet, davon seien einige abgeschlossen, andere würden noch bearbeitet. Auch werde Hinweisen der Bevölkerung nachgegangen. Seit 2023 gebe es wegen der Überprüfung eines Neubaugebiets mehr solcher „Vorgänge“, wie es im Amtsdeutsch heißt.

Seit Beginn der systematischen, nicht auf Anzeigen beruhenden Überprüfung im Jahr 2023 wurden 30 Grundstücke mit gravierenden Versiegelungen oder Schotterflächen festgestellt, wie der Sprecher sagt. Auf 12 Grundstücken wurden Schotterflächen bereits beseitigt, in 8 weiteren Fällen sind die Verantwortlichen demnach bereit, die Flächen künftig zu begrünen. In 10 Fällen laufen die gesetzlich vorgesehenen Fristen in den Verwaltungsverfahren noch.

Hannover

In der niedersächsischen Landeshauptstadt gibt es keine systematischen Kontrollen von Schottergärten. „Diese wurden zunächst konzipiert und gestartet, dann aber vom Rat der Stadt gestoppt“, sagt ein Sprecher der Stadt. Schwerpunkt sei Beratung – statt Kontrolle der Grundstückseigentümer.

Göttingen

Systematische Kontrollen auf Schottergärten gebe es in Göttingen nicht, allerdings würden Eigentümer nach Hinweisen angeschrieben, sagt ein Stadtsprecher. Auf diese Weise wurden im vergangenen Jahr drei Schottergärten erfasst, ein Jahr zuvor waren es zwei und 2023 immerhin sechs. Die Besitzer wurden den Angaben zufolge über die Rechtslage aufgeklärt, Kontrollen des Rückbaus gab es nicht. Würden Eigentümer kontaktiert, sei der Rücklauf „verhältnismäßig hoch“, sagte er. Viele seien sich der rechtlichen Lage nicht bewusst gewesen, ein Rückbau sei in den meisten Fällen mündlich zugesichert worden.

Oldenburg

In Oldenburg erhalten Bauherren bei Neubauvorhaben nach Angaben der Stadt bereits Hinweise, wie Grünflächen anzulegen sind. Auch darüber hinaus setzt die Stadt auf Aufklärung, systematische Kontrollen im Stadtgebiet gibt es nicht. Aber die Stadtverwaltung gehe Hinweisen nach, teilt eine Sprecherin mit. 2024 wurden demnach 24 Grundstücksbesitzer angeschrieben, 2025 gab es einen Fall. 19 Schottergärten seien daraufhin beseitigt worden, andere Verfahren liefen noch oder wurden verworfen. Die Stadt zieht ein positives Fazit: „Es werden deutlich weniger Schottergärten angelegt“, sagt die Stadtsprecherin.

Wilhelmshaven

In der Jadestadt gibt es keine Kontrollen auf Steinwüsten in Gärten. Zuletzt sei das Bauordnungsamt in einem Fall aber eingeschritten und habe angeordnet, einen Schottergarten zurückbauen zu lassen, teilte eine Stadtsprecherin mit.

Leer

Aktiv gegen Schottergärten geht die Stadt Leer vor – nach eigenen Angaben bereits seit 2022. Seit dem Beginn der Kontrollen wurden demnach 175 Verfahren wegen Schottergärten oder versiegelter Flächen eingeleitet. 138 sind inzwischen abgeschlossen. Die Stadt wertet die Kontrollen und den Rückbau versiegelter Flächen als Erfolg.

„Durch die konsequente Entsiegelung von Schottergärten schaffen wir lebenswerte Stadträume, die bei Starkregen wertvolles Wasser direkt aufnehmen und durch natürliche Verdunstungskälte wirksam gegen sommerliche Hitze schützen“, teilt ein Stadtsprecher mit. Der Großteil der Grundstücksbesitzer reagiere positiv. In Einzelfällen habe ein Schottergarten-Rückbau aber auch angeordnet werden müssen.

Emden

Auf die Einsicht von Hauseigentümern setzt Emden. „Überzeugen statt verbieten“ sei das Motto der Stadt, teilt ein Sprecher mit. „Daher wird es beispielsweise eine „Vorgartenpolizei“ in Emden nicht geben.“ Die Seehafenstadt setzt auf Aufklärung und möchte die Stadtbevölkerung sensibilisieren, keine Schottergärten anzulegen. 2022 hatte die Stadt mit dem Emder Ökowerk etwa einen Vorgartenwettbewerb ausgerufen, bei dem die zehn besonders trostlosen Schottergärten in naturnahe Blühgärten umgewandelt wurden. (set/dpa)

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