Zu Gast bei Trump: Heikler Staatsbesuch für König Charles
Donald Trump gilt als Fan der britischen Monarchie. (Archivbild) Foto: Evan Vucci/AP/dpa
Drohungen, Schmähungen und Begehrlichkeiten: US-Präsident Donald Trump ist wohl das Gegenteil eines englischen Gentlemans. Nun empfängt er den britischen König in den USA. Kann das gutgehen?
London/Washington. Noch im September ist beim Staatsbesuch von US-Präsident Donald Trump im Vereinigten Königreich der große Prunk und Pomp präsentiert worden. Mit offenen Armen, rotem Teppich und Militärparade begrüßten König Charles III. und Premierminister Keir Starmer den Republikaner, der als großer Fan des britischen Königshauses gilt. Damals war Trump voll des Lobes über die unverbrüchliche amerikanisch-britische Beziehung, klopfte Starmer mit breitem Lächeln auf die Schulter - er „liebe“ das Vereinigte Königreich schließlich, schwärmte er vor Reportern.
Nun, wenige Monate später, dreht sich der Spieß um. Ab Montag ist der britische Monarch gemeinsam mit Königin Camilla (78) zu einem mehrtägigen Staatsbesuch in den USA zu Gast - und der Ton ein ganz anderer. Insbesondere seit dem Ausbruch des Iran-Krieges, in dem Trump Großbritannien und anderen westlichen Partnern zu wenig Unterstützung vorwirft, hatte sich die Beziehung des US-Präsidenten zu Großbritannien und Starmer deutlich verschlechtert.
Damals noch guter Dinge: US-Präsident Donald Trump (r) und Premierminister Keir Starmer. (Archivbild) Foto: Suzanne Plunkett/Pool REUTERS/AP/dpa
Immer wieder holte der für wenig Zurückhaltung bekannte Republikaner gegen Starmer aus, kritisierte ihn etwa für die aus seiner Sicht fehlgeleitete Migrationspolitik. Die Beziehungen zu Großbritannien seien immer die besten gewesen, „bis Keir kam“, sagte er zuletzt etwa. Starmer sei eben kein Winston Churchill, stichelte er in herablassender Manier. Und selbst wenige Tage vor dem Besuch ist der US-Präsident kaum um Ruhe bemüht und schickt erneut Drohungen gen London. Reist der britische König nun also als Streitschlichter in die Vereinigten Staaten?
Die Sorge vor dem „Trump-Faktor“
Aus Sicht des Verfassungsexperten und Royal-Kenners Craig Prescott von der Londoner Universität Royal Holloway ist die Reise in die USA „zweifellos ein schwieriger Staatsbesuch für den König“. „Hier gilt es einen diplomatischen Spagat zu meistern“, sagte Prescott der Deutschen Presse-Agentur. Das liege allerdings nicht nur an der derzeit angeknacksten Beziehung, sondern auch an der Unberechenbarkeit des US-Präsidenten.
Normalerweise seien Staatsbesuche wie diese Routine für den Monarchen, jede Sekunde werde bis ins kleinste Detail geplant - auch, um etwaige Peinlichkeiten oder Unvorhersehbares auszuschließen. Mit Trump sei das allerdings nur bedingt möglich, sagt Prescott, der Besuch deswegen „einzigartig“. Eine Stichelei hier, ein Witz da - und rasch sei der König in einer heiklen Lage.
Von Souveränitätsfragen bis Zolldrohungen
Material für mögliche Konflikte gibt es jedenfalls zur Genüge. Wenige Tage vor dem Staatsbesuch kursierte einem unbestätigten Medienbericht zufolge im Pentagon eine Mitteilung, in der erwogen werde, die bisher probritische Haltung der USA zum Anspruch Argentiniens auf die Falklandinseln im Südatlantik zu überdenken. Angesprochen auf die Berichte machte ein britischer Regierungssprecher klar, die Souveränität liege beim Vereinigten Königreich.
Darüber hinaus sorgte Trump am Donnerstag mit einer erneuten Zolldrohung für Aufsehen. Sollte Großbritannien seine Digitalsteuer für US-amerikanische Techunternehmen nicht aufheben, könnten die USA „hohe Zölle gegen Großbritannien verhängen, also sollten sie besser vorsichtig sein“, drohte Trump.

Trumps Sticheleien in Richtung Kanada dürften dem britischen König kaum gefallen. (Archivbild) Foto: Adrian Wyld/The Canadian Press/dpa
Und dann wäre da noch der andauernde Streit um den Iran-Krieg und Trumps immer wieder geäußerte Fantasie, Kanada zum „51. Bundesstaat“ machen zu wollen. Charles ist auch König von Kanada und damit das offizielle Staatsoberhaupt des Landes, zumindest hinter den Kulissen dürften dem Monarchen solche Aussagen daher kaum gefallen. Erst im vergangenen Jahr bekräftigte er bei einem Besuch in Ottawa die Souveränität Kanadas, sagt Prescott.
„Wirklich interessant ist, dass nach dieser Rede des Königs in Ottawa diese Rhetorik vom 51. Bundesstaat offenbar abgeklungen ist und derzeit weniger im Fokus steht“, so der Experte. Gelingt dem König eine diplomatische Besänftigung also mitunter auch bei anderen Themen?
Trump: König ist „fantastischer Mann“
Zumindest dürften die Zeichen dafür nicht allzu schlecht stehen. Oft tat Trump seine große Sympathie für den König kund - und war zuletzt guter Dinge, dass der Staatsbesuch die britisch-amerikanischen Beziehungen wieder verbessern kann. „Er ist ein fantastischer Mann“, schwärmte Trump bei der BBC über den König, „ich kenne ihn schon seit Jahren“. Der Besuch könne deshalb „auf jeden Fall“ zu einem wieder etwas besseren Verhältnis beitragen.
Ob sich der König Trumps Begeisterung tatsächlich zunutze machen und ihn ein wenig besänftigen kann, bleibt jedoch offen. Trump ändere seine Meinung schließlich „sehr, sehr schnell“, sagt Prescott. Dass der König dabei auch mal öffentlich zu deutlicher Kritik übergehe, hält der Experte allerdings für unwahrscheinlich. Staatsbesuche seien schließlich von „diplomatischen Höflichkeiten“ geprägt.
Bei seiner geplanten Rede im US-Kongress könne der König allerdings zumindest an die seit langem bestehende Beziehung erinnern. Denn der anstehende 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit sei letztlich auch der Jahrestag der amerikanisch-britischen Beziehungen, sagt Prescott. Der König könne versuchen „die aktuellen Schwierigkeiten in diesen Kontext zu stellen und vielleicht darauf hinweisen, dass die USA und Großbritannien am effektivsten sind, wenn sie zusammenarbeiten“.