Razzia beim LPT: Alle drei Standorte des heftig umstrittenen Unternehmens aus Neugraben, das mit Tierversuchen sein Geld verdient, wurden am Montagvormittag zeitgleich von Polizei, Veterinärbehörden und Staatsanwaltschaft durchsucht.
Laut Polizei und Staatsanwaltschaft Stade konnte umfangreiches Beweismaterial sichergestellt werden.
Die Reaktionen bei den Tierschützern, die seit Wochen bei Wind und Wetter vor dem LPT (Laboratory of Pharmacology and Toxicology GmbH und Co. KG) in Mienenbüttel ausharren, waren gestern zwiegespalten: Einerseits herrschte Erleichterung darüber vor, dass die Behörden sich endlich zu einer konzertierten Aktion gegen das wegen vermuteter Tierquälerei weltweit in die Schlagzeilen geratene Tierversuchslabor aufgerafft haben.
Andererseits gab es auch Verzweiflung und Unverständnis darüber, warum Polizei, Staatsanwaltschaft und Veterinärämter so lange mit dem Einsatz gewartet haben. Inzwischen wurden – wie berichtet – vom LPT zum Beispiel mehrfach und offenbar ganz legal Affen aus dem Labor in Mienenbüttel geschafft.
Gut sechs Wochen sind inzwischen nach den ersten Veröffentlichungen der Horrorbilder eines in die Tierversuchsanstalt in Mienenbüttel eingeschleusten Mitarbeiters der Soko Tierschutz vergangen (siehe Artikel). „Genug Zeit, um die Möglichkeit zu haben, wichtige Unterlagen zu frisieren oder verschwinden zu lassen“, sagte Andreas Köhn, der die Mahnwache in Mienenbüttel mit organisiert.
Die Tierschützer pochen schon lange darauf, dem LPT die Betriebserlaubnis für alle drei Standorte in Mienenbüttel, Neugraben und Schleswig-Holstein zu entziehen. Am Montagvormittag kam nun endlich Bewegung in die Sache: Die Staatsanwaltschaft Stade ließ auf Grundlage eines durch das Amtsgericht Stade antragsgemäß erlassenen Durchsuchungsbeschlusses alle drei Standorte durch Polizeikräfte der Polizeiinspektion Harburg durchsuchen.
Der Durchsuchungsbeschluss stütze sich auf den durch Anzeigen des Vereins Soko Tierschutz, des Landkreises Harburg und des Niedersächsischen Landesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) begründeten Anfangsverdacht, dass Wirbeltieren am Standort in Mienenbüttel außerhalb der im Rahmen des Versuches zulässigen Grenzen erhebliche und länger anhaltende Schmerzen zugefügt oder sie außerhalb eines laufenden Versuches und damit ohne tragfähigen Grund getötet worden sind, teilten die Staatsanwaltschaft Stade und die Polizeiinspektion Harburg in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit. Ein solches Vergehen wäre gemäß Paragraf 17 des Tierschutzgesetzes strafbar und wird mit einer Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren bestraft.
Gesucht wurden nach Auskunft der Staatsanwaltschaft und der Polizei Unterlagen und Präparate, welche die Haltung und Tötung verschiedener Tiere betreffen sowie weitere Unterlagen, die belegen sollen, welche Gelder die LPT GmbH durch bestimmte Tierversuche eingenommen hat, da diese Gelder möglicherweise als durch Straftaten erlangtes Geld einzuziehen seien. „Insoweit konnte umfangreiches Beweismaterial sichergestellt werden“, heißt es in der gemeinsamen Pressemitteilung. Mit Rücksicht auf das laufende Ermittlungsverfahren könnten derzeit aber keine weiteren Erklärungen abgegeben werden. Die Ermittlungen dauerten an. Die Durchsuchungen seien durch Beamtinnen und Beamte des Laves fachlich unterstützt worden. Zeitgleich fanden Kontrollen der LPT durch die örtlich zuständigen Veterinärbehörden statt.
Zwischen den Zeilen wird in der Pressemitteilung auch das relativ späte Eingreifen der Behörden erklärt: Die Firma LPT führe dem Gesellschaftszweck gemäß in Mienenbüttel mit Gewinnerzielungsabsicht Tierversuche an Affen und Hunden durch, welche einer Genehmigung durch das oder einer Anzeige an das Laves (Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit) bedürfen. „Im Rahmen dieser Versuche dürfen Tieren innerhalb der zulässigen Grenzen auch erhebliche Schmerzen zugefügt werden oder sie dürfen getötet werden“, heißt es in der Mitteilung der Polizei und der Staatsanwaltschaft.
Der Verein Soko Tierschutz hat vor sechs Wochen Material zur Veröffentlichung freigegeben, das ein in Mienenbüttel als Mitarbeiter eingeschleuster Aktivist aufgenommen hatte. Es zeigte unter anderem grausam leidende Affen, Katzen und Hunde. Die Aufnahmen lösten national und international eine Welle des Protests aus, die in zwei Groß-Demonstrationen in Neugraben und im Hamburger Zentrum gipfelte (siehe Artikel).
Weitere Schärfe kam, wie berichtet, durch einen Bericht des ARD-Magazins „Fakt“ in die Ermittlungen gegen das LPT, in dem über mögliche gefälschte Studienergebnisse bei den Tierversuchen berichtet wurde (siehe Artikel).
Das Unternehmen LPT unterhält in Norddeutschland drei Standorte in drei Bundesländern, was ein gemeinsames behördliches Vorgehen nicht gerade erleichtert. Am Standort Mienenbüttel sind die infrage stehenden Versuche durchgeführt worden, die den von der Soko Tierschutz ins Rollen gebrachten Skandal letztlich vor die Staatsanwaltschaft gebracht haben. Am Standort in Neugraben galt das Interesse der Ermittler aktuell vor allem der Verwaltung, dem Dokumentenarchiv und den wissenschaftlichen Unterlagen. Am Standort in Schleswig-Holstein verfügt LPT ebenfalls über ein Archiv.