Zahl der Carsharing-Autos in Hamburg stark gesunken
Die Carsharing-Anbieter in Hamburg haben innerhalb eines Jahres fast ein Drittel ihrer Flotte abgezogen. (Archivbild) Foto: Marcus Brandt/dpa
An Hamburgs Straßen stehen deutlich weniger Carsharing-Autos als vor zwei Jahren. Vor allem Verbrenner sind verschwunden. Was ist der Grund dafür?
Hamburg. Die Zahl der Carsharing-Fahrzeuge in Hamburg ist seit 2024 stark gesunken. Aktuell stehen in der Hansestadt 3.289 Autos zur Verfügung, wie der Senat auf Anfrage des CDU-Abgeordneten Philipp Heißner mitteilte. Im ersten Halbjahr 2025 waren es noch 4.825 gewesen, was einen Rückgang um fast ein Drittel 32 Prozent bedeutet. Und ein weiteres Jahr zuvor wurden 2024 in den ersten sechs Monaten 5.187 Carsharing-Autos gezählt.
Allein das Unternehmen Miles, mit Abstand der größte Anbieter in Hamburg, reduzierte die Zahl seiner Fahrzeuge von 3.336 im Mai 2025 auf 2.381 im Mai 2026, als um knapp 29 Prozent, wie aus der Antwort auf eine weitere Anfrage der Linken-Abgeordneten Heike Sudmann und Stephan Jersch hervorgeht.
Abbau von Überkapazitäten
Nach Angaben des Bundesverbandes Carsharing ging im vergangenen Jahr die Zahl der Leihwagen deutschlandweit um 4,9 Prozent zurück. Man gehe davon aus, dass Überkapazitäten im sogenannten free floating Carsharing abgebaut wurden, heißt es auf der Internetseite des Verbandes. Mit free floating sind Autos ohne feste Station gemeint. Vermutlich handele es sich um eine Konsolidierung und keine Trendwende, hieß es vom Verband,
Eine Sprecherin von Miles erklärte: „Nach Jahren starken Wachstums haben wir unsere Flotte in Hamburg in den vergangenen zwei Jahren kaum weiter aufgestockt.“ Durch reguläre Leasingrückläufer sei der Gesamtbestand der Fahrzeuge daher vorübergehend geschrumpft. „Das ist aber kein negatives Signal. Hamburg gehört weiterhin zu unseren stärksten Märkten“, versicherte die Unternehmenssprecherin.
Bedingungen an Switch-Punkten unverändert
Miles ist bestrebt, mehr Nutzer mit weniger Autos zu gewinnen. „Eine hohe Flottenauslastung ist die Grundvoraussetzung für ein dauerhaft tragfähiges Angebot“, hieß es.
Die Buchungen von Carsharing-Fahrzeugen über die HVV-Switch-App sind immerhin gestiegen, von 32.000 im ersten Halbjahr 2024 auf 35.000 in den ersten sechs Monaten 2026. Die Nutzer legten durchschnittlich sieben Kilometer zurück, ein Wert, der sich nicht verändert hat.
Die Hamburger Verkehrsbehörde erklärte, die Ausgangslage habe sich für die Anbieter nicht verändert. Es stünden weiterhin rund 220 HVV-Switch-Punkte mit über 1.000 Parkständen zur Verfügung. An diesen Punkten könnten Nutzer von Bus und Bahn in ein Mietauto umsteigen. Die Anzahl an dortigen Ladepunkten für E-Autos sei gegenüber 2024 leicht gestiegen. E-Carsharing Fahrzeuge genießen laut Verkehrsbehörde weiterhin erhebliche Privilegien, wie zum Beispiel Parkgebührenbefreiung und keine Höchstparkdauer.
Mehr E-Autos - aber nur prozentual
Der Anteil der E-Fahrzeuge liegt zurzeit bei 51 Prozent. In den ersten Halbjahren 2024 und 2025 betrug er nur 38 Prozent. Eigentlich hatte der Senat mit den Anbietern vereinbart, dass bis 2024 mindestens 80 Prozent der Fahrzeuge elektrisch angetrieben werden. Das Ziel sei jetzt auf das Jahr 2030 gestreckt worden, teilte der Senat mit.
Die prozentuale Zunahme der E-Autos kam durch die Reduzierung der Verbrenner zustande, wie Zahlen der drei Anbieter Miles, Free2Move und SixtShare nahelegen. Lediglich der letztgenannte und mit Abstand kleinste der drei Anbieter vergrößerte seinen Bestand innerhalb eines Jahres von 7 auf 102 E-Autos. Die Elektroflotte aller drei Unternehmen zusammengenommen verringerte sich dagegen von 1.793 auf 1.649 Fahrzeuge.