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Küche und Bad: Darum geraten im Landkreis Tausende Wohnungen in den Fokus

Mehr als 25.000 Küchen und 40.000 Bäder der mehr als 100.000 Wohnungen im Landkreis Stade sind einer Studie des Pestel-Instituts zufolge zu klein, um dort mit einem Rollstuhl wenden zu können. (Symbolbild)

Mehr als 25.000 Küchen und 40.000 Bäder der mehr als 100.000 Wohnungen im Landkreis Stade sind einer Studie des Pestel-Instituts zufolge zu klein, um dort mit einem Rollstuhl wenden zu können. (Symbolbild) Foto: picture alliance / dpa

Experten warnen: Wenn es schon im Hausflur im Alter nicht weitergeht, ist der Umbaudruck enorm. Was eine Studie über Stader Duschen weiß.

Von Redaktion 24.06.2026, 06:55 Uhr

Landkreis. Der Landkreis Stade bewegt sich einer Studie zufolge auf einen massiven Mangel an altersgerechten Wohnungen zu. So seien derzeit nur 7600 der knapp 104.100 Wohnungen so gebaut, dass ältere Menschen darin auch mit einem Rollator oder einem Rollstuhl ideal klarkämen, hieß es in einer Untersuchung des Pestel-Instituts im Auftrag des Bundesverbands Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB).

„Damit bieten nur rund 7 Prozent aller Wohnungen im Landkreis Stade den Standard, der nötig ist, um mit körperlichen Einschränkungen oder auch als Pflegefall darin alt zu werden“, mahnte Matthias Günther, Leiter des Pestel-Instituts. Auf der anderen Seite gingen landkreisweit in den kommenden zehn Jahren aber rund 33.000 „Babyboomer“ in Rente.

Flure, Küchen, Bäder als Problemorte

„25 Prozent aller Hausflure im Kreis Stade sind nicht breit genug, um mit dem Rollstuhl wirklich gut durchzukommen“, sagte Günther weiter. Das allein betreffe schon rund 23.800 Wohnungen. Oft seien sogar schon die Haustüren zu schmal.

Zudem seien 27.500 Küchen (26 Prozent) und 42.400 Bäder (41 Prozent) zu klein, um dort mit einem Rollstuhl zu wenden. Und das Wichtigste für einen Verbleib in der eigenen Wohnung, eine bodengleiche Dusche, gebe es nur in rund 33.900 Stader Wohnungen.

Sanierung günstiger als „Umzug ins Heim“

„Auf Dauer ist jede altersgerechte Sanierung günstiger als ein Umzug ins Heim“, erklärte BDB-Präsidentin Katharina Metzger. Schon rein volkswirtschaftlich müsse der Staat also ein Interesse daran haben, mehr Seniorenwohnungen zu schaffen. „Vor allem aber geht es um den Wunsch der Menschen selbst: Die meisten wollen in den eigenen vier Wänden alt werden und solange es geht zu Hause bleiben“, sagte Metzger.

Katharina Metzger, Präsidentin des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel.

Katharina Metzger, Präsidentin des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel. Foto: Tobias Seifert

Das funktioniert aber nur, so das Pestel-Institut, wenn gerade Altbauwohnungen fürs Wohnen im Alter umgebaut werden: „Wichtig sind wenig Barrieren – also möglichst keine Schwellen, Stufen oder ganze Treppen. Aber auch breite Türen und viel Platz, um sich mit einem Rollator oder Rollstuhl frei bewegen zu können.“

Der Chef-Ökonom des Pestel-Instituts rät, beim altersgerechten Umbau von Wohnungen „unbedingt das Bad anzupacken“. Probleme könne es allerdings bei älteren Gebäuden geben: „Gerade bei Wohnhäusern aus den 50er Jahren ist oft die Decke zu dünn, um eine bodengleiche Dusche einzubauen“, sagte Günther.

Verband: „Boomer-Zuschüsse“ vom Bund nötig

Neubau könne zwar helfen. „Aber die Lösung liegt ganz klar im seniorengerechten Umbau der Wohnungen, in denen die Boomer heute wohnen“, sagte die BDB-Präsidentin. Doch dazu seien „Boomer-Zuschüsse“ vom Bund notwendig. „Die heute gängige staatliche Unterstützung von zehn Prozent beim Bad-Umbau ist nichts anderes als ein „Placebo-Zuschuss““, sagte Günther. Der reiche auf keinen Fall, „um eine effektive Umbauwelle fürs Seniorenwohnen in Deutschland loszutreten“.

Die Wohnung fit fürs Alter machen: Rechtzeitig umbauen, um später zu Hause auch noch mit dem Rollstuhl klarzukommen, raten Experten.

Die Wohnung fit fürs Alter machen: Rechtzeitig umbauen, um später zu Hause auch noch mit dem Rollstuhl klarzukommen, raten Experten. Foto: Tobias Seifert

Die Wissenschaftler des Pestel-Instituts fordern dazu, der Bund müsse einen Großteil der Umbaukosten übernehmen. „Denn wer kurz vor der Rente seine Wohnung altersgerecht umbauen will, der scheut sich, dafür noch einen Kredit aufzunehmen“, sagte Günther. (pm/st/dpa)

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