Da tanzen sogar die Puppen: Woitschack gewinnt „Let’s Dance“
Anna-Carina Woitschack hat „Let’s Dance“ gewonnen. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
Nach Monaten voller Glitzer, Tränen, ein wenig Blut und etlichen Joachim-Llambi-Urteilen steht fest, wer „Let’s Dance“ gewinnt: eine Frau, die zwischen Marionetten aufgewachsen ist.
Köln. Vom Puppenspiel zur Perfektion: Schlagersängerin Anna-Carina Woitschack hat mit einer makellosen Leistung die RTL-Show „Let’s Dance“ gewonnen. Die 33-Jährige setzte sich im Finale mit ihrem Tanzpartner Evgeny Vinokurov durch. Das Duo bekam dabei 90 Punkte von der Jury - die Höchstwertung. Das Nachsehen hatten Musiker Milano (27) und Ninja-Warrior-Athlet Joel Mattli (32). Die beiden Männer landeten auf dem zweiten und dritten Platz. In die Endabrechnung flossen wie üblich sowohl Jury- als auch Publikumspunkte ein.
Woitschack, die einer Puppenspieler-Familie entstammt und sich nun eine veritable Fernsehkarriere aufgebaut hat, konnte ihr Glück kaum fassen. Fast ungläubig hievte sie den großen Pokal in Form einer Discokugel, den es in der Show zu gewinnen gibt, in die Höhe. „Ich bin hier sehr über mich hinausgewachsen“, fasste sie ihren Weg auf dem Tanzparkett in den vergangenen Monaten zusammen.
Im mehrstündigen Finale mussten die Finalisten drei Tänze zeigen. Vor allem der sonst so strenge Juror Joachim Llambi zeigte sich dabei von Woitschack begeistert. „Wenn du mit dem Tanz die Leute nicht überzeugt hast, dann weiß ich nicht, was wir hier noch machen sollen in dieser Veranstaltung“, sagte er nach ihrem Paso Doble. „Dann können wir nach Hause gehen.“
Pinocchio auf dem Parkett
Deutlicher hätte man eine Wahlempfehlung kaum formulieren können. Llambi hatte sich zuletzt etwas darüber echauffiert, dass die ebenfalls von ihm hochgelobte No-Angels-Sängerin Nadja Benaissa wegen mangelnder Zuschauerstimmen aus dem Format geflogen war. Das sei ein „ein Schlag ins Gesicht für Leistung und Fairness“ gewesen, so sein Urteil. Diesmal sollte es anders kommen.

Anna-Carina Woitschack griff in ihrem Abschlusstanz die Puppenspieler-Tradition ihrer Familie auf. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
Über Woitschacks Abschlusstanz sagte Llambi, dass es sich um einen Freestyle gehandelt habe, „den wir in den letzten Jahren nicht einmal hatten“. Da konnte man dem Juror nur zustimmen - die Sängerin hatte ein kleines Tanz-Theaterstück inszeniert, das in vielerlei Hinsicht in Erinnerung blieb.
Woitschack vertanzte - wie man es im „Let’s Dance“-Jargon sagt - die Geschichte ihrer Familie, die nach RTL-Angaben seit rund 300 Jahren ein Marionettentheater betreibt. Zu Beginn hingen die Sängerin und ihr Partner an Marionettenfäden. Dann erzählte die Choreographie von menschengroßen Puppen, die zum Leben erwachen. Am Ende sackte das Paar schließlich leblos zusammen. „Auch für mich war das eine Herausforderung, das zu choreographieren“, sagte Tanzprofi Vinokurov. Für ihn wurde es das Ticket zu seinem allerersten „Let’s Dance“-Sieg. Das Format läuft nun seit 20 Jahren in Deutschland.
Woitschack bedankte sich nach dem Puppen-Tanz bei ihrem Vater, der für die Inszenierung seine Marionetten zur Verfügung gestellt hatte - obwohl er zu einer gewissen Pingeligkeit neige, was seine Schätze angehe. Er habe stets Angst um die Fäden, berichtete Woitschack. „Also, danke Papa“, sagte sie.
Die Frau hinter den Fäden
Die Sängerin ist tatsächlich mit einem Puppentheater aufgewachsen - jahrelang lebte sie in einem Wohnwagen, weil ihre Eltern damit umherreisten. Die 33-Jährige wählte aber irgendwann einen anderen Weg. 2011 wurde sie durch die RTL-Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ bekannt. Danach trat sie in weiteren TV-Formaten auf, unter anderem im RTL-Dschungelcamp. Zeitweise war sie in einer Beziehung mit Moderator und Trompeter Stefan Mross (50).

Sänger Milano und Tanzpartnerin Marta Arndt spielten die ikonische Kuss-Szene aus den Spider-Man-Filmen nach. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
Woitschacks Konkurrenten, Sänger Milano und Ninja-Warrior-Athlet Joel Mattli, bekamen ebenfalls viele Höchstwertungen, leisteten sich aber auch ein paar kleine Wackler. Milano warf sich zum finalen Tanz in ein Spider-Man-Kostüm und hing kopfüber im Studio wie dereinst Schauspieler Tobey Maguire in der Kino-Verfilmung des Spinnenmann-Stoffs. Tanzpartnerin Marta Arndt mimte Spider-Man-Freundin Mary Jane - inklusive eines angedeuteten Filmkusses. Milano wurde damit am Ende Zweiter. Nach Angaben von Moderatorin Victoria Swarovski war es eine sehr knappe Entscheidung.
Spider-Man gegen Elvis
Ninja-Warrior-Athlet Joel Mattli schlüpfte dagegen in die Rolle eines Elvis-Wiedergängers – inklusive Haartolle, Goldjacke und jeder Menge Hüftschwung. Auch er erhielt viele gute Bewertungen, auch wenn diese mitunter etwas nüchterner und technischer ausfielen als bei der Konkurrenz. Joachim Llambi etwa meinte, Mattli habe ganz „sauber“ getanzt. „Man kann da nichts finden.“ Und Elvis Presley sei natürlich ein „dankbares Thema“.

Sportler Joel Mattli mimte Elvis Presley. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
Anna-Carina Woitschack übernimmt nun den RTL-Tanzthron von Diego Pooth. Der Sohn von Moderatorin und Werbe-Ikone Verona Pooth („Da werden Sie geholfen“) hatte sich im vergangenen Jahr zusammen mit Tanzpartnerin Ekaterina Leonova den Sieg gesichert.
In der mittlerweile 19. Staffel von „Let’s Dance“ waren insgesamt 14 Promis angetreten. Manche mauserten sich zu Publikumslieblingen - etwa der Tokio-Hotel-Schlagzeuger Gustav Schäfer, der lange etwas im Schatten seiner prominenten Band-Kollegen Bill und Tom Kaulitz gestanden hatte.
Auch gab es einige ungewöhnliche Ereignisse. Mal hielt eine Zuschauerin Llambis Punktekelle hoch, mal blutete Ross Antony nach einem unglücklichen Treffer seiner Tanzpartnerin im Gesicht. Seine Rumba tanzte er trotzdem zu Ende.

Die Jury vergab viele Höchstwertungen - und brachte den großen Pokal ins Studio. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa