„Timmy“ droht zu explodieren: Bergung von Buckelwal scheitert
Der Buckelwal vor der dänischen Insel Anholt soll auf das Festland gezogen werden. (Archivbild) Foto: Marcus Golejewski/dpa
Der Kadaver bläht sich immer weiter auf - und stört die Einheimischen. Ein erster Bergungsversuch geht schief. Wie es nun weitergehen soll.
Anholt. Nach erfolglosen Transportversuchen bleibt der Kadaver des als „Timmy“ bekannten Buckelwals voraussichtlich über Pfingsten vor der dänischen Urlaubsinsel Anholt liegen. Die dänischen Behörden hatten zunächst probiert, den Wal in tieferes Gewässer zu ziehen, um ihn anschließend in einen Hafen auf dem Festland zu bringen. „Es ist nicht gelungen, den geplanten Transport durchzuführen“, teilte Jane Hansen von der dänischen Umweltbehörde mit. Stattdessen stecke der Wal nun auf einer Sandbank fest.
Die Aktion sei deshalb vorübergehend unterbrochen worden, „während die Einsatzkräfte alternative Möglichkeiten für den Transport des Wals prüfen“, hieß es. „Das Ziel bleibt, den Wal zum Hafen von Grenaa zu transportieren, da die Einrichtungen dort die besten für die Obduktion und der Entnahme wissenschaftlicher Proben sind.“ Ein neuer Versuch werde aber voraussichtlich erst nach Pfingsten möglich sein.
Am frühen Abend lag der stark aufgeblähte Walkadaver umringt von Möwen vor Anholt, wie auf Bildern des Livestream-Anbieters News5 zu sehen war. Bliebe er dort liegen, könnte er laut Umweltbehörde Anwohner und Touristen stark belästigen. Dänemark steht zudem ein sonniges Wochenende bevor. Dadurch könnte die Gefahr steigen, dass der Kadaver explodiert..
Hafen steht für Ankunft bereit
„Wenn die Behörden den Wal frei bekommen, dauert die Fahrt mit dem Tier geschätzt sechs Stunden“, sagte Torben Koustrup, COO des Hafens Grenaa, der Deutschen Presse-Agentur. Normalerweise brauche man zwar nur rund drei Stunden. „Aber sie können nicht so schnell mit dem Kadaver fahren, weil sie Angst haben, dass er kaputtgeht.“
Im Hafen sei für den Empfang des Wals alles bereit. „Wir werden versuchen, ein Metallgitter unter dem Wal zu platzieren, um ihn an Land zu bekommen“, sagte Koustrup. Die Geräte, mit denen die Hafenarbeiter normalerweise Boote anheben, könnten sie nicht verwenden, weil der Wal so aufgebläht sei. „Dann fahren wir ihn zu einem Schotterplatz, wo er obduziert werden soll - so weit weg von allem wie möglich.“
Einheimische wollen Walkadaver schnell loswerden
Im Hafen sei es leichter, den Kadaver zu bearbeiten, hatte die Umweltbehörde zuvor mitgeteilt: „In Grenaa werden Wissenschaftler und Tierärzte die Untersuchungen und Probe-Entnahmen durchführen, wie sie bereits bei früheren Strandungen größerer Wale vorgenommen wurden.“ Das soll voraussichtlich am Freitag stattfinden. Anschließend soll der Wal laut Torben Koustrup in Containern weggefahren werden.
Geht es nach den Inselbewohnern, sollte der Wal lieber heute als morgen verschwinden. „Es ist ein großer Wunsch der Einheimischen, dass der Wal zeitnah abtransportiert wird, damit er die Urlauber nicht stört“, sagte Pia Lange Christensen, Direktorin der Tourismusorganisation Visit Aarhus, die auch für die Insel Anholt zuständig ist, der Deutschen Presse-Agentur. Die Saison habe gerade begonnen. „In den nächsten Wochen werden immer mehr Touristen auf die Insel kommen, die ein sehr beliebtes Urlaubsziel ist.“
Für Dänemark als Land mit vielen Küsten sei es nicht ungewöhnlich, dass immer mal wieder Wale strandeten, sagte Christensen. „Und normalerweise dauert es nicht lange, bis die Behörden die Tiere entfernt haben.“
Zuvor war das geschwächte Tier mehrfach an der deutschen Ostseeküste gestrandet. Vor einigen Wochen hatte eine private Initiative es noch lebend zur Nordsee transportiert und freigesetzt. Später wurde der Wal aber tot vor Anholt angeschwemmt. Dort stellt er nun die Dänen vor Herausforderungen. Als Tourismusorganisation könne man aber auch etwas Positives aus der Sache ziehen, sagte Pia Lange Christensen von Visit Aarhus: „Immerhin hat der Wal Anholt Aufmerksamkeit beschert.“
Umweltministerium will Tracker-Daten auswerten
Das Schweriner Umweltministerium versucht währenddessen, einen zuvor von der Initiative an dem Tier angebrachten Tracker zu bekommen, um die Daten darauf auszuwerten. Denn noch ist unklar, wie lange das Tier nach seiner Freisetzung noch gelebt hat.
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