Da surrt uns was: Darum droht eine Mücken-Plage
Die Gemeine Hausmücke - hier in einem Labor aufgenommen - liebt feucht-warmes Sommerwetter. Foto: Stefan Sauer/dpa
Warum Stechmücken in diesem Sommer zahlreich auftreten können - und was das für Gartenbesitzer bedeutet.
Müncheberg. Die bevorstehenden warmen Sommertage und ab und zu Regen sind ideal für Stechmücken in Deutschland. „Im Moment gestaltet es sich aus Sicht der Mücke super, weil Regen in Sicht ist. Feuchtes und warmes Wetter bedeutet optimale Bedingungen - die Mücke schreit hurra“, sagte die Mückenexpertin Doreen Werner vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) im brandenburgischen Müncheberg.
In den kommenden Tagen dürfte die Gemeine Hausmücke (Culex pipiens) genügend Pfützen oder Wasser in Regentonnen finden. Besonders lästig könne aber die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) - besonders für Gartenbesitzer - werden. Insgesamt gebe es mehr als 50 Stechmückenarten in Deutschland, jede mit eigenen Ansprüchen.
Längere Hitze wird für Stechmücken zum Problem
Die Gemeine Hausmücke beginnt Mitte Mai, Eipakete abzulegen, wie Werner erklärte. Ist es feucht und warm, können sich mehrere Populationen im Jahresverlauf entwickeln - die Hausmücke findet genügend Wasserpfützen als Bruthabitat. „Ende August ist der Höhepunkt der Populationsdichte, was wir an den verstärkten Anflügen merken.“

Die Biologin Doreen Werner hat sich auf die Erforschung von Stechmücken spezialisiert. (Archivbild) Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa
Umgekehrt wird eine länger andauernde Hitzewelle ohne Regen für Hausmücken zum Problem. „Fehlt Regen über zwei bis drei Wochen, ist die Entwicklung stark eingeschränkt, da dann die Bruthabitate Mangelware sind“, so Diplom-Biologin Werner.
Expertin: Tigermücke ein echter Plagegeist
Auch die Asiatische Tigermücke baue ihre Populationen über den Sommer auf, sei aber im Gegensatz zu den Hausmücken in der Lage, schon kleinste Wasseransammlungen zu nutzen, um sich zu vermehren. Es reichten mit Wasser gefüllte Blumentopf-Untersetzer, Vogeltränken oder Blumenvasen auf Friedhöfen. „Wenn nur zwei bis drei Millimeter Wasser stehen bleiben, reicht das völlig aus.“

Die Asiatische Tigermücke, die auffällige schwarz-weiße Streifen am Körper hat, kommt aus den Tropen, ist aber auch in Deutschland nachgewiesen. (Archivbild) Foto: Ennio Leanza/KEYSTONE/dpa
Die Tigermücke wird zudem zum echten Plagegeist für jede Gartenparty. „Das sind ganz kleine fiese Stecher. Sie können Aufenthalte im Freien echt unangenehm machen“, meinte die Expertin.
Fall von Tropenkrankheit durch Tigermücke bisher nicht bekannt
Die Tigermücke, die ursprünglich aus den Tropen stammt, kann Krankheitserreger wie Dengue- und Chikungunya-Viren übertragen. Bisher ist in Deutschland kein Fall bekannt, bei dem eine hier lebende Tigermücke einen solchen Erreger übertragen hat. Experten halten das aber nur für eine Frage der Zeit. Die Tigermücke kann Erreger nur übertragen, wenn sie sich selbst vorher an einem erkrankten Blutwirt infiziert.
Mehr Infektionen mit West-Nil-Virus möglich
Bereits in Teilen Deutschlands verbreitet hat sich das durch heimische Stechmücken auf den Menschen übertragbare West-Nil-Virus. In Berlin ist es laut einer Charité-Studie inzwischen fest etabliert.
Deutschlandweit gab es 2025 laut Robert Koch-Institut 14 West-Nil-Fälle, 49 waren es im Jahr 2024 und 16 im Jahr 2023 - infizierte Reiserückkehrer allerdings mitgezählt. Wissenschaftler gehen von einer hohen Dunkelziffer aus. Häufig verläuft eine Infektion ohne Symptome. Wenn Erkrankungen auftreten, sind sie oft mit grippeähnlichen Erscheinungen wie Kopfschmerzen, Schüttelfrost oder Erbrechen verbunden. In seltenen Fällen kann die Erkrankung tödlich enden.
Werner erklärte, der Prozess der Virusvermehrung in der Mücke sei ein temperaturabhängiger Vorgang und werde durch höhere Temperaturen begünstigt. „Es ist bei den aktuellen Witterungsbedingungen möglicherweise mit höheren Infektionen in diesem Jahr zu rechnen.“
Das West-Nil-Virus zirkuliert hauptsächlich zwischen Vögeln und Mücken. Aber auch Menschen und Pferde können durch den Stich einer Mücke, die das Virus in sich trägt, infiziert werden und auch erkranken.
Wie lässt sich das Mückenaufkommen verringern?
Die Bevölkerung kann laut Werner einfache Schutzmaßnahmen umsetzen, um das Mückenaufkommen zu verringern: Regentonnen sollten mit einer Gaze - einem engmaschigen Netz - abgedeckt werden, damit die Mücken dort keine Eier legen können. Es wird empfohlen, das Wasser von Vogeltränken alle drei Tage auszutauschen. Leere Blumenvasen auf Friedhöfen sollten umgekehrt abgestellt werden, damit sich kein Regenwasser sammeln kann.
Werner leitet seit 2012 den sogenannten Mückenatlas und untersucht Mückenfunde aus ganz Deutschland. Bürgerinnen und Bürger, die eine Mücke finden, können sie fangen, einfrieren und per Post an Werner und ihr Team schicken.
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