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Friedrich Mülln von der SoKo Tierschutz

Friedrich Mülln gehört zur SoKo Tierschutz und begleitet die Aufarbeitung des Skandals.

Friedrich Mülln gehört zur SoKo Tierschutz und begleitet die Aufarbeitung des Skandals.

„Wir haben keine schwarzen Schafe, sondern eine schwarze Herde“, sagt Friedrich Mülln. Er und die Tierschutzorganisation SoKo Tierschutz haben mit ihrer Arbeit dafür gesorgt, dass der Skandal-Schlachthof in Düdenbüttel geschlossen wurde.

Von Karsten Wisser 06.06.2019, 19:20 Uhr
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Wie bewerten Sie die Verteidigung der Arbeit des Stader Kreisveterinäramts?

Vieles von der Wortwahl zeugt davon, dass man in einer Verteidigungshaltung ist. Offensichtlich will man nicht zu tief graben, weil man Dinge finden könnte, die unappetitlich sind und im schlimmsten Fall auch strafrechtlich relevant.

Die Argumentation der Kreisverwaltung legt nahe, dass die Kontrollen mittels krimineller Energie umgangen worden sind. Glauben Sie das auch?

Die Behörde muss dafür sorgen, dass die amtlichen Tierärzte dort sind, wo sie Tierquälerei verhindern können. Das hat sie nicht geschafft. Natürlich geht dem ein ganzer Rattenschwanz von Straftaten von Landwirten, Transporteuren und Schlachtern voraus. Eine Überwachungsbehörde muss mit krimineller Energie rechnen. Bei Veterinärämtern wird oft so gearbeitet, dass automatisch davon ausgegangen wird, dass die Angaben stimmen und das wird nicht hinterfragt. Es ist doch zum Beispiel undenkbar, dass sich die Polizei darauf verlässt, dass Autofahrer sich immer an die richtige Geschwindigkeit halten, ohne das zu kontrollieren. Die Überwachung des Veterinäramts hat versagt.

Sie haben auch nach Tierhaltungs- und Betreuungsverboten gefragt. Haben Sie die Antworten überzeugt?

Überhaupt nicht. Das Argument des mildesten Mittels kann ich nicht nachvollziehen. Wer mit dem Auto zu schnell fährt, verliert seinen Führerschein. Da interessiert es auch niemanden, dass es Berufe gibt, für den der Führerschein gebraucht wird. Diese Härte ist im Verkehrsbereich selbstverständlich, aber im Veterinärbereich haben Tierquäler immer noch einen Freischein.

Sind die Angriffe gegen die Landwirte angesichts der Zahlen nicht überzogen? Bisher gibt es zwölf Identifizierte, die sich im Fall Düdenbüttel am System beteiligt haben.

Es geht beim Fehlverhalten von Landwirten eben nicht um einige schwarze Schafe. Das haben unsere Recherchen zum Schlachthof in Bad Iburg ganz eindeutig gezeigt. Da haben Hunderte aus ganz Deutschland Tiere angeliefert. Es sind keine schwarzen Schafe, sondern eine schwarze Herde. Wir haben in den vergangenen zwei Jahren sechs Schlachthöfe hintereinander geschlossen. Das hat mir jeglichen Glauben geraubt.

Glauben Sie, dass aus Düdenbüttel Fleisch in den Handel gekommen ist, das nicht verzehrfähig war?

Da bin ich mir sicher. Wenn keine Lebendbeschauen der Schlachttiere stattfinden, ist Fleisch nicht verzehrtauglich. Das Stader Veterinäramt ist dafür verantwortlich, dass Fleisch in den Handel gekommen ist, das potenziell gefährlich ist. Wir haben nur zehn Tage auf Band und sowohl die Routine als die Häufigkeit in dieser Zeit beweisen, dass es seit Jahren so gelaufen ist.

Wie geht es weiter? Kennen Sie weitere problematische Betriebe in der Region?

Wir haben für Niedersachsen eine ganze Liste vorliegen und werden mal einen anderen Weg ausprobieren. Wir werden dem Landwirtschaftsministerium in der nächsten Woche diese Informationen zur Verfügung stellen und dadurch die Hand zur Zusammenarbeit reichen. Wir werden dabei nur Schlachthöfe und andere Betriebe benennen, bei denen uns mehrere Informationen vorliegen. Vielleicht schafft es das Land ja, die illegalen Praktiken zu unterbinden. Bei einem dieser Betriebe gab es gerade eine Schwerpunktkontrolle des Landes, wo nichts gefunden wurde.

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