VW-Krise und Standorte auf der Kippe – Lies fordert Klarheit
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies verlangt Klarheit von Volkswagen. Foto: Michael Matthey/dpa
Bei VW sind Zehntausende Stellen bedroht, sogar Standorte sind möglicherweise in Gefahr. Doch der Widerstand des niedersächsischen Ministerpräsidenten und der Oberbürgermeister der VW-Städte ist groß.
Hannover. Im Streit über mögliche Werksschließungen bei Volkswagen hat der niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies Klarheit von dem Autobauer gefordert. „Wir brauchen jetzt Klarheit, die Verunsicherung muss aufhören“, sagte der SPD-Politiker nach einem Treffen mit der Oberbürgermeisterin und den Oberbürgermeistern der VW-Standorte Osnabrück, Braunschweig, Emden, Hannover, Salzgitter und Wolfsburg. „Wir brauchen Perspektiven und Sicherheit für die Standorte.“
Bis zu 50.000 Stellen könnten zusätzlich entfallen
Zuvor hatte Konzernchef Oliver Blume angekündigt, sein neues Sparpaket für den Konzern noch in diesem Jahr verabschieden zu wollen. Vier Werke und bis zu 50.000 Stellen zusätzlich stehen demnach auf der Kippe. Der Stellenabbau käme zu den 2024 vereinbarten Einsparungen hinzu. Bis 2030 hat Volkswagen bereits den Abbau von konzernweit 50.000 Stellen in Deutschland angekündigt. 35.000 Jobs sollen bei der Kernmarke wegfallen, der Rest bei Töchtern wie Audi und Porsche. Mehr als 37.000 Beschäftigte haben bereits entsprechende Vereinbarungen unterschrieben.
Mit Blick auf mögliche Werksschließungen in Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm sprach Blume Ende Juli von einer letzten Option, die er gern vermeiden möchte. Für die vier Werke gebe es derzeit noch keine „wettbewerbsfähige Belegung“ für die 2030er-Jahre. Aber: „Es gibt intelligentere Lösungen, als Werke zu schließen.“
Lies: Auch mit anderen Wachstumsfeldern befassen
Lies betonte, er erwarte, dass Volkswagen sich mit möglichen anderen Wachstumsfeldern für Standorte befasse, wo die Automobilproduktion nicht fortgeführt werden könne: „Nichts anderes ist akzeptabel.“ Er sprach etwa von Rüstung, humanoiden Robotern und Drohnen. Auch könnten Automodelle, die in China entwickelt und gebaut würden, auch in Deutschland gebaut werden. Alle Anteilseigner und der Vorstand müssten das Ziel verfolgen, Industriestandorte in Deutschland und Niedersachsen zu stabilisieren.
Von der Bundesregierung forderte der Ministerpräsident, sich für Fairness im Wettbewerb einzusetzen. Mit Blick auf die hohen Energiepreise sagte er: „Wir müssen dazu kommen, dass wir in Europa mit deutschen Standorten wettbewerbsfähig sind.“
Onay: Ideen, nicht nur Sparpläne
Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay warf Volkswagen vor, eine „erschreckende Botschaft“ verbreitet zu haben, die viele Unsicherheiten geschaffen habe: „Es braucht jetzt Ideen, nicht nur Sparpläne“, betonte der Grünen-Politiker. Dennis Weilmann, der Oberbürgermeister der Stadt Wolfsburg, kündigte an: „Wir werden um jeden Arbeitsplatz kämpfen.“ Er erwarte, dass Volkswagen „weiterhin klar zum Standort Wolfsburg und zum Standort Niedersachsen steht“, sagte der CDU-Politiker.

Der Widerstand des niedersächsischen Ministerpräsidenten und der Oberbürgermeister der VW-Städte ist groß. Foto: Michael Matthey/dpa