Wie sehr profitiert China in der Welt von Trump?
US-Präsident Trump und Chinas Staatschef Xi hatten sich vor Monaten in Südkorea getroffen. (Archivbild) Foto: Mark Schiefelbein/AP/dpa
Seit Donald Trump wieder im Weißen Haus sitzt, versucht Peking, sich als stabilere Alternative zu präsentieren. Doch Konflikte wie im Iran und in Venezuela zeigen Grenzen auf.
Peking. Wenn die chinesische Führung auf Donald Trumps zweite Amtszeit blickt, ist die Lage ambivalent für sie. Der konfrontative Kurs Washingtons gegen viele Staaten eröffnet Peking neue Möglichkeiten, sich international als Gegenmodell zu präsentieren.
Seit Monaten versucht die chinesische Diplomatie genau das. Während die USA mit Zöllen, Sanktionen und militärischem Druck auftreten, stellt sich Peking als berechenbare Großmacht dar, die Stabilität verspricht und auf Kooperation setzt. Doch die jüngsten Konflikte in der Welt lassen gleichzeitig auch an Pekings Rolle als zuverlässiger Partner zweifeln.
Gerade im Wettbewerb um Einfluss im Globalen Süden spielt dieses Narrativ eine große Rolle. Viele Länder dort stehen der amerikanischen Außenpolitik ohnehin skeptisch gegenüber. Die aggressive Tonlage der Trump-Regierung erleichtert es Peking, seine eigene Botschaft zu platzieren. „Propaganda-Gold“ sei die Rhetorik aus Washington für China, sagt Helena Legarda vom China-Forschungsinstitut Merics in Berlin.
Diplomatische Offensive aus Peking
Während des derzeit tagenden Volkskongresses in Peking warb China in diesem Ton um Partner im Globalen Süden und Europa. Die Zusammenarbeit zwischen China und der EU zeige, dass gegenseitige Abhängigkeit kein Risiko darstellt und offene Zusammenarbeit die wirtschaftliche Sicherheit nicht untergrabe, sagte Außenminister Wang Yi bei einer Pressekonferenz. Mit Mauern und Barrieren isoliere man sich nur selbst, sagte er.

Bundeskanzler Merz reiste kürzlich nach Peking und schlug milde Töne an. (Archivbild) Foto: Michael Kappeler/dpa
Tatsächlich wirkt das geopolitische Umfeld für China derzeit teilweise günstiger als noch vor wenigen Jahren. Auch mehrere westliche Regierungschefs haben zuletzt in schneller Abfolge den Dialog mit Peking gesucht. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Kanadas Premierminister Mark Carney, der britische Regierungschef Keir Starmer und auch Bundeskanzler Friedrich Merz reisten nach China.
Solche Treffen vermitteln das Bild, dass China gerade wegen wachsender Spannungen mit den USA für Europa wieder ein zentraler Gesprächspartner wird. Für viele Regierungen ist Zusammenarbeit umso wichtiger, wenn sich die USA mit Zöllen abschotten.
China positioniert sich als berechenbarer Partner
Gunnar Wiegand von der Denkfabrik German Marshall Fund sieht China in einer relativ starken Position. „Die globale Position Chinas hat sich weiter gestärkt“, sagt er. Peking könne sich international als dynamische Hightech-Wirtschaft präsentieren und zugleich als „berechenbarer Partner, der sich zu einer stabilen Weltordnung bekennt und gegen disruptive Politik stellt“.
China profitiere dabei auch von seiner wirtschaftlichen Stärke. Das Land sei für viele Staaten ein zentraler Handelspartner. Gerade in Europa gebe es jedoch auch sehr unterschiedliche Sichtweisen auf den Umgang mit China.
Vorsicht sei angebracht, warnt Expertin Legarda: „Peking nähert sich einem seiner langfristigen strategischen Ziele, Europa und die USA zu spalten, insbesondere in Bezug auf die China-Politik“.
Rückschläge in Iran und Venezuela
Der Blick auf die jüngsten globalen Krisenherde in Venezuela und im Iran zeigen zugleich, dass von einer uneingeschränkten geopolitischen Verschiebung zugunsten Chinas keine Rede sein kann. Beide Staaten gelten als wichtige Partner Pekings und stehen nun unter starkem Druck aus Washington.
Die US-Schläge beschädigten „Chinas breitere Interessen“, sagt die in Hongkong arbeitende Ökonomin Alicia García-Herrero. Einerseits geht es um wirtschaftliche Interessen. Mehr noch als aus Venezuela bezieht China große Mengen Öl aus dem Iran und dem Nahen Osten. Gleichzeitig mache der US-Angriff sichtbar, wie begrenzt Pekings Möglichkeiten seien, seine Partner zu schützen.
Große Worte, wenig Taten
Außenminister Wang kritisierte die Angriffe und forderte ein Ende des Krieges. „Dies ist ein Krieg, der nie hätte passieren dürfen, und der für keine der beteiligten Seiten Vorteile hat“, sagte Wang. Unterstützung oder konkrete Maßnahmen Chinas für seinen Wirtschaftspartner Iran kündigte er nicht an. China sei bereit, für eine Wiederherstellung des Friedens in Nahost zu arbeiten, erklärte Wang.

Chinas Außenminister Wang Yi lobte die Beziehungen zu Europa. Foto: Johannes Neudecker/dpa
Für viele Staaten im Globalen Süden entsteht daraus ein Dilemma. China wird zunehmend als wirtschaftlicher Partner gesucht und gewinnt diplomatisch an Einfluss. Doch im Bereich der Sicherheit bleiben die USA weiterhin die dominante Macht. So dürften sich gleichzeitig nun manche Regierungen fragen, ob China ihnen wirklich helfen würde, wenn es darauf ankommt.
Probleme im eigenen Land
Auch innerhalb Chinas selbst gibt es Zweifel daran, wie stabil die geopolitische Position des Landes tatsächlich ist. Der Pekinger Politikwissenschaftler Shi Yinhong sieht die Entwicklung skeptisch. Pekings geopolitische Situation habe sich mit Trump im Weißen Haus „offensichtlich verschlechtert“, sagt Shi. Der Professor der Pekinger Volksuniversität macht dafür auch wirtschaftliche Probleme im eigenen Land verantwortlich.
An denen sind die USA nicht unbeteiligt. Die US-Zölle belasten chinesische Exportunternehmen, auch wenn viele von ihnen neue Märkte erschließen. Chinesische Tech-Firmen leiden weiter unter eingeschränktem Zugang zu US-Chips.
Damit ergibt sich ein widersprüchliches Bild. In militärischen Fragen bleiben die USA deutlich überlegen. Enge Partner Pekings lernen, dass sie in Konflikten nicht unbedingt auf Unterstützung zählen können. Andere Staaten wiederum nähern sich wegen Trumps-Politik Peking an.