Niedersachsen

Eine Wissenschaftlerin des Landeskriminalamt Niedersachsen arbeitet an Computerbildschirmen. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Eine Wissenschaftlerin des Landeskriminalamt Niedersachsen arbeitet an Computerbildschirmen. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Längst findet Diebstahl verstärkt im Netz statt. Raffiniert nutzen Betrüger die neuen Möglichkeiten der Technik. Um der Entwicklung nicht chancenlos hinterherzulaufen, arbeiten Ermittler in Niedersachsen als erste mit einem bundesweit neuen Instrument.

15.06.2022, 08:00 Uhr

Schadsoftware, Datenklau oder Betrug mit Kryptowährung: Niedersachsens Ermittler sollen künftig besser auf die schnelle Entwicklung der Internetkriminalität reagieren. Mit einem digitalen Assistenten können die ersten Ermittlungsmaßnahmen effizienter und zielgerichteter werden, wie das Innenministerium am Dienstag mitteilte. „Wenn Kriminelle die Vorteile der digitalen Welt nutzen, müssen auch wir kreative und fortschrittliche digitale Verfahren entwickeln, um besser ermitteln zu können“, sagte Innenminister Boris Pistorius bei der Vorstellung in Braunschweig.

Anzeigenaufnahme soll verbessert werden

Der SPD-Politiker stellte zusammen mit Vertretern der Polizei den sogenannten Cyberguide vor. Dieser soll vor allem Beamten bei der Anzeigenaufnahme helfen, die sonst eher nicht mit Internetkriminalität beschäftigt sind. Eine präzise und schnelle Weitergabe von Infos sei eine wichtige Voraussetzung im Kampf gegen Kriminalität im Netz. Der digitale Assistent helfe dabei mit geschickter Fragestellung und integrierter Lotsenfunktion, teilte das Ministerium mit. Das System wurde demnach in elf Inspektionen erprobt und ist seit Mai landesweit im Einsatz.

„Je besser die Qualität einer Anzeige ist, desto besser sind auch die Aufklärungschancen“, sagte der Projektverantwortliche Alexander Eckert. Das System erkenne aus den ersten Angaben schon mögliche Sofortmaßnahmen. So könnten etwa Rückholungen von nicht autorisierten Kontoabbuchungen noch möglich sein. Die Ermittler hoffen, dass aufwendige Nacharbeit ausbleibt, wenn wertvolle Daten wie IP-Adressen häufiger gesichert werden.

Fast 50.000 Fälle im vergangenen Jahr

Der in Braunschweig entwickelte Cyberguide sei bundesweit ein neues Instrument, sagte Minister Pistorius. Die Software werde keine Fälle lösen, sie helfe aber dabei, schneller zu agieren, sagte er zur Einordnung. Für ihn handelt es sich um ein gutes Zeichen, dass Ermittler in der Lage sind, der fortlaufend optimierten Kriminalität folgen zu können. „Da dürfen wir nicht stehen bleiben“, sagte Pistorius.

Zu schnell verändern sich dem Minister zufolge die Phänomene und Begehungsweisen der Straftaten im digitalen Raum, als dass die Ermittler jeweils schon Reaktionen parat hätten. Zudem steigen die registrierten Fälle nach Angaben des Ministeriums kontinuierlich an. Im vergangenen Jahr habe es einen erneuten Anstieg um mehr als 6 Prozent auf fast 50 000 Taten gegeben.

„Der Modus Operandi ändert sich in diesem Deliktsfeld praktisch täglich“, sagte Pistorius. Er zeigte sich daher froh, dass dagegen auch mit eigenen Entwicklungen vorgegangen wird. Die reinen Projektkosten bezifferten die Verantwortlichen nur bei etwas mehr als 200 000 Euro. Vielleicht ist auch das ein Grund für Interesse aus den anderen Bundesländern. Entsprechende Anfragen liegen dem Projektteam zufolge schon vor. (dpa)

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