Bereits bei der Inbetriebnahme 2008 entsprach das Gerätehaus in Mittelnkirchen nicht denn Vorgaben von Feuerwehrunfallkasse & Co. Foto TAGEBLATT-Archiv
Die Samtgemeinde Lühe hat ein Problem: Die Feuerwehrgerätehäuser in Hollern-Twielenfleth, Neuenkirchen und Mittelnkirchen entsprechen nicht den Vorgaben der Feuerwehrunfallkasse (FUK).
Das hat Dirk Röbbert von der FUK in seinem 22-seitigen Bericht deutlich gemacht. Die Politik will jetzt einen Fachplaner mit einer Machbarkeitsstudie beauftragen.
Das hat der Ausschuss für Feuerschutz und öffentliche Ordnung der Samtgemeinde Lühe am Montagabend im Rathaus einstimmig empfohlen. Gerechnet wird mit Kosten in Höhe von 10 000 Euro. Das letzte Wort hat der Samtgemeinderat Lühe.
Zur Vorgeschichte: Im Oktober 2018 hat der Aufsichtsdienst der Feuerwehrunfallkasse einen Blick in die drei Feuerwehrgerätehäuser geworfen – und „Sicherheitsdefizite“ festgestellt. So fehlen in dem 2002 gebauten Gerätehaus in Hollern-Twielenfleth sichere Umkleidebereiche, die Schutzausrüstung muss an der Wand in der Fahrzeughalle angezogen werden – unmittelbar neben den Einsatzfahrzeugen. Die Sicherheitsabstände werden nicht eingehalten. Dadurch besteht die Gefahr, dass die Feuerwehrleute von den Löschfahrzeugen „erfasst und verletzt werden“, so Röbbert. Kurzum: Ein separater Umkleidebereich muss her. Auch beim Bau des Gerätehauses in Neuenkirchen (2004) wurden laut FUK vom Architekten unter anderem die DIN-Normen „Feuerwehrhäuser“, die Vorgaben der Unfallversicherung (Unfallverhütungsvorschriften) und der Arbeitsstättenverordnung beim Bau nicht eingehalten. Der Umkleidebereich liegt ebenfalls in der Fahrzeughalle. Es fehlt der Platz, die Holzspinde sind zu klein. Deshalb nehmen die Einsatzkräfte ihre Schutzkleidung mit nach Hause, das ist laut FUK nicht zulässig (Schutz vor Kontaminationsverschleppung durch Schwarz-Weiß-Bereiche). Obwohl das Gerätehaus in Neuenkirchen erst 2004 gebaut worden ist, fehlen Dusch- und Waschmöglichkeiten. Im Gerätehaus in Mittelnkirchen (2008) gibt es immerhin eine normgerechte Fahrzeughalle, allerdings wurden Funktionsräume wie Umkleiden und Lager beim Bau „nicht oder nicht ausreichend“ berücksichtigt. Die Umkleide befindet sich in einem zu kleinen Abstellraum, ein Anbau ist auch hier notwendig.
{picture1}
Wie und ob der Platz für Umkleiden sowie Sanitär- und Schwarz-Weiß-Bereiche überhaupt geschaffen werden kann (und was das in etwa kosten wird), soll nun eine Machbarkeitsstudie zeigen, die allerdings erst nach der Sommerpause vom Rat in Auftrag gegeben wird.
„Der Bericht war für mich erschreckend“, sprach das Ratsmitglied Timo Gerke den Ausschussmitgliedern aus der Seele. Wie es zu den Fehlplanungen kam, soll offenbar nicht mehr aufgeklärt werden. Astrid zum Felde (AfD), Ulrike Mohr (Grüne), Marc Hartlef (CDU) und Jürgen Michaelis (SPD) beklagten, dass die Planer laut Gerhard Buchner vom Ordnungsamt wohl nicht mehr in Regress genommen werden können. Eine Stilllegung drohe nicht. Umso wichtiger sei es, dass die Gerätehäuser baldmöglichst sicher werden, so Mohr. Ab 2020 müssten laut Politik Baumaßnahmen in Angriff genommen werden. Wichtig sei, dass tatsächlich ein Feuerwehrhaus-Fachplaner beauftragt werde.