Ihr Biss geht durch die Haut: Spinne auch im Kreis Stade gesichtet
Die Nosferatu-Spinne (Zoropsis spinimana) ist nach Angaben des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu) inzwischen fast in ganz Deutschland heimisch. Foto: Benjamin Westhoff/dpa
Im Norden ist die Spinne mit dem gruseligen Namen längst angekommen. Das zeugen auch Meldungen von Buxtehude bis Hammah. Warum die Spinne für das Stadtleben nützlich sein könnte.
Die beißende Nosferatu-Spinne ist vom Mittelmeergebiet bis in den Norden Deutschlands vorgedrungen. Die Art habe sich entlang des Rheins, der Nebenflüsse und in den vergangenen Jahren auch über andere Verkehrswege in Deutschland verbreitet, sagt Hubert Höfer.
Er ist stellvertretender Vorstand der Arachnologischen Gesellschaft, die sich unter anderem mit Spinnentieren in Mitteleuropa befasst.
Erster Fund in Deutschland vor 20 Jahren
Die Nosferatu-Spinne (Zoropsis spinimana) war bis vor gut 20 Jahren nur aus dem Mittelmeergebiet bekannt. Der erste Nachweis für Deutschland stammt nach Angaben des Karlsruher Naturkundemuseums von 2005 aus Freiburg.
Von ihrer Ausbreitung zeugt auch das Beobachtungsportal des Naturschutzbundes (Nabu). Für den Landkreis Stade werden unter nabu-naturgucker.de gleich mehrere Funde der invasiven Art gemeldet. Dort kann jedermann einen Fotobeweis hochladen, diese würden dann geprüft.
Eine Kostprobe:
- Im Oktober 2022 wird die Spinne in Bargstedt gesichtet.
- Für Buxtehude sind drei Meldungen beim Nabu verzeichnet - von September 2023 bis September 2025.
- Ohnehin nehmen mit Bekanntwerden der Nosferatu-Spinne die Beobachtungen zu - so auch im Juli vergangenen Jahres in Hammah sowie im September in Agathenburg.

Die Beinspannweite der Nosferatu-Spinne kann bis zu fünf Zentimeter betragen. Foto: Robert Pfeifle/ NABU /dpa
Biss geht unter die Haut
Die Körper dieser Spinnenart werden demnach etwa ein bis zwei Zentimeter lang. Die Beinspannweite könne bis zu fünf Zentimeter betragen. „Der Name leitet sich von der charakteristischen Zeichnung auf dem Vorderkörper ab, die viele kreative Betrachter an die Fratze des Vampirs aus dem gleichnamigen Kinofilm Nosferatu erinnert“, schreibt das Museum.
Durch ihr Gift, einen robusten Körperbau und ihre Geschicklichkeit bei der Jagd wird die überwiegend nachtaktive Spinne den Angaben nach auch mit recht großer Beute fertig. „Mitunter überwältigt sie auch Hausspinnen, die zumindest in Bezug auf die Beinspannweite größer sind.“
Sie gehört laut Museum allerdings auch zu den wenigen Arten, die mit ihren Giftklauen menschliche Haut durchdringen können. „Der Biss ist für Menschen aber in der Regel ungefährlich.“
Der Schmerz sei meist schwächer als ein Wespenstich. An der Haut könnten aber eine Rötung oder eine Schwellung um die Bissstelle entstehen, die einige Tage anhalten könnten. Ein Biss erfolge fast nur dann, wenn sich das Tier bedroht fühle.
Den direkten Kontakt zur Nosferatu-Spinne meiden
„Von einem direkten Kontakt mit einer ausgewachsenen Nosferatu-Spinne wird deshalb abgeraten.“ Mit einem ausreichend großen Behälter könne man die Spinnen fangen und ins Freie bringen. Der Deutsche Naturschutzbund hat eine Zählaktion gestartet, bei der man die Spinnen online melden kann.
Eventuell wirken die Tiere laut Museum aus menschlicher Sicht positiv auf das Stadtökosystem. Denn sie könnten die Populationen der inzwischen im süddeutschen städtischen Umfeld sehr häufig gewordenen Bernsteinschabe in und an Gebäuden kontrollieren.
Wo man auf die Spinne trifft
Anfänglich seien die Nosferatu-Spinnen fast nur in Gebäuden gefunden worden, berichtet Höfer, der ehemaliger Abteilungsleiter für Biowissenschaften am Naturkundemuseum ist. Mittlerweile würden sie an vielen Orten im Freiland entdeckt, aber auch etwa in Gartenhütten, Schuppen, in Nistkästen sowie unter der Rinde einiger Baumarten im Siedlungsbereich, vor allem bei Platanen.
Ebenso wie für alle einheimischen Tierarten haben die Witterung und langfristig das Klima demnach Auswirkungen auf die Bestände und Überlebenschancen der einzelnen Tiere mit Folgen eventuell für die Populationen. „Bei einer so etablierten Art, die keine besonders engen Ansprüche an den Lebensraum hat, ist da aber wenig Veränderung zu erwarten“, sagt Höfer.
Was tun, wenn man eine solche Spinne entdeckt? Neben dem Nabu-Portal können Funde auch über die Plattform „ObsIdentify“ beziehungsweise „observation.org“ gemeldet werden. Solche Meldungen helfen dabei, die Verbreitung der Art besser zu erfassen und gleichzeitig Verwechslungen mit anderen, ähnlichen Spinnenarten zu vermeiden.
Auch nicht verkehrt: Wenn man ein Tier in der Wohnung entdeckt, kann man es vorsichtig mit einem Glas einfangen und nach draußen bringen. (dpa/tip)
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