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Landgericht Hamburg

Prozess gegen mutmaßlichen Pädokriminellem beginnt im Juni

Der Angeklagte soll einem pädokriminellen Netzwerk angehört haben. (Symbolbild)

Der Angeklagte soll einem pädokriminellen Netzwerk angehört haben. (Symbolbild) Foto: Nicolas Armer/dpa

Die Hamburger Staatsanwaltschaft verdächtigt einen weiteren Jugendlichen, Mädchen im Netz zu Selbstverletzungen genötigt zu haben - ähnlich wie der „White Tiger“. Nun ist die Anklage zugelassen.

Von dpa Mittwoch, 27.05.2026, 14:20 Uhr

Hamburg. Vor dem Landgericht Hamburg beginnt Mitte Juni der Prozess gegen einen Jugendlichen, der sieben Mädchen in sozialen Medien zu sexuellen Handlungen und Selbstverletzungen vor der Kamera genötigt haben soll. Das Gericht habe die Anklage der Staatsanwaltschaft nahezu unverändert zugelassen, teilte eine Sprecherin mit.

Ab dem 16. Juni sind bis zum 16. September bislang 16 Verhandlungstermine angesetzt. Aufgrund des Alters findet der Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Angeklagter soll junge Mädchen im Netz manipuliert haben

Laut Anklage soll der heute 18-Jährige noch als Jugendlicher Online-Gruppen nach dem Vorbild des internationalen Sadisten-Netzwerks „764“ gegründet haben. Er habe 12- bis 15-jährige Mädchen emotional manipuliert und zu immer gravierenderen Verhaltensweisen gezwungen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. 

Eines der Mädchen habe er überredet, sich die Namen des Angeklagten und von ihm gegründeter Gruppen in die Haut zu ritzen. Die Taten soll er zwischen Mai 2023 und März 2024 verübt haben. Vorgeworfen werden ihm schwere sexuelle Missbräuche von Kindern, sexuelle Nötigungen und gefährliche Körperverletzung in mittelbarer Täterschaft.

Zwischen Sommer 2024 und Frühjahr 2025 soll er zudem Straftaten gegen Homosexuelle begangen haben. In elf Fällen vereinbarte er der Anklage zufolge über Dating-Portale Treffen mit Männern, um sie dann aus vermutlich homophoben Motiven unvermittelt anzugreifen und zu verletzen.

Seit Dezember vergangenen Jahres sitzt der Beschuldigte in Untersuchungshaft.

Laut Staatsanwaltschaft keine Verbindungen zu „White Tige“

Verbindungen des Angeklagten zum sogenannten „White Tiger“ bestünden aber nicht, hieß es. Unter diesem Foren-Namen soll ein 21 Jahre alter Deutsch-Iraner aus Hamburg zwischen 2021 und 2023 insgesamt 204 Straftaten begangen haben. Seit dem 13. Januar läuft gegen ihn ein ebenfalls nicht öffentlicher Prozess am Landgericht.

Der „White Tiger“ soll Kopf des Sadisten-Netzwerks „764“ gewesen sein und über Kontinente hinweg per Internet Kinder und Jugendliche missbraucht haben. Meist soll er zunächst ihr Vertrauen gewonnen, sie dann mit pornografischen Bildern und Videos erpresst und vor laufender Kamera zu immer heftigeren Selbstverletzungen gezwungen haben - bis hin zum Suizid.

Nach einem Bericht der „Washington Post“, die sich auf Angaben des FBI bezieht, ist das Netzwerk „764“ benannt nach einem Teil der Postleitzahl der texanischen Stadt Stephenville. Es sei die Heimatstadt des in den USA zu 80 Jahren Haft verurteilten Gründers des Netzwerks.

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