Zähl Pixel
Konflikte

Nahost-Krise: Unterschiedliche Reaktionen in Deutschland

Menschen nehmen vor der Synagoge am Berliner Fraenkelufer an einer Mahnwache teil.

Menschen nehmen vor der Synagoge am Berliner Fraenkelufer an einer Mahnwache teil. Foto: Carsten Koall/dpa

Politiker und Zivilgesellschaft ringen mit der Bewertung des neuen Konflikts im Nahen Osten. Dass brutale Gewalt abgelehnt wird, ist Konsens - doch wie viel Toleranz soll für Sympathisanten gelten?

Von dpa Sonntag, 15.10.2023, 22:27 Uhr

Berlin. Die Eskalation des Konflikts zwischen Israel und der vom Gazastreifen aus operierenden islamistischen Hamas ruft in Deutschland weiterhin unterschiedliche Reaktionen hervor.

Der Schriftsteller und Friedenspreisträger Navid Kermani bezeichnete die Lage in Nahost im „Kölner Stadt-Anzeiger“ als neuen Dreißigjährigen Krieg. Spätestens seit 2003 breche ein Land nach dem anderen auseinander, werde ein Land nach dem anderen von Gewalt, Vertreibung, Bürgerkrieg und Terror heimgesucht. „Was Israel jetzt widerfährt, ist daher nicht neu. Aber es betrifft uns ungleich stärker, weil Israel uns aufgrund der deutschen Geschichte besonders nahesteht.“ Kurzfristig könne man „nichts anderes tun, als mit den Menschen zu sein - auf beiden Seiten“.

Kritik an pro-palästinensischen Kundgebungen

Die Vorsitzende der israelitischen Kultusgemeinde für München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, kritisierte die Genehmigung pro-palästinensischer Kundgebungen in deutschen Städten. „Es ist eine Schande, wenn die Politik in einem Land wie Deutschland es zulässt, dass Menschen aus Freude über den Mord an Juden auf der Straße tanzen“, sagte Knobloch der „Augsburger Allgemeinen“. Wenn die Gesetze fehlten, um solche Veranstaltungen zu unterbinden, „dann sollte man sie eben schaffen“.

Demonstrationen sind grundsätzlich von der Versammlungsfreiheit geschützt, können aber unter bestimmten Voraussetzungen eingeschränkt oder sogar verboten werden. In mehreren deutschen Städten waren zuletzt palästinensische Kundgebungen wegen Sicherheitsbedenken oder etwa Gewaltverherrlichung untersagt worden. Es ist aber juristisch umstritten, ob dafür Verdachtsmomente ausreichen.

Warnung vor Verallgemeinerungen gegenüber Muslimen

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland warnte davor, alle Menschen mit muslimischem Hintergrund in einen Topf zu werfen. Zentralratschef Aiman Mazyek sagte MDR Aktuell, man habe in den Moscheen zur Mäßigung und zur Besonnenheit aufgerufen. „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht den Extremisten auf den Leim gehen. Die Hamas versucht, den Befreiungskampf der Palästinenser zu instrumentalisieren. Durch Gewalt pervertiert sie ihn.“

Grünen-Chef Omid Nouripour sagte der „Welt am Sonntag“: „Wir dürfen die Gefahr, die vom Antisemitismus und Dschihadismus in Deutschland ausgeht, nicht unterschätzen.“ Daher müssten auch Unterstützer-Einrichtungen wie das Islamische Zentrum Hamburg (IZH) und ihre Filialen bundesweit „endlich geschlossen werden“. Das seit Jahrzehnten vom Verfassungsschutz beobachtete IZH gilt als verlängerter Arm des iranischen Regimes, das der Hamas zu ihrem Angriff auf Israel am Samstag gratuliert hatte.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel

Voigt wegen Einsatz von KI in der Kritik

Wie weit darf der Einsatz von KI gehen? Thüringens Ministerpräsident Voigt steht in der Kritik, weil Redetexte mit Hilfe von KI erstellt worden sein sollen - darunter auch zu einem sensiblen Anlass.

Hunderte Migranten erreichen Kreta

Knapp 550 Migranten sind in zwei Tagen südlich von Kreta aufgegriffen oder gerettet worden. Viele hatten Schleppern hohe Summen für die gefährliche Überfahrt gezahlt.

Trump wird 80: Verpufft seine Macht?

Seine Amtszeit ist geprägt von einem medialen Dauerfeuer: Überall Trump, Trump, Trump. Doch vor seinem 80. Geburtstag ist der Präsident eher zurückhaltend. Er hat inzwischen nicht nur ein Problem.