Zähl Pixel
Frankreich

Jahrhundertdenker Edgar Morin gestorben

Edgar Morin war einer der letzten großen französischen Intellektuellen. (Archivbild)

Edgar Morin war einer der letzten großen französischen Intellektuellen. (Archivbild) Foto: picture alliance / dpa

Edgar Morin hat wie kaum ein anderer das intellektuelle Denken des 20. und frühen 21. Jahrhunderts geprägt. Nun ist der französische Philosoph und Soziologe im Alter von 104 Jahren gestorben.

Von dpa Samstag, 30.05.2026, 12:20 Uhr

Paris. Edgar Morin, einer der einflussreichsten französischen Intellektuellen der Gegenwart, ist im Alter von 104 Jahren in Paris gestorben. Bekannt wurde der Philosoph und Soziologe auch in Deutschland mit dem Buch „Das Jahr Null. Ein Franzose sieht Deutschland“, in dem er die Nachkriegszeit und den Neubeginn der deutschen Gesellschaft unmittelbar nach 1945 beschreibt. Wie französische Medien unter Berufung auf seine Familie berichteten, starb er am Freitag.

Geboren 1921 als Edgar Nahoum in einer jüdischen Familie mit Wurzeln in Griechenland, wurde aus dem jungen Pariser Student ein Kämpfer der Résistance, des französischen Widerstands gegen die Nazis, später ein Kommunist, dann ein kritischer Beobachter aller Ideologien – und schließlich einer der bekanntesten französischen Denker seiner Zeit. Die Erfahrung von Krieg, Illegalität und existenzieller Bedrohung blieb für sein späteres Denken prägend.

Theorie des komplexen Denkens

Nach 1945 bewegte sich Morin zunächst im Umfeld der kommunistischen Intelligenz, bevor er sich vom Stalinismus distanzierte. International bekannt wurde er durch seine Theorie des komplexen Denkens. Gegen jede Form der Reduktion vertrat er die Auffassung, dass Wirklichkeit aus Verflechtungen besteht: zwischen Individuum und Gesellschaft, Ordnung und Chaos, Wissen und Ungewissheit.

Morin war Ehrendoktor von 38 ausländischen Universitäten und hat rund vierzig Werke verfasst, die vielfach übersetzt wurden. Bis ins hohe Alter blieb Morin eine Stimme im intellektuellen Streit um die Gegenwart: Globalisierung, ökologische Krise, Konflikte und Kriege.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel

Deutscher Filmpreis: Und dann spricht Wim Wenders

Beim Deutschen Filmpreis gewinnt das Drama „In die Sonne schauen“ gleich zehn Auszeichnungen. Und an dem Abend gibt es diesen Moment, als Wim Wenders zu einem kontroversen Thema das Wort ergreift.

Felix von Jascheroff verlässt „GZSZ“

Abschied nach einem Vierteljahrhundert: Felix von Jascheroff hat bei „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“ gekündigt. Seine Figur John Bachmann soll mit einer „absoluten Spitzenstory“ aussteigen.

Niederlande erlauben Konzerte von Kanye West

Antisemitische Sprüche, Hakenkreuze auf T-Shirts: Kanye West empört. Mehrere Länder verbieten Auftritte seiner Europa-Tournee. Auch in den Niederlanden gibt es Proteste – doch ohne Erfolg.