Skandal

Gift-Tod im Türkei-Urlaub – Familie fordert Gerechtigkeit

Die Hinterbliebenen der in Istanbul verstorbenen Familie aus Hamburg.

Die Hinterbliebenen der in Istanbul verstorbenen Familie aus Hamburg. Foto: Linda Say/dpa

Eine Hamburger Familie stirbt im Türkei-Urlaub nach einem Gift-Einsatz gegen Bettwanzen. Im Prozess in Istanbul fordern Angehörige Gerechtigkeit – und klagen über fatale Fehler.

Von dpa 21.04.2026, 12:15 Uhr

Istanbul. Fünf Monate nach dem Tod einer vierköpfigen Familie aus Hamburg durch Vergiftung hat der Prozess gegen sechs Angeklagte in Istanbul begonnen. Vor dem Gericht im Istanbuler Viertel Caglayan müssen sich unter anderem ein Hotelbesitzer und der Besitzer einer Schädlingsbekämpfungsfirma verantworten.

Die Staatsanwaltschaft wirft fünf Angeklagten in Untersuchungshaft „bewusste fahrlässige Tötung“ vor, wofür ein Strafmaß von bis zu 22,5 Jahren möglich ist. Einem weiteren Hotelmitarbeiter wird „fahrlässige Tötung“ vorgeworfen, was eine Strafe von bis zu 15 Jahren zur Folge haben könnte. Die Angeklagten weisen die Vorwürfe zurück.

Mehr als 22 Jahre Haft drohen

Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen „bewusste fahrlässige Tötung“ vor und fordert der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge zwischen zwei Jahren und acht Monaten bis zu 22 Jahren und fünf Monaten Haft. Einem weiteren Hotelmitarbeiter wird „fahrlässige Tötung“ vorgeworfen, was eine Strafe von bis zu 15 Jahren zur Folge haben könnte.

Die Schädlingsbekämpfungsfirma steht in der Kritik. So sei die Chemikalie Aluminiumphosphid verwendet worden, die nicht für die Bekämpfung von Bettwanzen geeignet sei, heißt es in der Anklageschrift. Außerdem habe die Firma nicht die nötigen Genehmigungen gehabt und keine Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Bereits in der Vergangenheit hatte es der Anklage zufolge eine Strafanzeige gegen die Schädlingsbekämpfungsfirma wegen eines mutmaßlichen Vergiftungsfalls gegeben.

Die Beschuldigten weisen die Vorwürfe bisher zurück.

Ursache zunächst unklar

Für die Familie sollte es ein Urlaub in der historischen türkischen Metropole werden, den der Vater aus Hamburg für seine Frau und die beiden Kinder organisiert hatte. Doch nachdem sie am 9. November in Istanbul gelandet waren, erkrankten alle vier kurz darauf schwer und mussten noch am selben Tag in die Klinik gebracht werden. Zuerst starben die Mutter (27) und die Kinder im Alter von drei und fünf Jahren - nach mehreren Tagen auf der Intensivstation starb auch der 38 Jahre alte Vater.

Nach dem anfänglichen Verdacht auf eine Lebensmittelvergiftung als Todesursache, rückte dann ihr Hotel im Stadtteil Fatih in den Fokus, nachdem weitere Gäste aus der gleichen Unterkunft medizinisch behandelt wurden. Laut einem Bericht der Rechtsmedizin wurde nach Angaben von Anadolu im Hotelzimmer der verstorbenen Familie das toxische Gas Phosphin entdeckt.

Gift drang wahrscheinlich durch Lüftungsschacht ins Zimmer

Der Anwalt und Freund der Familie, Yasar Balci, sagte der dpa, das Gas könnte über einen Lüftungsschacht ins Zimmer gelangt sein. Er habe später das Zimmer selbst betreten und noch die persönlichen Gegenstände der Familie abgeholt. „Sie hatten ein Prinzessinnenkleid für ihre Tochter und ein Galatasaray-Trikot für ihren Sohn gekauft“, sagte er sichtlich mitgenommen.

Balci vertritt die Familie vor Gericht und fordert Konsequenzen - auch um ähnliche Fälle in der Zukunft zu verhindern, sagte er. Der Anwalt wirft den Beschuldigten „vorsätzliches Handeln“ vor. „Hier müsste für jedes der vier Todesopfer eine separate Strafe von 20 bis 25 Jahren verhängt werden, was eine Gesamtsumme von bis zu 100 Jahren Haft für die Täter bedeuten könnte.“ Er fordert ein „beispielhaftes Urteil, das eine abschreckende Wirkung auf Hotels, Schädlingsbekämpfungsfirmen und staatliche Beamte“ haben solle.

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Hotels im Istanbuler Stadtteil Fatih sind bei Touristen beliebt.

Hotels im Istanbuler Stadtteil Fatih sind bei Touristen beliebt. Foto: Ahmed Deeb/dpa

Im Istanbuler Taksim-Krankenhaus wurden die Familienmitglieder behandelt, nachdem sie Vergiftungserscheinungen zeigten. (Archivbild)

Im Istanbuler Taksim-Krankenhaus wurden die Familienmitglieder behandelt, nachdem sie Vergiftungserscheinungen zeigten. (Archivbild) Foto: Mirjam Schmitt/dpa

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