Ein 25-jähriger Mann verlor bei einem Arbeitsunfall mit der Erntemaschine in Hohen Luckow bei Rostock beide Beine. Foto: dpa
Das Drama eines 25 Jahre alten Mecklenburgers, der bei der Feldarbeit unter einen Mähdrescher geriet, berührte bundesweit. Jetzt spricht der junge Mann erstmals - und ist „überwältigt“.
Gut drei Wochen nach einer spektakulären Rettungs-OP auf freiem Feld bei Rostock ist die Anteilnahme am Schicksal eines jungen Landwirts weiterhin gigantisch. Dem 25-Jährigen waren beiden Beine amputiert worden, nachdem er unter einen Mähdrescher geraten war. Die Polizei ermittelt zur genauen Unfallursache.
Die Familie die jungen Mannes hat derweil online einen Spendenaufruf geschaltet. Das Haus des Mannes müsse behindertengerecht umgebaut werden. Bis zum Donnerstagnachmittag waren bereits über 180.000 Euro an Spenden zusammengekommen.
„Landwirtschaft verbindet“: So geht es dem 25-Jährigen nach dem Mähdrescher-Drama
Von so viel Hilfsbereitschaft „überwältigt“ meldete sich auch der Verunfallte selbst unter der Spendenkampagne zu Wort. Er sei inzwischen auf einem deutlichen Weg der Besserung. "Ich möchte Euch hier nun von Herzen für die wahnsinnige Unterstützung sowie Euren Rückhalt danken", schrieb der junge Mann und weiter: "Derzeit arbeite ich daran, mir mein altes Leben Stück für Stück zurückzuholen. Eure Spenden sowie euer Rückhalt werden mich dabei sehr bei der Neugestaltung meines Wohn- und Lebensumfeldes unterstützen!"
Ihn hätten zahlreiche E-Mails und Nachrichten erreicht. Auch von anderen Schicksalsschlägen habe er erfahren. Die jeweiligen Opfer sprachen ihm Mut zu. Er könne das, was passiert ist, immer noch nicht in Worte fassen. "Jede Handlung in unserem Leben, kann das Leben so schnell verändern", ist in einem weiteren Post zu lesen: "Bitte passt auf euch auf. Ich hoffe, jeder einzelne erfährt Hilfe und die Familie ist für euch da."
Gerade aus der Landwirtschaft seien zahlreiche Reaktionen gekommen. "Landwirtschaft verbindet. Und Landwirtschaft betrifft uns alle, auch indirekt alle", schrieb der 25-Jährige weiter.
Beine auf Feld amputiert, um Landwirt zu retten
Die Polizei ermittelt in dem Fall wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung. Zunächst richteten sich die Ermittlungen gegen keinen bestimmten Beschuldigten, hatte ein Polizeisprecher Ende August erklärt. Es gelte zu ermitteln, inwiefern tatsächlich ein strafbares Verhalten vorgeworfen werden könne oder ob es sich um einen Unglücksfall ohne strafrechtliche Konsequenzen handele. Weitere Kollegen waren ebenfalls mit auf dem Feld.
Vor dem Fortsetzen der Ernte wollten sie die Bunkeranlage des Mähdreschers leeren. Dabei hätten sie eine technische Störung festgestellt. Eigentlich würde die Maschine wegen einer Sicherung ausgehen, wenn sich niemand auf dem Fahrersitz befindet, sagte der Sprecher. Eine Erntehelferin befand sich demnach allerdings weiterhin auf dem Sitz, während die 25-Jährigen mit Schaufeln die Störung hätten beseitigen wollen.
Der 25-Jährige war mit seinen Beinen in einen Mechanismus im Kornspeicher eines Mähdreschers geraten. Im Rahmen eines mehrstündigen Einsatzes mussten ihm von einem OPTeam der Uniklinik Rostock beide Beine noch auf dem Feld amputiert werden. Der Landwirt schwebte zwischenzeitlich in Lebensgefahr. (dpa)