Kokain im Harz: Dorfpolizist Koops jagt skrupellose Dealer
Mette (links, Anna Fischer) und Frank Koops (Aljoscha Stadelmann) in einer Szene des Krimis „Harter Brocken: Die Versuchung“. Der Krimi läuft 5.9. im Ersten und ist ab 3.9. in der ARD-Mediathek verfügbar. Foto: Nils Willbrandt/ARD/dpa
Eigentlich war „Harter Brocken“ gar nicht als ARD-Reihe geplant. Doch die Geschichten um den pragmatischen Dorfsheriff von Sankt Andreasberg wurden zum Publikumserfolg. Nun kommt sein zehnter Fall.
Sankt Andreasberg. Mit seiner Jugendliebe Nadja aussteigen, etwas völlig Neues anfangen, raus aus Sankt Andreasberg? TV-Polizist Frank Koops hadert nur kurz. „Und wer sperrt hier die Bösewichte weg?“, fragt er dann.
Dass es im Harz vor Kriminellen nur so wimmelt, mag der Realität nicht entsprechen. Eingefleischte Fans der ARD-Reihe „Harter Brocken“ aber wissen: Dorfpolizist Koops nimmt es mit allen auf - von Mafiosi bis Mördern.
Nun zeigt die ARD den zehnten Teil: „Die Versuchung“ (Samstag, 5.9., 20.15 Uhr, Das Erste). Dieses Mal stehen Drogendealer im Visier, die kiloweise Kokain aus den Niederlanden nach Berlin schmuggeln wollen. Und ausgerechnet im Harz einen Unfall mit ihrem Transporter haben.
Persönliche Dimension für den Dorfsheriff
So gelangt plötzlich Nadjas Bruder Uwe an 18 Eimer voller Drogen im Millionenwert - deklariert als Spachtelmasse. Der Hotelier wollte sich im Angesicht einer drohenden Pleite eigentlich das Leben nehmen, weil ein Kredit nicht bewilligt wurde. Doch nun wittert er eine Wende: „Jetzt wird alles wieder gut.“
Natürlich kommt es anders: Dass der Fall damit für Koops eine persönlichere Dimension bekommt, weiß zunächst nur das Publikum. Vor allem schicken die Niederländer eine Frau, die das Kokain und die beiden Kuriere sucht.
Sie ist skrupellos und geht - wortwörtlich - über Leichen. Mit der Waffe in der Hand mahnt sie: „Lügen ist nicht in Ordnung. Hat dir deine Mama das nicht beigebracht?“ An anderer Stelle sagt sie: „Tot sein hat auch Vorteile.“
Überraschender Publikumsliebling
Der Fall passt bestens in die Reihe, die ursprünglich gar nicht als solche gedacht war. Wohl zur Überraschung aller war der Auftakt im Jahr 2015 der erfolgreichste Fernsehfilm der ARD in jenem Jahr, wie Drehbuchautor Holger Karsten Schmidt einmal erzählte. Also folgten weitere Teile.
Auch jetzt wird in Sankt Andreasberg gegen das organisierte Verbrechen gekämpft. „Wir haben hier einen eigenen kleinen Kosmos, in dem wir uns bewegen“, sagt Produzent Lynn Schmitz laut Presseheft. „Skurrile, charmante Charaktere, mit denen man sich identifizieren kann, treffen auf eine große Herausforderung von außen.“ In der Überhöhung liege der Reiz, das Besondere.
Zehn Folgen „Harter Brocken“ heißt auch: 14 von Koops geschnitzte Specksteinfiguren, 53 Leichen und 9 Schüsse aus der Waffe des Dorfsheriffs. In „Die Versuchung“ sind seine Schießqualitäten ebenfalls Thema - etwa als er und einer der Drogenkuriere von beiden Seiten eine Holztür durchlöchern.
Und auch die Liebe spielt immer wieder eine Rolle: Sieben Mal verschenkt Koops sein Herz vorübergehend. Damit es mit On-Off-Freundin Nadja endlich was wird, stupst Kumpel Heiner Koops an: „Wo ist der Mut, der Aufbruch, die Liebe, Frank?“ Er werde in grenzenloser Einsamkeit enden, fürchtet der Freund.
Unterschätzt werden als mächtige Waffe
Hauptdarsteller Aljoscha Stadelmann ist nach zehn Folgen vor allem eine Szene in Erinnerung: wie er rückwärts mit dem Lada eine Straße in Sankt Andreasberg hochfuhr. „Beziehungsweise der Vorgang an sich“, wie er im Presseheft sagt: „Die Straße runterfahren, angerufen werden und rückwärts wieder hochfahren. Der Moment erzählt die ganze Figur: pragmatisch, nicht angepasst, direkt.“
Von Koops habe er in all den Jahren vor allem gelernt, dass unterschätzt zu werden eine verdammt mächtige Waffe sei, sagt Stadelmann. „Wenn du wie Frank Koops mit dem Lada durch den Harz juckelst, nimmt dich erstmal keiner ernst. Schon gar nicht die Profi-Verbrecher aus der Großstadt.“ Aber genau diese absolute Ruhe im Auge des Sturms sei seine größte Stärke, findet der Schauspieler. „Koops rennt nicht los, er schaut hin.“
Und so kommt es ihm in der neuen Episode gleich merkwürdig vor, dass eine niederländische Spedition angeblich eine Spezialistin in den Harz schickt, um Eimer mit Spachtelmasse zu suchen. Bei seinen Ermittlungen findet er dann mal eine Leiche in der Tiefkühltruhe, mal in einem Kofferraum.
Dass Koops den Verbrechern einen Schritt voraus ist, zeigt sich beim mal wieder schussgewaltigen Showdown. Dafür nutzt er nahezu listig die Gunst der Stunde - und den Umstand, dass gleich mehrere bewaffnete Schwerverbrecher zugegen sind.