Laut Soko Tierschutz sind am vergangenen Freitag die letzten Affen aus dem Horrorlabor in Mienenbüttel abgeholt worden. Auch Hunde sollen abtransportiert worden sein. LPT bereitet offenbar die Schließung des Standorts vor. Die Soko kritisiert derweil das Schweigen der Wissenschaft.
Nach den schrecklichen Enthüllungen der Soko Tierschutz über die Tierquälereien und die offenbar auch unzuverlässige Ausführung der Studien für die Auftraggeber haben immerhin Pharma-Riesen wie Merck reagiert und angekündigt, ihre Zusammenarbeit mit dem LPT zu beenden. Die letzte Studie, die in Mienenbüttel noch für Merck gelaufen ist, wird in diesen Tagen beendet, und die Soko berichtet, dass am Freitag die letzten Affen und auch bereits einige Hunde aus Mienenbüttel abgeholt worden sind.
Keinerlei Reaktion auf die Machenschaften des Labors, gegen das mittlerweile mehrere Strafanzeigen laufen und Staatsanwaltschaft und Behörden ermitteln, hat es bisher aus der Wissenschaft gegeben. „Was verwundert, ist, dass der Aufschrei der Forschungsgemeinschaft völlig ausfällt. Die Institutionen von Fraunhofer-, Max-Planck-, Helmholtz-Gesellschaft, die Forschenden, die Fachpresse: Es herrscht bleiernes Schweigen zur Katastrophe LPT“, stellt der Chef der Soko Tierschutz, Friedrich Mülln, fest. Inzwischen gebe es fünf Zeugen, die im Zeitraum der vergangenen 20 Jahre von Betrügereien in den Tierlaboren des LPT berichten, resümiert Mülln die Entwicklung der vergangenen Wochen.
Ehemalige Mitarbeiter hatten zuletzt gegenüber dem ARD-Magazin Fakt berichtet, dass Studien vom LPT gemäß der Zielsetzung passend gemacht wurden, auf Weisung von oben Daten gelöscht und der Tod von Tieren vertuscht wurde. In der Krebsstudie eines Weltkonzerns wurde laut dem Mitarbeiter ein verstorbener Affe vertuscht. In einer weiteren Studie wurden laut Zeugen Hinweise auf Krebs in Entzündungen abgemildert.
Selbst in den vier Monaten, in denen Undercover-Ermittler „Lukas“ als Tierpflegehelfer in Mienenbüttel arbeitete, hatte „Lukas“ einen Fall der Vertuschung haargenau dokumentieren können, erinnert Mülln. Die Kollegen beim LPT nahmen die Verfälschung der Studie zynisch als etwas wenig Außergewöhnliches zur Kenntnis.
„Neben der Unzuverlässigkeit von Tierversuchen sind diese Zeugenaussagen ein Supergau, der zahllosen Studien, Medikamentenentwicklungen und Sicherheitstests ihre Glaubwürdigkeit raubt“, sagt Mülln. Die Menschen fragten sich nun zu Recht, ob bei den ohnehin grausamen Tierversuchen Nebenwirkungen vertuscht, Probanden in den klinischen Studien in Gefahr gebracht wurden und was es für sie bedeute, wenn sie sich auf den Beipackzettel von Arzneimitteln verlassen möchten. „Wo bleiben jetzt die Nobelpreisträger für Medizin, die Aufklärung, hartes Durchgreifen und eine Überprüfung aller Sicherheitssysteme fordern?“, fragt der Soko-Sprecher.
Offenbar hätten viele Angst vor dem, was zum Vorschein komme, wenn man anfange zu graben: die Behörden vor den Konsequenzen, die dann zum Schutz der Menschen ergriffen werden müssten, die Konzerne vor den Arznei-Cashcows, die dann vom Markt müssten, „und die Forschungsgemeinschaft müsste dann einräumen, dass der Elfenbeinturm der Forschung auf einen Sumpf gebaut wurde“, folgert Mülln. Die Soko Tierschutz fordert die Forschungsorganisationen Deutschlands auf, zu den Aufdeckungen klar Stellung zu beziehen. „Und vom Staat fordern wir die kompromisslose Schließung des LPT an allen Standorten und eine grundlegende Überarbeitung des gesamten Systems der regulatorischen Sicherheitstests.“