Zähl Pixel
Ehemalige DDR-Militärstation

Mit Vogelkot und Rost: Mini-Insel vor Rügen wird versteigert

Die künstliche Insel steht im Greifswalder Bodden, südöstlich der Insel Rügen.

Die künstliche Insel steht im Greifswalder Bodden, südöstlich der Insel Rügen. Foto: Philip Dulian/dpa

Privatinsel in der Ostsee? Bei einer Auktion in Hamburg kommt eine ziemlich ungewöhnliche Immobilie unter den Hammer: eine künstliche Insel. Auf den Käufer wartet aber viel Arbeit.

Von Philip Dulian, dpa Mittwoch, 03.06.2026, 05:10 Uhr

Lauterbach. Von einer eigenen Südseeinsel haben wohl schon viele geträumt - und den Gedanken als schöne Utopie gleich wieder abgetan. Bei einer Auktion am 4. Juni in Hamburg kann ein Höchstbietender ihm nun aber nahe kommen, wenn auch anders: Zum Verkauf steht die ehemalige DDR-Militärstation Ostervilm in der Ostsee, südöstlich der Insel Rügen.

Der Anblick der rund 250 Quadratmeter großen Plattform im Greifswalder Bodden samt Gebäude ist gespenstisch. Türen und Fenster sind aus den Angeln gerissen, die Holzdielen teils eingestürzt. Das Gebäude mit Grünspan und Vogelkot übersät, dazwischen rostende Bauelemente.

Die Insel diente der Volksmarine der DDR als sogenannte Entmagnetisierungsstation, wie die Norddeutsche Grundstücksauktionen AG mitteilt. Marineschiffe seien hier über eine Kabelschleife im Meer behandelt worden, damit sie nicht von Seeminen mit Magnetzündern erkannt werden.

Plattform auf 600 Holzpfählen

Es ist eine künstliche Insel in einer Wassertiefe von etwa zehn Metern. Errichtet wurde sie nach Angaben des Auktionshauses 1954 auf rund 600 Holzpfählen. Auf der Plattform gab es ein Wohnhaus und einen Waschraum, „spartanisch aber funktional“, heißt es dazu im Katalog.

Nach der Wende geriet die Insel nach und nach in Verfall.

Nach der Wende geriet die Insel nach und nach in Verfall. Foto: Philip Dulian/dpa

Nach dem Ende der DDR geriet die Insel trotz wechselnder Besitzer immer mehr in Verfall. Den Zustand beschreiben die Auktionatoren als „marode“. Natur, Vogelkot und Vandalismus setzten dem Gebäude zu. Es gibt Setzungsrisse.

Mindestgebot: 39.000 Euro

Das Mindestgebot liegt bei 39.000 Euro. Einige Interessenten hätten schon Ideen zur künftigen Nutzung, sagt Hanna Scheibeler, Sachbearbeiterin des Auktionshauses. Demnach könnte auf dem Eiland etwa ein Kasino, eine Hochzeitslocation oder eine abgelegene Bar in der Ostsee entstehen. „Hier sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt“, sagt sie.

Auch Burkhard Lenz aus Putbus auf Rügen hatte nach dem Ende der DDR mit einem Freund Ideen, die Insel für etwaige Weiternutzungen umzubauen. Er kannte viele Soldaten der Volksmarine, die zu DDR-Zeiten auf der geheimen Insel gearbeitet haben und zum Fußballspielen nach Putbus gekommen sind, wie er erzählt. Die Einrichtung sei nicht für einen längeren Aufenthalt gedacht gewesen. Meist seien die Soldaten nur einzelne Tage auf der Insel gewesen, wenn mehr zu tun war, auch mehrere Tage.

„Da gab es nicht viel“, sagt Lenz, der Mitte der 1990er Jahre mit dem Freund die Insel vermessen hat. „Man hatte keine 220 Volt, es gab auch kein Trinkwasser auf der Insel. Das wurde immer mit Tanks da ‚rübergebracht.“

Die Pläne, die er und sein Freund geschmiedet haben, zerschlugen sich dann wieder, wie er berichtet. „Nach mehreren Gesprächen mit Fachleuten dazu haben wir alles fallen lassen.“

Die Auktion findet am 4. Juni in Hamburg statt.

Die Auktion findet am 4. Juni in Hamburg statt. Foto: Philip Dulian/dpa

Das Mindestgebot liegt bei 39.000 Euro.

Das Mindestgebot liegt bei 39.000 Euro. Foto: Philip Dulian/dpa

Abgelegen und nur über den Seeweg erreichbar - was mit der Insel passiert, entscheidet der Käufer.

Abgelegen und nur über den Seeweg erreichbar - was mit der Insel passiert, entscheidet der Käufer. Foto: Philip Dulian/dpa

Den Zustand des Gebäudes beschreibt das Auktionshaus als „marode“.

Den Zustand des Gebäudes beschreibt das Auktionshaus als „marode“. Foto: Philip Dulian/dpa

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel

Umfrage: Jeder Dritte trägt Helm auf dem Rad

Fahrradhelme können bei Unfällen oder Stürzen das Risiko schwerer Kopfverletzungen verringern. Dennoch tragen nicht alle einen. Ein anderes Ergebnis der Umfrage ist aber bemerkenswert.

Nach massiver Kritik: Aus für Trumps Opferfonds

Trump wollte angebliche Opfer der Justiz entschädigen lassen. Kritiker sahen den geplanten Fonds als Belohnungsinstrument für treue Anhänger des Republikaners. Nun beugt sich die Regierung dem Druck.