Zähl Pixel
London

Weiter Parlamentsstreit um britischen Asylpakt mit Ruanda

Das britische Unterhaus hat zwei Änderungsanträge des Oberhauses mit Regierungsmehrheit abgelehnt.

Das britische Unterhaus hat zwei Änderungsanträge des Oberhauses mit Regierungsmehrheit abgelehnt. Foto: Sina Schuldt/dpa

Der Asylpakt mit Ruanda sorgt für Streit. Premier Sunak hält dennoch eisern daran fest. Und verlangt von den beiden Parlamentskammer eine Einigung.

Von dpa Montag, 22.04.2024, 13:40 Uhr

London. Der parlamentarische Streit um ein umstrittenes Gesetz zum britischen Asylpakt mit Ruanda geht weiter. Das Unterhaus in London lehnte zwei Änderungsanträge des Oberhauses mit Regierungsmehrheit ab. Damit geht der Entwurf zurück in die zweite Parlamentskammer, wo er noch am Abend erneut diskutiert werden soll.

Erst wenn beide Kammern das Gesetz annehmen, kann es in Kraft treten. Premierminister Rishi Sunak hatte angekündigt, die Abgeordneten so lange abstimmen zu lassen, bis sie den Entwurf absegnen. Kommentatoren rechnen damit, dass das sogenannte Ping-Pong zwischen den Kammern bis in die Nacht dauern könnte.

Der Asylpakt mit Ruanda sieht vor, dass irregulär eingereiste Migranten in Großbritannien keine Gelegenheit mehr zum Antrag auf Asyl erhalten sollen. Sie sollen stattdessen ungeachtet ihrer Herkunft nach Ruanda gebracht werden und dort Asyl beantragen. Eine Rückkehr nach Großbritannien ist nicht vorgesehen. Mit der Regelung sollen Menschen von der gefährlichen Überfahrt in kleinen Booten über den Ärmelkanal abgehalten werden.

Oberhaus hat Bedenken

Das oberste Gericht in Großbritannien hatte den Asylpakt allerdings für rechtswidrig erklärt und mit Zweifeln an der Rechtsstaatlichkeit in Ruanda begründet. Kritiker werfen dem ostafrikanischen Land Menschenrechtsverletzungen vor. Das neue Gesetz soll das Urteil nun aushebeln, indem es Ruanda per Federstrich zum sicheren Drittstaat erklärt und Einsprüche vor britischen Gerichten gegen Abschiebungen verhindert.

Das Oberhaus, dem fast 800 nicht gewählte Mitglieder angehören, hatte mehrere Bedenken gegen das Vorhaben geäußert. So geht es etwa um die Frage, ob ausländische Staatsbürger, die den britischen Streitkräften oder dem Geheimdienst zum Beispiel in Afghanistan geholfen haben, von den Abschiebungen ausgenommen werden. Die Regierung betont, es gebe für diese Menschen bereits sichere Asylrouten nach Großbritannien, deshalb sei keine Gesetzesänderung nötig.

„Ohne Wenn und Aber. Diese Flüge werden nach Ruanda abheben“: der britische Premier Rishi Sunak über den Asylpakt mit Ruanda.

„Ohne Wenn und Aber. Diese Flüge werden nach Ruanda abheben“: der britische Premier Rishi Sunak über den Asylpakt mit Ruanda. Foto: Toby Melville/PA Wire/dpa

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel

Das ist von Trumps Besuch in Davos zu erwarten

Vor dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos hat Donald Trump die Europäer - traditionell enge Verbündete der USA - einmal mehr vor den Kopf gestoßen. Jetzt reist der US-Präsident in die Schweiz.

Der Trend geht zu alkoholfrei

Der Umgang mit Alkohol verändert sich in Deutschland. Viele verzichten einer Umfrage zufolge inzwischen ganz oder teilweise darauf, vor allem Jüngere.

Betonplatten-Prozess vor dem Ende

Zwei Männer sollen massive Gegenstände von Autobahnbrücken geworfen haben. Danach waren sie als Retter zur Stelle. Ihnen drohen hohe Haftstrafen.