Steingräber: Hier im Kreis Stade darf bald jeder wieder hin
Blick in den Dohrenwald - mit Steingrab und Totholz. Foto: Vasel
Die Großsteingräber bei Grundoldendorf sind älter als die Pyramiden von Gizeh und Stonehenge. Nun werden sie wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht - aber nicht sofort.
Grundoldendorf . Die Baumpflegearbeiten an den Großsteingräbern Im Dohrn bei Grundoldendorf haben begonnen. Mit Säge und Klettergeschirr sind die Baumpfleger zurzeit im Einsatz. „Ziel der Maßnahmen ist es, die etwa 5500 Jahre alten Megalithgräber dauerhaft zu schützen und das seit 2017 gesperrte Areal wieder für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen“, teilt Landrat Kai Seefried mit.
Seit 2017 ist der Dohrenwald aus Sicherheitsgründen gesperrt und damit auch kein Zugang zu den bedeutenden Steingräbern möglich. Foto: Landkreis Stade/Daniel Nösler
„Damit wird nach mehreren Jahren ein wichtiger Schritt unternommen, um eines der bedeutendsten archäologischen Denkmäler im Landkreis Stade wieder erlebbar zu machen“, so Seefried. Die vier Großsteingräber gehören zu den am besten erhaltenen Anlagen ihrer Art in Niedersachsen.
Das Waldgebiet Im Dohrn war ursprünglich durch einen hallenartigen Bestand historischer, teilweise etwa 250 Jahre alter Buchen geprägt. Seit etwa 2016 sterben zunehmend Bäume altersbedingt ab, Bäume und größere Äste sind bereits umgestürzt. Deshalb musste das Gebiet 2017 aus Gründen der Verkehrssicherheit gesperrt werden.
Gleichzeitig stellen instabile und umstürzende Bäume eine unmittelbare Gefahr für die Großsteingräber dar. Wurzelteller oder herabstürzende Stämme können die steinzeitlichen Anlagen erheblich beschädigen. Durch das zunehmend offene Kronendach haben sich außerdem junge Buchen, Ahorn und insbesondere Brombeeren stark ausgebreitet. Teilweise waren die Findlinge der Grabanlagen vollständig überwuchert.
25 Bäume an oder auf den Megalithgräbern im Fokus
Insgesamt wurden 25 Bäume unmittelbar an oder auf den vier Megalithgräbern einzeln hinsichtlich ihrer naturschutzfachlichen Bedeutung und ihrer Gefährdungswirkung auf die Denkmale beurteilt. Je nach Zustand und Standort werden die betroffenen Bäume gefällt oder auf mehrere Meter Höhe eingekürzt. Wo möglich, bleiben gekappte Stämme als stehendes Totholz und Lebensraum für geschützte Arten erhalten - ein gezielter Kompromiss zwischen Denkmal- und Naturschutz.

Zurzeit finden umfangreiche Baumpflegearbeiten im Waldgebiet Im Dohrn statt. Foto: Landkreis Stade
Die Arbeiten im Dohrenwald erfolgen besonders schonend mit Seilklettertechnik. Schweres Gerät darf im unmittelbaren Bereich der Grabanlagen nicht eingesetzt werden, um die Bodendenkmäler und das Landschaftsschutzgebiet nicht zu beschädigen. Zusätzlich gehören die Entfernung von Totholz und die Freistellung der überwucherten Grabanlagen zum Gesamtkonzept.
Die Archäologische Denkmalpflege des Landkreises Stade hat alle Maßnahmen eng mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt. Die Kosten - etwa 12.000 Euro - werden vom Land Niedersachsen getragen.
Die Grabanlagen wurden vor 5500 Jahren errichtet
Die vier Anlagen wurden vor etwa 5500 Jahren, also um 3500 vor Christi Geburt, errichtet. „Sie sind damit älter als die Pyramiden von Gizeh und Stonehenge und gehören zu den herausragenden Zeugnissen der Jungsteinzeit im Landkreis Stade“, ordnet Kreisarchäologe Daniel Nösler ein. Besonders eindrucksvoll ist ihre Erhaltung, einzelne Grabanlagen erreichen erhebliche Umfänge von bis zu 51 Meter Länge.
Die Bedeutung der Gräber wurde früh erkannt: Um 1900 erwarb der Provinzialverband Hannover die Fläche, um die Anlagen vor der Zerstörung zu bewahren. Zwei Drittel der Kaufsumme übernahm der Stader Geschichts- und Heimatverein. 1939 wurde das Waldgebiet zum Schutz der Bodendenkmäler als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen.
Sperrung seit 2017 wird aufgehoben
Nach Abschluss der Arbeiten werden die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die seit 2017 bestehende Sperrung aufgehoben werden kann. Die Großsteingräber sollen damit wieder für Einheimische, Wanderer und archäologisch Interessierte erlebbar werden.
Wichtig ist dabei nicht nur eine einmalige Freistellung: Für die Zukunft ist die regelmäßige Pflege und Unterhaltung des Areals erforderlich, insbesondere die jährliche Kontrolle und die Beseitigung des Aufwuchses im Bereich der Gräber. Neue Beschilderungen mit Informationen zu den Gräbern sollen folgen. (sal)

Landrat Kai Seefried (links) und Kreisarchäologe Daniel Nösler freuen sich darüber, dass die Großsteingräber in Grundoldendorf wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Foto: Landkreis Stade
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