Vom Absteiger zum Aufsteiger? Die Jagd aufs Oberhaus beginnt
Wolfsburgs neuer Trainer Tobias Strobl soll den Verein zurück in die Bundesliga führen. (Archivbild) Foto: Swen Pförtner/dpa
Die WM ist Geschichte, der Ligaalltag beginnt: Drei Wochen vor der Bundesliga startet die 2. Liga in die neue Saison. Wer zählt zu den Aufstiegsfavoriten und welche Teams könnten überraschen?
Bochum. Drei Bundesliga-Absteiger, ambitionierte Traditionsvereine und ein Topfavorit: Die neue Saison in der 2. Fußball-Bundesliga verspricht Spannung von Beginn an. Eröffnet wird die Spielzeit an diesem Freitagabend mit dem Duell zwischen dem VfL Bochum und Hertha BSC (20.30 Uhr/Sat.1 und Sky). Doch wer sind die Favoriten auf den Aufstieg ins Oberhaus?
VfL Wolfsburg - Der Topfavorit auf schnelle Rückkehr
Mit einem der wertvollsten Kader der Liga ist der VfL Wolfsburg der Topfavorit auf den direkten Wiederaufstieg. Nach dem erstmaligen Abstieg nach 29 Jahren Bundesliga-Zugehörigkeit soll der junge Trainer Tobias Strobl den Neuaufbau gestalten. Mit Fabian Reese verpflichteten die Wölfe einen der begehrtesten Spieler der Liga. Auch die erfahrenen Neuzugänge Hauke Wahl und Robert Glatzel sollen den Club aus der Autostadt zurück in die Bundesliga führen. Die größte Gefahr liegt weniger im Kader als in der Erwartungshaltung.
FC St. Pauli - Zwischen Umbruch und Ambitionen
Für St. Pauli beginnt nach zwei Jahren Bundesliga ein neuer Abschnitt. Der Club hat sich unter den schwierigen Bedingungen des Oberhauses weiterentwickelt, muss nun aber einen Umbruch bewältigen. Mit Marcel Rapp übernimmt ein Trainer mit Zweitliga-Erfahrung. Dazu bleiben eine klare Spielidee und die besondere Atmosphäre am Millerntor wichtige Trümpfe der Kiezkicker. Gleichzeitig hinterlassen Abgänge wie Hauke Wahl, Nikola Vasilj und Manolis Saliakas Lücken im Team.

St. Paulis neuer Coach Marcel Rapp hat Zweitliga-Erfahrung. (Archivbild) Foto: Christian Charisius/dpa
Hannover 96 - Der ewige Anwärter
Seit dem Bundesliga-Abstieg 2019 zählt Hannover 96 Jahr für Jahr zum erweiterten Favoritenkreis - der große Wurf blieb bislang jedoch aus. In der vergangenen Saison fehlten am Ende lediglich zwei Punkte zum Aufstieg. Mit Trainer Christian Titz setzt der Traditionsverein auf Kontinuität, während der neue Geschäftsführer Sport Jonas Boldt den lang ersehnten Weg zurück in die Bundesliga ebnen soll. Hannovers Problem war zuletzt nicht die grundsätzliche Qualität, sondern die fehlende Konstanz im entscheidenden Saisonabschnitt.
1. FC Heidenheim - Kontinuität als Trumpf
Heidenheim unter Frank Schmidt steht für Kontinuität, Leidenschaft und taktische Klarheit - und das seit fast 19 Jahren. Gerade nach einem Abstieg ist diese Kontinuität ein großer Vorteil. Heidenheim muss seine Identität nicht neu erfinden und kann zum Großteil auf einen Kader bauen, der in den vergangenen drei Jahren Bundesliga-Erfahrung gesammelt hat. Wenn die mannschaftliche Geschlossenheit erhalten bleibt, kann Heidenheim zu einem gefährlichen Herausforderer der finanzstärkeren Konkurrenz werden.

Der 1. FC Heidenheim will nach dem Abstieg am liebsten sofort zurück in die Bundesliga. (Archivbild) Foto: Harry Langer/dpa
1. FC Nürnberg - Das Überraschungspaket?
Der 1. FC Nürnberg könnte als mögliches Überraschungsteam um den Aufstieg mitmischen. Unter Miroslav Klose hat sich der Club zuletzt kontinuierlich weiterentwickelt. Ein junger und talentierter Kader mit einer Mischung aus erfahrenen Kräften und entwicklungsfähigen Spielern bietet durchaus Potenzial für den Angriff auf die Spitzengruppe. Die Leihe von Barcelonas 22-jährigem Mikayil Faye ist wohl ligaweit einer der besten Transfers der Sommerpause. Ob aber die Erfahrung des Teams ausreicht, wird sich zeigen.
Auch andere Vereine haben Ambitionen
Im Kampf um die oberen Tabellenplätze wollen auch andere Clubs ein Wörtchen mitreden. Ob Hertha BSC nach dem großen Umbruch und zahlreichen Abgängen wie Kapitän Reese schnell wieder Stabilität findet, bleibt ebenso abzuwarten wie die Entwicklung der Vorjahres-Bundesligaabsteiger VfL Bochum und Holstein Kiel. Hoffnungen auf eine Rückkehr in die Bundesliga dürften sich auch der SV Darmstadt 98 und der 1. FC Kaiserslautern machen - doch wie viele Teams der Liga sind auch sie Wundertüten.
Die Neulinge: Osnabrück und Cottbus
Mit dem VfL Osnabrück und Energie Cottbus stoßen zwei Traditionsvereine mit leidenschaftlichen Anhängern zur Liga. Für beide dürfte zunächst der Klassenerhalt im Vordergrund stehen – auch wenn das Fan-Umfeld sicherlich von mehr träumt. Cottbus mit dem prominenten Rückkehrer Leonardo Bittencourt und dem emotionalen Trainer Claus-Dieter Wollitz dürfte für viele Gegner eine unangenehme Aufgabe werden und die Auswärtsfahrten an die Spree wohl nicht zu den beliebtesten der Saison zählen.

Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz will in der 2. Bundesliga für frischen Wind sorgen. (Archivbild) Foto: Jens Niering/dpa