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Agrarchemie

Glyphosat-Streit drückt Bayer noch tiefer in die Verlustzone

Das Bayerlogo an einem Verwaltungsgebäude in Leverkusen.

Das Bayerlogo an einem Verwaltungsgebäude in Leverkusen. Foto: Oliver Berg/dpa

Acht Jahre ist es her, da schluckte Bayer den langjährigen US-Konkurrenten Monsanto. Finanziell war das eine bittere Pille: Rechtsstreitigkeiten zu Glyphosat lasten noch immer schwer auf dem Konzern.

Von dpa Mittwoch, 04.03.2026, 08:45 Uhr

Leverkusen. Beim Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer ist der Verlust wegen Glyphosat-Klagen gegen seine US-Tochter Monsanto deutlich gewachsen. Wie der Hersteller des glyphosathaltigen Unkrautvernichters Roundup in Leverkusen mitteilte, lag der Verlust 2025 bei rund 3,6 Milliarden Euro und damit rund 1,1 Milliarden Euro höher als im Vorjahr.

Im Februar hatte Bayer einen Sammelvergleich mit Klägern geschlossen und daraufhin seine Rückstellungen um vier Milliarden Euro erhöht. Der Deal umfasst Zahlungen von maximal 7,25 Milliarden US-Dollar (aktuell 6,23 Milliarden Euro) über bis zu 21 Jahre. Mit dem Sammelvergleich sollen sowohl anhängige als auch mögliche künftige Klagen beigelegt werden, bei denen eine Krebserkrankung geltend gemacht wird (Non-Hodgkin-Lymphom/NHL).  

Operativ lief es im vergangenen Jahr alles in allem mittelmäßig. Der Umsatz des Konzerns, der neben Saatgut und Unkrautvernichtern auch Medikamente verkauft, sank um 2,2 Prozent auf 45,6 Milliarden Euro. Währungsbereinigt, also ohne die Kursverluste des Dollars, wäre es ein Plus von 1,1 Prozent gewesen.

Konzernchef Bill Anderson sieht Bayer auf einem guten Weg.

Konzernchef Bill Anderson sieht Bayer auf einem guten Weg. Foto: Henning Kaiser/dpa

Gerichtsentscheidung steht kurz bevor

An der Börse sorgt das Thema Glyphosat weiter für Bauchschmerzen. Ab November ging es zwar deutlich bergauf, nach der Bekanntgabe des Sammelvergleichs in den USA Mitte Februar sackte der Aktienkurs aber wieder ab. Mit Sprüchen wie „Gesundheit für alle, Hunger für niemanden“ rührt Bayer-Chef Bill Anderson zwar die Werbetrommel für seine Medikamente und sein besonders resistentes Saatgut - doch viele Finanzanalysten und Anleger denken bei Bayer reflexhaft an den schier endlosen Glyphosat-Streit.

Bekommen die Leverkusener ihre Rechtsrisiken endlich in den Griff und können sie das Fass ohne Boden, zu dem sich die Glyphosat-Klagen entwickelt haben, endlich abdichten? Die Vereinbarung mit der Klägerseite ist bislang zwar nicht in trockenen Tüchern, die vorläufige Genehmigung eines zuständigen Gerichts in St. Louis (US-Bundesstaat Missouri) kam aber nur wenige Stunden nach der Jahrespressekonferenz von Bayer. 

Der Konzern wertete das als ersten wichtigen Schritt für die Umsetzung des Sammelvergleichs. Die Kläger haben nun eine Frist bis Anfang Juni, um den Vergleich abzulehnen oder Einwände bei Gericht einzubringen. Nach dieser Frist gibt es noch eine Anhörung vor dem Gericht, danach steht die finale Genehmigung an.

Eine Frau hält eine alte Packung des Unkrautvernichters Glyphosat in den Händen.

Eine Frau hält eine alte Packung des Unkrautvernichters Glyphosat in den Händen. Foto: Wolf von Dewitz/dpa

Streit über Folgen von Glyphosat

In den US-Klagen führten Kläger Krebserkrankungen auf Glyphosat zurück. Die zur Weltgesundheitsorganisation gehörende Internationale Krebsforschungsagentur hatte den Wirkstoff, der in dem Unkrautvernichter-Produkt Roundup enthalten ist, als „wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“ eingestuft; andere Einrichtungen der WHO waren anderer Ansicht, und auch europäische Einrichtungen folgten dieser kritischen Einstufung nicht.

„Die Sicherheit von Glyphosat wird von den Regulierungsbehörden eindeutig bestätigt - und zwar in mehr als 50 Ländern, inklusive der USA, Kanada und den Ländern in Europa“, sagte Anderson. Glyphosat sei für Landwirtschaft und Ernährung „essenziell“. „Es hilft dabei, Kohlendioxid im Boden zu halten und sichert Ernten vor Unkräutern.“

Auf die Frage, warum man sich denn überhaupt auf den Vergleich einlasse, wenn man von der Sicherheit des Produktes so überzeugt sei, sagte Anderson, die Rechtsstreitigkeiten könnten sich noch lange hinziehen und die Firma belasten. „Das muss aufhören, die Firma muss vorankommen.“ 

Bayer steckt in den roten Zahlen.

Bayer steckt in den roten Zahlen. Foto: Oliver Berg/dpa

Personalabbau schreitet voran 

In der Bayer-Belegschaft hat die Krise der vergangenen Jahre Spuren hinterlassen. Zum Jahreswechsel hatte der Konzern rund 88.000 Beschäftigte und damit 5.000 weniger als ein Jahr zuvor. Als die Einführung einer neuen Organisationsstruktur samt Stellenabbau im Jahr 2023 begann, waren es 100.000 Beschäftigte. 

In diesem Jahr soll die neue Organisationsstruktur zu Einsparungen von zwei Milliarden Euro führen, dies im Vergleich zum Jahr 2023. Man habe Bürokratie abgebaut, sagte die Bayer-Personalchefin Heike Prinz. „Bayer ist insgesamt spürbar schlanker, flexibler und effektiver geworden.“ Das neue Organisationsmodell, mit dem Hierarchien abgebaut werden, soll die Produktivität des Konzerns deutlich steigern.

Bayer-Lieferketten durch Iran-Krieg nicht beeinträchtigt

Dieses Jahr rechnet Bayer mit einer stabilen Geschäftsentwicklung. Bereinigt um Währungseffekte - also auf Basis der monatlichen Durchschnittskurse des Jahres 2025 - sieht Bayer den Umsatz 2026 bei 45 bis 47 Milliarden Euro und das operative Ergebnis bei 9,6 bis 10,1 Milliarden Euro - die letztjährigen Werte liegen im Zielkorridor für dieses Jahr. 

Gravierende Folgen des Iran-Kriegs auf sein Geschäft muss Bayer nicht fürchten. „Wir sind nicht stark abhängig von Drehkreuzen im Mittleren Osten für unsere Lieferketten, wir sehen also keine Lieferunterbrechungen auf uns zukommen“, sagte Anderson.

J
Jochen Mextorf
04.03.202609:18 Uhr

Größte Fehlentscheidung aller Zeiten. Es fehlt an Fachleuten.

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