Falsche Abschlüsse: Zeugnis-Panne weitet sich aus
An einer Oberschule in Vechta waren 107 Schülerinnen und Schüler in den vergangenen Schuljahren mit einem zu niedrigen oder gar keinem Abschluss entlassen worden. (Symbolbild) Foto: Maria Berentzen/dpa
Mehr als 100 Jugendliche erhielten an einer Oberschule einen zu niedrigen oder gar keinen Abschluss. Weitere Schulen sollen betroffen sein. Eine Schülerin spricht.
Hannover/Vechta. Nach den fehlerhaft vergebenen Schulabschlüssen an der Geschwister-Scholl-Oberschule in Vechta haben sich bereits Menschen bei der Anlaufstelle des Landes in Osnabrück gemeldet. 18 der 28 bis zum vergangenen Montag eingegangenen Meldungen bezögen sich auf die Schule in Vechta, teilte das Kultusministerium mit. Die übrigen Meldungen beträfen mehrere andere Schulen.
Welche Schulen genannt wurden, teilte das Ministerium nicht mit. Vor Abschluss der laufenden Überprüfung würden Angaben dazu auf unvollständigen Erkenntnissen beruhen. Die Ergebnisse sollen voraussichtlich Anfang Oktober vorgestellt werden.
Um Abschluss gebracht - „Ein richtiger Schlag ins Gesicht“
Sanem Arduc aus Vechta hat jahrelang umsonst die Schulbank gedrückt, weil ihr der Abschluss verweigert wurde. „Als ich das erste Mal erfahren habe, dass ich meinen Realschulabschluss eigentlich schon 2022 hätte bekommen müssen, habe ich sehr geweint“, erzählt Arduc der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“, der „Nordwest-Zeitung“ und anderen Medien. „Für mich war das ein richtiger Schlag ins Gesicht.“
An der Oberschule in Vechta waren mindestens 107 Schülerinnen und Schüler zwischen den Schuljahren 2019/20 und 2025/26 mit einem zu schlechten oder gar keinem Abschluss entlassen worden. Ausgleichsregelungen waren nicht richtig angewandt worden.
Das Land prüft nun stichprobenartig Zeugnisse an rund 400 Ober- und Integrierten Gesamtschulen, um mögliche systematische Fehler zu erkennen.
Wie die Schülerin doch noch ihren Abschluss bekam
Sie sei damals schon skeptisch gewesen, erzählt die Schülerin. Doch sie habe ihren Lehrkräften vertraut. „Als ich den Realschulabschluss nicht bekommen habe, waren mein Selbstwertgefühl und mein Grundvertrauen in mich selbst plötzlich weg.“
Nur durch Zufall habe sie im vergangenen Jahr auf einer Geburtstagsfeier von einem ähnlichen Fall erfahren und daraufhin das Kultusministerium kontaktiert. Mit Erfolg: Wenige Wochen später habe sie ein Schreiben der Schulleitung erreicht, dass sie nun ihr Zeugnis abholen könne. „Darin stand: „Es tut uns leid.““, sagt Arduc. „Sie konnte nicht einmal meinen Nachnamen richtig schreiben. Da denke ich mir schon: Wie viel Wert legt sie eigentlich darauf, dass ich wegen dieses Fehlers drei Jahre verloren habe.“
Auch Freunde von ihr seien betroffen, berichtet Arduc. „Sie haben teilweise sehr darunter gelitten.“ Inzwischen hätten alle ihren Weg gefunden. Sie selbst mache gerade ihr Abitur. „Nächstes Jahr möchte ich studieren.“
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