Was die anhaltende Trockenheit mit den Bäumen macht
Nicht nur Mensch und Tier, auch die Bäume leiden seit Wochen unter Hitze-Stress. Foto: David Ebener/dpa
Nach Jahren der Trockenheit kämpfen viele Bäume in Deutschland mit Hitze und Dürre. Was das für Wälder und Städte bedeutet – und wie es weitergehen könnte.
Düsseldorf. Ein Sommer der Superlative: Mehrere Bundesländer verzeichneten im Juli Hitzerekorde. Mehrere große deutsche Flüsse – allen voran Rhein, Elbe und Donau – verbuchten extreme Niedrigwasserstände. Nachdem eine Hitzewelle die nächste ablöst und langanhaltender Landregen weiterhin nicht in Sicht ist, stellt sich die Frage: Was macht das mit unseren Bäumen? Eine Zwischenbilanz des Sommers 2026.
Wie ist die Ausgangslage?
Deutschlands Bäume leiden schon seit Jahren massiv unter Trockenheit und Hitze. Die Schäden begannen spätestens mit dem Dürrejahr 2018. Laut Waldzustandsbericht für 2025 kämpfen die deutschen Wälder seitdem weiter mit den gravierenden Folgen. Eichen, Buchen, Kiefern und Fichten und andere Bäume stehen also nicht erst jetzt unter hartnäckigem Klimastress. Unter den häufigsten Arten sind bereits vier von fünf Bäumen krank.
Welche Auswirkungen hat das auf Ökosysteme?
Forscher der Technischen Universität München (TUM) haben herausgefunden, dass seit 2018 in ganz Europa ein beispielloser Biomasseverlust, also der organischen Masse an Bäumen und Pflanzen, zu beklagen sei. Das bedeute auch einen hohen Verlust des im Wald gespeicherten Kohlenstoffs.
Für die Ökosysteme ist das eine besorgniserregende Entwicklung: Bäume binden nicht nur das Treibhausgas CO2. Sie produzieren auch Sauerstoff, speichern Wasser, schützen Böden und bieten Lebensraum für unzählige Arten.

Wer in diesen Wochen draußen unterwegs ist, wähnt sich vielerorts bereits im Herbst. Foto: David Ebener/dpa
Dieser empfindliche Kreislauf des Lebens ist seit Jahren aus der Balance. „In Deutschland, dem Land mit dem höchsten Holzvorrat der EU, verlieren gestörte Wälder jährlich im Schnitt rund 125 Tonnen Biomasse pro Hektar“, heißt es in einer TUM-Mitteilung zu einer jüngst veröffentlichten Studie im Fachjournal „Nature Geoscience“. „Während zunehmende Dürren Bäume schwächen, verbessern sie die Lebensbedingungen für Borkenkäfer.“
Welche Folgen haben die Hitzewellen dieses Sommers?
Die im langjährigen Vergleich deutlich zu hohen Temperaturen und geringen Niederschläge haben vielerorts zum Austrocknen der oberen Bodenschicht geführt. Beispiel Nordrhein-Westfalen: „94 Prozent der Landfläche von NRW sind Ende Juli von ungewöhnlicher Trockenheit und Dürre betroffen - Tendenz steigend“, berichtete der Landesbetrieb Wald und Holz der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf.
Besonders angegriffen seien diesjährige Frühjahrsanpflanzungen von Laub- und Nadelgehölzen. „Es ist damit zu rechnen, dass auf den Wiederbewaldungsflächen, wo Sturm, Dürre und Borkenkäfer-Massenvermehrung gravierende Schäden hinterlassen haben, junge Pflanzen absterben.“ Ältere Bäume könnten aufgrund ihrer Verwurzelung in tieferen Bodenschichten zumeist noch ausreichend Wasserreserven finden.
Was merkt man vor Ort?
Wer in diesen Wochen draußen unterwegs ist, wähnt sich vielerorts bereits beim Herbstspaziergang. Als Schutzreaktion auf die Hitze und die Trockenheit werfen viele Bäume teilweise oder sogar komplett ihr Blattwerk ab. In NRW fielen derzeit besonders in der Eifel und vor allem bei Birken und Linden viele gelb verfärbte oder sogar bereits kahle Baumkronen auf, berichtete der Landesbetrieb Wald und Holz.

Als Schutzreaktion auf die Hitze und die Trockenheit werfen viele Bäume teilweise oder sogar komplett ihr Blattwerk ab. Foto: David Ebener/dpa
In Wuppertal sorgen sich die Anwohner um ihre Alleen. In der bergischen Großstadt mussten in diesem Jahr schon fast 1.000 vertrocknete Stadtbäume gefällt werden. „Die mehr als 80 Jahre alten Buchen in unseren Grünanlagen sind doch immer dran gewöhnt gewesen, dass die Sommer feuchter und kühl waren im Bergischen, mit der Hitze und der Trockenheit kommen sie gar nicht zurecht und vertrocknen rasant“, berichtete der Wuppertaler Forstabteilungsleiter in der vergangenen Woche dem WDR.
Wo sieht es in Deutschland besser und wo schlechter aus?
Laut „Hitze-Check 2026“ der Deutschen Umwelthilfe sind zwischen 2018 und 2025 infolge der Klimakrise und der damit verbundene Dürre bereits fast eine Million Bäume in 195 Städten mit mehr als 50.000 Einwohnern verschwunden. Besonders schlecht schnitten in der Gesamtauswertung Offenburg, Lahr und Mannheim ab.
Wuppertal gehörte dagegen neben Kiel zu den Städten, die positiv hervorstachen. Wuppertal setzt künftig auf hitzeresistente Baumarten wie die europäische Hopfenbuche, den Amberbaum oder die Esskastanie.
Wie hoch sind die aktuellen Hitzeschäden?
Das lässt sich noch nicht belastbar sagen. Sicher schwäche die diesjährige Trockenheit die Bäume weiter, stellten die Forstexperten vom NRW-Landesbetrieb fest. Aber: „Viele Baumarten werden erst im nächsten Jahr mit deutlichen Absterbe-Erscheinungen in der Krone reagieren.“
Insbesondere vorgeschädigte Bäume seien gefährdet, mittelfristig abzusterben. „An beispielsweise durch Wurzelpilzbefall geschädigten Bäumen ist in den nächsten Jahren mit deutlichen Folgeschäden zu rechnen.“
Derzeit sind wieder geschulte Teams in den Wäldern unterwegs, um deren Gesundheitszustand systematisch zu erfassen. Die Daten werden in die Waldzustandsberichte von Bund und Ländern einfließen. Erst dann wird das Gesamtausmaß zuverlässig sichtbar.
Wie schlimm sind die Aussichten für den Wald?
Der Waldexperte Cornelius Senf bleibt positiv. „Wälder sind durchaus in der Lage, sich von Störungen zu erholen“, stellt der TUM-Professor fest. „Es besteht also Grund zur Hoffnung, denn die meisten gestörten Flächen werden wieder als Kohlenstoffspeicher fungieren.“ Dafür müsse die Waldbewirtschaftung aber an den Klimawandel angepasst werden.