Im Zuge der Ermittlungen wegen der gravierenden Verstöße gegen das Tierschutzgesetz und der massiven Tierquälerei räumt das Tierversuchslabor LPT seinen Standort in Mienenbüttel offenbar zügig von den Tieren, die für künftige Versuchsreihen nicht mehr gebraucht werden.
Die Tierschützer der Soko Tierschutz hatten bereits am Donnerstagabend zwei Transporter mit niederländischem Kennzeichen beobachtet, die Affen aus dem Labor abgeholt haben sollen.
Auf TAGEBLATT-Nachfrage bestätigt Landkreis-Sprecher Andres Wulfes: Am Donnerstag seien 76 lebende Affen beim LPT abgeholt und zum ursprünglichen Lieferanten der Tiere in die Niederlande zurückgebracht worden, so Wulfes. Der Transport sei beim Landkreis angezeigt worden und deshalb völlig legal. Wie berichtet, darf das LPT lebende und tote Tiere derzeit nur mit Kenntnis der Behörden von A nach B bringen.
Auch in den nächsten Tagen oder Wochen werden wohl wieder Transporter vor dem LPT in Mienenbüttel vorfahren, denn weitere Abtransporte von Affen seien dem Landkreis bereits angezeigt worden, bestätigt Wulfes dem TAGEBLATT. Der Landkreis werde diese Transporte engmaschig kontrollieren und prüfen, ob sie den Vorschriften entsprechen. Bei den Affen, die jetzt aus Mienenbüttel abgeholt werden, handelt es sich mutmaßlich um jene noch gesunden Tiere, die LPT nach dem Versuchsgenehmigungsstopp durch die Behörden nicht mehr braucht. Das zu verhindern, habe der Landkreis keine Handhabe, betont Wulfes. „Die Tiere sind Eigentum des LPT, und die Firma darf sie wie jeder andere Tierbesitzer auch verkaufen.“ Wann und wohin, sei ihr selbst überlassen.
Die Tierschützer fordern angesichts der Tierabtransporte, dem Labor zügig die Betriebserlaubnis zu entziehen und die Tiere zu beschlagnahmen. Nach all den Vorwürfen zu eklatanten nachweislichen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz und auch gegen die Tierschutz-Versuchstierverordnung sei nicht mehr erklärbar, warum dem Betrieb nicht die Betriebserlaubnis entzogen oder zumindest vorübergehend ausgesetzt werde, bis die eigenen Recherchen zu einem Endergebnis kommen, sagt Sabine Brauer von der Initiative Lobby pro Tier. „Kein Mensch versteht, dass einem Betrieb, in dem über Jahre Tiere anscheinend vorsätzlich gequält wurden, der Umgang mit und Versuche an diesen weiterhin erlaubt bleiben“, stellt Brauer fest. „Jedem privaten Tierbesitzer wären die Tiere längst beschlagnahmt worden, um sie vor weiteren Misshandlungen zu schützen.“
Wenn Gefahr im Verzug sei, könne man das tun, das sei aber bisher nicht festgestellt worden, erklärt Wulfes. Der Kreis müsse den derzeitigen Zustand angucken, und bei den jüngsten Kontrollen seien die Tiere in ordnungsgemäßem Zustand gewesen. Der Betrieb werde behandelt wie jeder private Tierhalter auch, betont Wulfes. Um handeln zu können, müsse die Unzuverlässigkeit der Firma festgestellt werden. Das sei bisher nicht erfolgt, und das verwaltungsrechtliche Verfahren sei komplex, so Wulfes.
Unterdessen fordert auch der für Neu Wulmstorf zuständige CDU-Landtagsabgeordnete Bernd Althusmann, den Widerruf der Genehmigungen für Tierversuche und ein Abbruch aller bereits genehmigten Tierversuchsvorhaben zu prüfen: „Wer derart massiv die Gesetze zum Tierschutz verletzt haben sollte und vorsätzlich womöglich Dokumentationen fälscht, muss umgehend offenlegen, was wirklich dort passiert oder passiert ist. Bis zur vollständigen Klärung gehören meiner Einschätzung nach alle Genehmigungen auf Eis gelegt“, sagt Althusmann. Er hoffe, dass der Kreis seine Prüfungen schnellstmöglich abschließen werde. „Ein Leiden der Tiere durch eine offenbar vorsätzliche und quälerische Misshandlung, so wie mutmaßlich in Mienenbüttel geschehen, ist unerträglich und stellt in meinen Augen eine kriminelle Handlung dar. Wir sollten weiter dafür sorgen, dass künftig Alternativmethoden, die ohne Tierversuche auskommen, stärker gefördert werden“, so Althusmann.