BBS Buxtehude setzt auf Quereinsteigerin
In Kooperation mit der Hochschule 21 bilden die BBS Buxtehude jetzt ihren eigenen Nachwuchs aus. Das ist einzigartig in Niedersachsen. Lena Niedzballa (23) ist die Erste. Nach ihrem Bachelor in Mechatronik wird sie ab Mai 2018 an der Berufsschule unterrichten.
„Uns fehlen Lehrkräfte für die gewerblichen Berufe“, sagt der Schulleiter der BBS Buxtehude, Carsten Schröder. Im Bereich der Elektro- und der Metalltechnik sei es „ganz schwierig, Kollegen zu finden“, bei der Farbtechnik gehe es noch so. Deshalb lag es nah, auf Quereinsteiger zu setzen. Das Land Niedersachsen unterstützt das. Nicht nur an den Berufsbildenden Schulen werden Quereinsteiger eingestellt – bei Nachweis eines Studienabschlusses, der sich einer (beruflichen) Fachrichtung zuordnen lässt. Neu ist, dass eine Schule wie die BBS gezielt in einer Kooperation mit einer Hochschule den Nachwuchs über ein duales Studium selbst gewinnt.
Für Schröder ist es wichtig, dass neue Kollegen zur Schule passen. „Ein herausragender Ingenieur, der in Buxtehude das erste Mal richtig vor Schülern steht und nicht mit ihnen umgehen kann, nützt uns nichts“, sagt Schröder. Schule benötige Fachleute mit pädagogischen Fähigkeiten, die Wissen und Erfahrung vermitteln könnten. Und so kam ihnen die Idee zu einem Buxtehuder Modell – abgesegnet von der Landesschulbehörde. „Es gab keine Vorschrift dafür“, sagt Schröder. Er suchte den Kontakt zur Hochschule 21. Das lag nahe.
Denn BBS und Hochschule kooperieren bereits seit einigen Jahren im Bereich Mechatronik und Gesundheit. Und so wurden die Berufsbildenden Schulen Buxtehude zu einem der 850 Praxispartner der Hochschule – im Bereich des dualen Studiengangs Mechatronik, eine Kombination aus Informatik, Maschinenbau und Elektrotechnik. An diesem Punkt kam Lena Niedzballa ins Spiel.
Diese hatte bereits während ihrer Ausbildung zur Kfz-Mechatronikerin – bei Tesmer (Mercedes-Benz) in Buxtehude – an der Konopkastraße die Schulbank gedrückt. Damit nicht genug. Parallel zur Berufsschule und der dreieinhalbjährigen Ausbildung machte sie in einem Abendkursus an der BBS ihre Fachhochschulreife – abends und am Wochenende. „Sie hat unsere Schule von Grund auf kennengelernt“, sagt Schröder. Sie passe gut ins Kollegium, 100 Lehrer gibt es. Damit war sie die richtige Kandidatin: „Sie hat das Potenzial.“
„Ich fand die Idee, Lehrerin zu werden, gar nicht so absurd“, sagt Niedzballa. Sie habe „immer etwas mit Menschen machen wollen“. Mittlerweile studiert sie im siebten Semester an der Hochschule. In den Praxisphasen richtet sie die Technik für den Unterricht ein, die BBS haben Maschinen und Mechatronik-Module wie die Industrie. Außerdem springt sie als Co-Lehrerin ein, so Schröder, „sie ist schon jetzt eine wichtige Fachkraft“. Die BBS zahlt ihr Studiengebühr und Aufwandsentschädigung und hat sie „natürlich“ vertraglich an sich gebunden.
Sie habe schon als Kind lieber mit Autos als mit Puppen gespielt, sei gerne zum Stoppelfeldrennen gegangen und immer technikaffin gewesen. In den Ferien habe sie Praktika in Kfz-Werkstätten gemacht. Und als Gesellin wisse sie, wann Reifenzeit ist – und die Azubis erschöpft seien. Kurzum: Sie kenne Berufs- und Schulalltag (und Kollegium).
Damit das Referendariat nicht zu lange dauert, studiert sie bereits jetzt an der Fernuni Hagen Bildungswissenschaft. Nach dem Bachelor in Mechatronik soll sie im Vorbereitungsdienst ab Mai 13 Wochenstunden unterrichten. Parallel muss sie noch ein zweites Fach, es wird Politik, studieren und die Seminarveranstaltungen besuchen. In knapp eineinhalb Jahren wäre sie nach der Staatsprüfung dann Lehrerin – mit A 13 und Beamtenstatus.
Schulleiter Carsten Schröder („Wir haben immer Bedarf“) überlegt jetzt, für die Verfahrenstechnik-Außenstelle in Stade denselben Weg zu gehen.