E-Bike-Akku entzündet sich von selbst: Teurer Schaden im Haus
Akkus von E-Bike kommen bei einem Brand ins Wasserbad - eine Löschdecke etwa hilft nicht weiter. (SYMBOLBILD) Foto: Samtgemeinde Lühe/Archiv
Die Meldungen häufen sich: In Bramstedt versucht ein 60-jähriger Mann, den Brand selbst zu löschen. Der Schaden ist immens.
Bereits vor dem langen Pfingstwochenende ist es in Bramstedt im Landkreis Cuxhaven zu einem Brand eines Akkus eines Pedelecs gekommen. Warum der Akku sich selbst entzündete, werde derzeit noch ermittelt, heißt es in einer Mitteilung der Polizei.
Der Schaden jedoch sei beträchtlich. So brach das Feuer in einem Zimmer des Hauses aus. Der 60 Jahre alte Bewohner habe noch eigene Löschversuche unternommen - ohne Erfolg. Erst die alarmierte Feuerwehr konnte das E-Bike samt Akku aus dem Haus befördern, so die Polizei.
Durch eingeatmete Rauchgase erlitt der Mann leichte Verletzungen. Er wurde vorsorglich in ein Krankenhaus gebracht. Der entstandene Schaden am Pedelec als auch im Zimmer des Wohnhauses wird von der Polizei auf etwa 15.000 Euro geschätzt.
Blaulicht
T E-Bike-Akku explodiert - Wohnungsbrand in Stade
E-Bike: Akku-Brand ist chemischer Prozess
Die grundsätzliche Feuergefahr von Akkus mit Lithium-Ionen-Technologie ist unbestritten. Beim Umweltbundesamt (UBA) spricht man von einem „erhöhten Gefahrenpotenzial“. Batterien dieses Typs besitzen hohe Energiedichten, halten also lange durch, und entladen sich kaum selbst, wenn sie nicht genutzt werden.
Das Problem: Sind sie einmal in Brand geraten, ist ein chemischer Prozess in Gang gesetzt, der das Löschen zu einer speziellen Herausforderung macht. Für die Feuerwehren sind E-Auto- oder E-Akku-Brände noch relativ neu.
E-Akku-Brände mit großer Stichflamme möglich
„Ab 60 Grad Celsius im Innern kann ein Lithium-Ionen-Akku zu brennen beginnen“, sagt Frank Hachemer. Er ist für den Bereich Vorbeugender Brandschutz zuständiger Vizepräsident beim Deutschen Feuerwehrverband. „Wenn die Reaktion abgeht, dann entlädt sich Energie schlagartig, das gibt eine heftige Stichflamme.“
Zwar seien Elektrogeräte schon immer die Brandursache Nummer eins in Deutschland, doch das liege nicht speziell an den Akkus. Panikmache sei grundsätzlich unangebracht. „Es sind seltene, aber dann mitunter sehr spektakuläre Fälle“, so Hachemer. Auf der UBA-Website heißt es: „Lithiumhaltige Batterien und Akkus sind bei ordnungsgemäßem Umgang sicher.“
Der Umkehrschluss aber lautet: Man kann Fehler machen. Und vorbeugende Maßnahmen sind gefragt.
Lager vor Abverkauf
Preise gesunken: So viel kosten neue E-Bikes im Schnitt
Vorbeugen geht besser als Löschen
Werden Geräte zu warm, sei das Kurzschlussrisiko erhöht. Schmelzen dann Kunststoffwände im Gerät, könne Sauerstoff eintreten: „Und Lithium reagiert sehr heftig mit Sauerstoff.“
Beim Laden der Energiespeicher sollten ausschließlich Ladegeräte und Kabel, die für das entsprechende Gerät vorgesehen sind, genutzt werden. So schützt das Akku-Managementsystem optimal vor Überladung, so zumindest das Versprechen vieler Hersteller. Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) rät dennoch dazu, Ladegeräte nach der Ladung wieder auszustöpseln: Kommt es doch zur Überladung, könne dies zu einer gefährlichen Reaktion der Lithium-Batterie führen.
Der Tüv rät: „Kontrollieren Sie ab und an, dass das Gerät nicht zu heiß wird. Wenn man es nicht mehr anfassen kann, sollte sofort der Stecker gezogen werden.“ Akkus über Nacht zu laden sollte deshalb vermieden werden. Ist ein Rauchmelder in der Nähe - umso besser.
Was, wenn der E-Bike-Akku brennt?
Der Vizepräsident des Feuerwehrverbands geht mit seinen Vorsichtsmaßnahmen einen Schritt weiter: Nach Möglichkeit laden zum Beispiel E-Bike-Akkus, die bei einem Brand rund 800 Grad heiß würden, gar nicht in Haus oder Wohnung. „Das kann natürlich im Falle einer Wohnung im Mietshaus unrealistisch sein“, sagt er.
Branddecken auf Geräte mit Lithium-Ionen-Akkus zu werfen, löst das Problem erst gar nicht. Zwar könne man Flammen ersticken, die womöglich auf die Umgebung übergegriffen haben. Doch nicht den Akkubrand selbst, da die chemischen Prozesse den fürs Feuer nötigen Sauerstoff immer wieder selbst erzeugen.
Gleiches gilt für Spezialfeuerlöscher, die im Handel angeboten werden. Frank Hachemer betont, diese könnten zwar ebenfalls Brände um den Akku herum gut löschen, „aber sie erreichen nicht die notwendige Kühlung. Der chemische Prozess läuft weiter, es heizt sich wieder auf und fängt wieder an zu brennen.“
Neben Brandverletzungen droht weiteres Gesundheitsrisiko. „Beschädigte Batterien können gesundheitsschädliche Gase freisetzen“, heißt es auf der BAM-Website. Das UBA rät, auch verformte oder aufgeblähte Akkus nicht mehr zu verwenden. „Zum Beispiel E-Scooter werden sehr oft rüpelhaft behandelt“, sagt Dinkler. Den Zustand eines Elektro-Leihrollers zu überprüfen, bevor man losdüst, ist also ebenfalls ratsam. (tip/dpa)
Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.