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Phänomene der Natur

Die Wilde Möhre fühlt sich in großer Hitze wohl

Die Wilde Möhre ist eine Blütenpflanze des Hochsommers. Die letzten weißen Dolden blühen bis in den Herbst hinein.

Die Wilde Möhre ist eine Blütenpflanze des Hochsommers. Die letzten weißen Dolden blühen bis in den Herbst hinein. Foto: Reinhard Paulin

Mit der Karotte ist die Wilde Möhre zwar verwandt, doch gegessen wird sie von Menschen eher nicht. Insekten und Vögel profitieren von der Trockenheitspflanze am Wegesrand.

Von Redaktion 24.08.2026, 11:00 Uhr
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Landkreis. Der Name deutet es an: Unsere Möhre im Garten ist mit der Wilden Möhre verwandt. Aus ihr wurde die rote Gartenmöhre, die Karotte, gezüchtet. Wahrscheinlich wurden verschiedene wilde Möhren aus Vorderasien und Südeuropa eingekreuzt, und nach vielen Jahren mühsamer Züchtung Arbeit entstand die Gartenmöhre. Auffällig ist, dass unsere Wegränder in den letzten Jahrzehnten immer häufiger von der Wilden Möhre besiedelt werden. Sie ist eine Trockenheitspflanze und fühlt sich trotz großer Hitze wohl.

Die Wilde Möhre ist eine Blütenpflanze des Hochsommers. Die letzten weißen Dolden blühen bis in den Herbst hinein. Bis zu eineinhalb Meter kann die Pflanze hoch werden.

Die Dolden haben eine Besonderheit: Genau in der Mitte der Dolde stehen zehn bis zwanzig dicht stehende, violett-schwarze Blüten. Nektar produzieren sie nicht. Scheininsekten werden diese Tupfer genannt. Beobachtungen zeigen, dass sie Signalwirkung haben. Vorbeifliegenden Insekten wird angezeigt: hier sind schon Gäste, die hier Pollen und Nektar tanken. Deshalb landen weitere Insekten auf dem Blütenteller. Entomologen schauten genauer hin, wer sich auf dieser Dolde versammelt: Es sind Kleinschmetterlinge, Wanzen, Käfer, Fliegen, Feldwespen und Wildbienen.

Wenn die Samen herabfallen

Die Wilde Möhre ist besonders zu Beginn des Herbstes eine Insektenweide, wenn das Angebot an Blüten allmählich nachlässt. Die vielen Bestäuber leisten gute Arbeit und befruchten die Einzelblüten. Die Samen reifen heran. Während dieser Zeit krümmt sich die Dolde wie eine Kralle ein und ähnelt einem Vogelnest. Dadurch wird die Oberfläche der Dolde verringert und die Verdunstung etwas herabgesetzt. Streifenwanzen lieben die reifenden Samen, stechen sie an und saugen an ihnen.

Ist die Samenreife abgeschlossen, öffnet sich die Dolde wieder. Die Samen fallen herab. Aus ihnen können im nächsten Jahr neue Wilde Möhren heranwachsen. Sie blühen aber erst im übernächsten Jahr, denn die Wilde Möhre hat einen Zweijahres-Zyklus.

Neben der Versorgung der vielen Insekten mit Nektar und Pollen kann die Wilde Möhre noch weitaus mehr: Grünfinken und besonders Stieglitze fressen ihre Samen gern. Auch wenn viele Pflanzen schon abgeerntet sind, ist an den trockenen Möhrenpflanzen immer noch etwas zu finden.

Die frischen Blätter der Wilden Möhre sind für zahlreiche Schmetterlinge hochinteressant. Der Schwalbenschwanz ist so ein Kandidat, obwohl seine Raupen auch andere Doldenblütler als Fressplatz lieben. Weitere zehn Arten von Schmetterlingsraupen mögen die Blätter ebenfalls.

Auch dann, wenn die Wilde Möhre im Winter abgestorben ist und als dürres Gerüst am Wegrand steht, erfüllt sie noch eine wichtige Aufgabe. In ihrem hohlen und brüchigen Stengel überwintern häufig kleine Insekten. Einige Meisen wissen das. Sie finden und fressen die Mini-Insekten.

Die große, dicke Pfahlwurzel wächst bis fast einen Meter tief in die Erde hinein. Auch auf sehr kargen Böden schafft sie das. In ihrer Wurzel speichert sie für schlechte Zeiten Wasser. Deshalb kann die Wilde Möhre länger andauernde Phasen von Trockenheit widerstehen. Die Wurzel ist blass gefärbt, das rote Karotin der Gartenmöhre jedoch findet sich nicht darin.

Die Zucht roter Möhren mit besonders hohem Gehalt an Wasser und Zucker begann erst im Mittelalter.

Der Autor, die Serie, das Buch

Was kreucht und fleucht in der Region? Wolfgang Kurtze, promovierter Biologe und Vorsitzender der Lions-Naturschutz-Stiftung, schreibt über Phänomene und Kuriositäten in der Natur.

Die erfolgreiche TAGEBLATT-Serie „Phänomene der Natur“ rückt kurzweilig Wissenswertes aus der Natur in den Mittelpunkt. Der zweite, reich illustrierte und in Jahreszeiten gegliederte Band von Wolfgang Kurtze ist für 19,90 Euro im Buchhandel erhältlich. Herausgeber ist die Lions Stiftung Stade zur Förderung des Natur- und Umweltschutzes. (sal)

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