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Hamburger Blumendiebstahl

Mit dieser Friedhofs-Geschichte wird Rassismus offen verbreitet

Die diskriminierende Geschichte über den Blumendiebstahl auf dem Friedhof samt Festnahme ist frei erfunden.

Die diskriminierende Geschichte über den Blumendiebstahl auf dem Friedhof samt Festnahme ist frei erfunden. Foto: Harald Tittel/dpa

Ein Video einer Überwachungskamera soll dreiste Diebinnen auf einem Hamburger Friedhof überführen. Doch dann stellt sich etwas ganz anderes heraus.

Von Redaktion Donnerstag, 11.06.2026, 17:10 Uhr

Hamburg. Es ist ein Aufregerthema: Immer wieder wird auf Friedhöfen Grabschmuck gestohlen. Manche Diebe haben es auf Buntmetall abgesehen, andere auf Blumen und Pflanzen. Um der Sache Herr zu werden, installieren mehr und mehr Gemeinden Kameras. Dies soll einem weit verbreiteten Video zufolge kürzlich zu einer Festnahme in Hamburg geführt haben: Angeblich habe eine „organisierte Gruppe von Flüchtlingsfrauen“ Blumen am Friedhofseingang verkauft, die sie zuvor von Gräbern gestohlen haben soll.

Dieselbe Geschichte wird wortgleich auch mit anderen Bildern verbreitet. Was ist wirklich passiert?

Autokennzeichen sorgen für Verwunderung

Weder Polizei noch Friedhofsbetreiber können eine derartige Festnahme bestätigen. Die Bilder sind teils gefälscht oder stammen aus einem anderen Kontext. Die Geschichte wurde mutmaßlich erfunden, um Stimmung gegen geflüchtete Menschen zu machen.

In beiden Videos sind Szenen von Frauen auf Friedhöfen und Polizeifahrzeugen zu sehen. Außerdem kommen Szenen vor, in denen ein Polizist scheinbar mit mehreren Frauen spricht, die zwischen Blumensträußen am Wegesrand sitzen. Da in beiden Videos dieselbe Geschichte erzählt wird, stellt sich die Frage, welche der Szenen wirklich aus Hamburg stammen.

Die Kennzeichen der gezeigten Polizeifahrzeuge beginnen nicht mit HH, wie in Hamburg zu erwarten wäre, sondern mit HK (Heidekreis) und B (Berlin). Das Fahrzeug aus dem Heidekreis wurde in der Lüneburger Straße im niedersächsischen Soltau aufgenommen. Es handelt sich also um keinen Einsatz in Hamburg.

KI-generierte Szenen

Das vermeintliche Fahrzeug aus Berlin ist eine Fälschung, die wahrscheinlich mit Hilfe von KI erzeugt wurde. Das bestätigte die Polizei auf dpa-Anfrage. Kennzeichen der Berliner Polizei bestehen in der Regel aus einem B, gefolgt von einer Zahl. „B PO 1234“ passt nicht zu dieser Struktur.

Auch die Szenen, in denen scheinbar ein Polizist mit den Frauen spricht, sind künstlich erzeugt - und keine Aufnahmen einer Überwachungskamera, wie im Video behauptet wird. Das zeigen verschiedene Logikfehler:

  • So sieht man im Facebook-Video einen schwarzen Gegenstand neben der rechts sitzenden Frau (ab 0:48) - möglicherweise einen Hocker. Die andere Frau hat ein helles Tuch oder Ähnliches auf dem Schoß. Später im Video stehen die Frauen, die beiden Gegenstände sind jedoch nicht mehr zu sehen (ab 0:57).

  • Im anderen Video ist die Fälschung noch offensichtlicher. Die angeblichen Blumenverkäuferinnen werden aus zwei Perspektiven gezeigt (bei 0:31 und bei 0:49). Doch weder Haarfarben noch Kleidung stimmen in den Szenen überein. In der Beschreibung dieses Videos wird darauf hingewiesen, dass es KI-generierte Inhalte enthält.

Festnahme erfunden

Die Videos sind auf den 29. beziehungsweise den 30. Mai 2026 datiert. Doch die Hamburger Polizei schreibt auf dpa-Anfrage, dass den Ermittlerinnen und Ermittlern des Landeskriminalamts derartige Fälle nicht bekannt sind.

Auch die Hamburger Friedhöfe haben keine derartigen Beobachtungen gemacht oder davon erfahren, wie ein Sprecher auf Anfrage der dpa schreibt. Es komme zwar vor, dass Blumen oder Bronzegegenstände gestohlen werden, aber dies seien wenige Fälle, schreibt der Friedhofsbetreiber. (dpa)

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