Wolfgang Heller und seine Frau Renate Heller begeistern sich seit Jahrzehnten für Aquaristik.
Diese stillen und bunten Haustiere zu züchten, erfordert viel Fachwissen. Wolfgang und Renate Heller aus Harsefeld haben regelmäßig Zierfisch- und Garnelen-Nachwuchs und bringen diesen zu Hobby-Ausstellungen. Sie sind seit 50 Jahren überzeugte Aquarianer.
Im Flur stehen bei Hellers die ersten Becken mit bunter Unterwasserwelt. Es blubbert leise, noch ist es dunkel in der Ecke. „Ich möchte etwas von den Fischen haben, wenn ich Zeit habe“, sagt Wolfgang Heller. Deshalb beginnt der Tag für die Mitbewohner im Aquarium, wenn er von seiner Arbeit wieder zu Hause ist.
Ausnahmsweise geht jetzt die Sonne in Form der Lampen auf. Schwertträger, Welse und Labyrinthfische tummeln sich zwischen grünen Pflanzen. Die meisten sind hier in Harsefeld zur Welt gekommen, stets in der Gefahr, sofort wieder aufgefressen zu werden. Dafür hat Wolfgang Heller in den Zuchtbecken eine Ecke eingerichtet, in die nur die kleinen Fischen schwimmen können. Später ziehen sie in spezielle Aufzuchtbecken um. Voraussetzung dafür ist, dass sie zu finden sind. „Anfangs sind es nur zwei winzige Augen und ein Strich“, sagt der Kassenwart und Fischbörsen-Organisator der Aquarienfreunde Stade. Doch durch gute Pflege wachsen sie schnell. Anfangs gibt es sogar Spezialnahrung für sie, richtiges Babyessen.
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Die Lieblingsfische von Wolfgang Heller sind die Labyrinthfische. Zu der Gattung gehören Kampffische und Fadenfische, letztere wohnen bei ihm in einem 400-Liter-Aquarium. „Viele Labyrinthfische kommen aus Asien, wo sie manchmal auch in sauerstoffarmen Gewässern überleben müssen“, erklärt Heller. Durch ein besonderes Organ hinter dem Ohrlabyrinth könne der Fisch auch Sauerstoff aus der Luft aufnehmen. Wenn ein Tümpel durch hohe Temperaturen auszutrocknen droht, schwimmen die Fische an die Wasseroberfläche, um sich so Sauerstoff zu holen. Andere Fische, die dies nicht können, ersticken in solch einer Situation.
Renate Heller hat auch Lieblingsfische, die sind aber kleiner, dafür noch bunter: Tigerguppys züchtet die langjährige Vorsitzende der Stader Aquarienfreunde, die 1990 bis 2009 und jetzt wieder seit 2013 das Amt inne hat. Es sind nicht allzu viele Mitglieder, die der Verein aktuell vorweist, dafür sind es 31 rege Aquarianer, die regelmäßig zu Zierfischbörsen in den Gymnasien Vincent-Lübeck in Stade und Aue-Geest in Harsefeld einladen und an diesen Tagen bis zu 500 Besucher begrüßen können. Viele Interessierte nutzen die Termine, um sich über die Haltung zu informieren und neue Tiere oder Pflanzen zu kaufen. Besonders beliebt sind dort auch die Garnelen, weiß Renate Heller. Und diese etwa drei Zentimeter großen Tierchen in den unterschiedlichsten Farben haben es auch der Vorsitzenden angetan. Kleine schwarz-weiße und rot-weiße Garnelen sitzen in eigenen Becken, damit sie nicht „angeknabbert“ werden. Es sind sogenannte Nano-Becken, Glaswürfel, die zwischen zehn und 60 Litern Wasser fassen. Vor zehn Jahren etwa sei der Trend Garnelen aufgetaucht. Mit ihnen wurden die Nano-Becken modern. Sie passen in kleinste Räume, sehen mit Pflanzen und Tieren aus wie der Ausschnitt einer perfekten Unterwasserszene. Sie sind aber nicht unbedingt leichter zu unterhalten. Das Wasser muss immer gut geprüft sein, noch mehr als bei den großen Aquarien, bei denen die Werte nicht so stark schwanken.
Wolfgang Heller erkennt, wenn etwas in seinen Aquarien nicht stimmt. Deshalb würde er auch nicht mehr auf ein Meerwasseraquarium umsteigen, sagt er, obwohl es heute ausgeklügelte Systeme gebe, die es einfacher machten, die Werte des Wassers zu messen und zu korrigieren. „Aber hier in meinen Becken sehe ich, was los ist“, sagt Heller. Er zeigt auf ein paar schwarze Algen, die da nicht hingehören.
Geheizt werden die Becken der Hellers übrigens nicht. Die Raumtemperatur reicht den Fischen. Und ihnen reicht sogar die Außentemperatur: den China Makropoden. Sie leben in einem kleinen Gartenteich. Bis März gehen die Fische in den Sparmodus und brauchen nichts zu essen. Das ist bei den anderen bunten Fischen anders. Besonders für den Nachwuchs setzt Wolfgang Heller extra etwas an – mit Bananenschalen und winzigen Eiern aus dem Gefrierfach
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Das Glas ist mit einer braunen Flüssigkeit gefüllt und steht vor dem Fenster. Für das menschliche Auge unsichtbar, beziehungsweise nur unter dem Mikroskop erkennbar, leben darin Infusionstierchen oder auch Aufgusstierchen. Sie sind das Babyfutter für Hellers Jungfische.
Für einen solchen Aufguss kocht Wolfgang Heller eine Bananenschale ab und gießt einen Teil eines alten Aufgusses in das Glas. Als „Futter“ gibt er einen Tropfen Kondensmilch dazu. „Man sieht dann, wie das Wasser langsam wieder klar wird“, erzählt Renate Heller. Das ist ein Zeichen, dass hier gefressen und gelebt wird.
Nachschub für das Fischfutter kommt aber auch aus dem Gefrierfach. Dort lagert eine Dose mit kleinsten Eiern von allgemein als Urzeitkrebs bezeichneten Tieren. Artemia, von denen angenommen wird, dass sie vor ungefähr 200 Millionen Jahren vom Meer in Binnengewässer umzogen, leben heute in der Natur vor allem in Salzseen. Sie können gut Trockenzeiten überstehen. Dies erreichen sie, indem sie Dauereier legen. Sobald sich wieder Salzwasser um sie herum befindet, schlüpfen sie. Die Artemia-Eier können deshalb auch tiefgefroren über viele Jahre, und zwar ohne Verluste bei der Zahl der schlüpfenden Tiere, gelagert werden. Die kleinen Krebschen ernähren sich von Bakterien und Algen und sind als Fischfutter sehr beliebt. Außerhalb der Fischzucht sind sie in manchen Kinder-Zeitschriften und Wissenschaftskästen als Urzeitkrebse zu finden. Vor allem die Art Triops wächst dabei enorm schnell.
Der Verband Deutscher Vereine für Aquarien- und Terrarienkunde (VDA), der 1911 gegründet wurde, ist der älteste und größte Verband für Aquarianer und Terrarianer weltweit. Ihm sind in Deutschland rund 350 Vereine mit etwa 13 000 Mitgliedern angeschlossen. Der VDA vertritt die Belange der Aquaristik und Terraristik bei der politischen und gesellschaftspolitischen Meinungsbildung. Der Verein Aquarienfreunde Stade wurde am 6. Januar 1973 gegründet. Jeden ersten Donnerstag im Monat findet ein Treffen statt, zu dem auch interessierte Nicht-Mitglieder kommen können. Im Horst-Casino, Horststraße 20, in Stade gibt es abwechselnd ab 20 Uhr Vorträge oder Filme. Auch wird hier die Geselligkeit gepflegt, ebenso durch Ausflüge und gemeinsame Touren. Höhepunkte im Vereinsleben sind die Zierfischbörsen. Sie werden von Mitgliedern ausgerichtet und umfassen über 100 Aquarien, was in Deutschland selten ist.
Sie sind Renate Hellers Lieblingsfische: Tigerguppys, die so bunt glänzen, als würden Schmetterlinge unter Wasser fliegen.