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Kantersieg

Stades neuer Bürgermeister Sönke Hartlef (CDU) mit seiner Frau Elke. Foto: Stephan

Stades neuer Bürgermeister Sönke Hartlef (CDU) mit seiner Frau Elke. Foto: Stephan

Stade hat einen neuen Bürgermeister, denn mit einem überraschend deutlichen Wahlerfolg erobert der Christdemokrat Sönke Hartlef das Stader Rathaus. Die bis zum 13. September amtierende Amtsinhaberin Silvia Nieber (SPD) erhielt bei der Stichwahl nur 44 Prozent der Stimmen.

Von Wolfgang Stephan 16.06.2019, 19:06 Uhr
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(Letztes Update am 16. Juni um 21.30 Uhr: O-Töne, Hintergrundinformationen, Kommentar und Video hinzugefügt.)

So richtig spannend war dieser Wahlabend im Stader Rathaus nicht, denn innerhalb von 30 Minuten war nach Schließung der Wahllokale deutlich abzusehen, dass Silvia Nieber ihren Schreibtisch im September räumen muss. Schon nach der Auszählung der ersten fünf Wahllokale lag der Christdemokrat Sönke Hartlef vorne. Der 56-jährige kaufmännische Angestellte hatte schon auf den ersten Metern einige Wahllokale erobert, die vor drei Wochen noch an Nieber gegangen waren. Als die Noch-Rathaus-Chefin gegen 18.30 Uhr im Königsmarksaal erschien, war ihr klar, dass sie verlieren werde. „So ist Demokratie“, kommentierte sie die für sie schlechten Zahlen. Dass sie mit dieser deutlichen Niederlage nicht gerechnet hatte, gab sie im Interview mit TAGEBLATT TV offen zu. Dass die bundespolitische Lage der SPD ihr nicht geholfen habe, sei eine Erklärung für die herbe Niederlage.

Während Silvia Nieber mit Tränen in den Augen unter Beifall ihrer Getreuen den Königsmarcksaal früh verließ, feierten die Christdemokraten ihren Wahlsieger. „Mein Leben ändert sich gerade, ich kann das noch gar nicht fassen“, sagte der neue Stader Bürgermeister. „Er hat ruhig und zurückhaltend die richtigen Themen gesetzt“, sagte der CDU-Generalsekretär Kai Seefried. Der Stader CDU-Vorsitzende Oliver Grundmann urteilte: „Mit seinem feinen Gespür, Herzblut und seiner Bodenständigkeit hat er offenbar die Stader erreicht.“ Sönke Hartlef wird heute Morgen wieder an seinem Schreibtisch als Disponent bei Berding Beton in Buxtehude sitzen und seine Kündigung schreiben, denn sein neuer Arbeitsplatz ist ab 14. September im Stader Rathaus. Silvia Niebers Tage im Amt sind gezählt, ihre Amtszeit läuft am 13. September ab. Die 59-Jährige ist als Wahl-Beamtin sozial abgesichert. 

Dieser Wahlabend hat zwei Sieger

{picture1s} Dieses Ergebnis ist eine faustdicke Überraschung: Dass die Amtsinhaberin Silvia Nieber mit elf Prozent von einem keineswegs offensiv agierenden Herausforderer geschlagen wird, war nicht zu erwarten. Der Wahlkampf hatte das Format eines Kindergeburtstages, politisch kontrovers wurde so gut wie nicht diskutiert, so dass diese Wahl keineswegs mit politischen Inhalten gewonnen oder verloren wurde.

Sicher, Silvia Nieber hatte Pech, dass die Sozialdemokraten bundesweit gerade ihren Tiefpunkt erleben. Das hilft natürlich nicht bei so einer Stichwahl. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass die amtierende Bürgermeisterin schon vor drei Wochen von Sönke Hartlef geschlagen wurde, und an diesem Tag der Europawahl war der Haussegen der SPD noch halbwegs in Ordnung.

Ich glaube nicht, dass Silvia Nieber wegen ihrer Arbeit im Rathaus abgewählt wurde. Silvia Nieber muss gehen, weil die Stader mit Mehrheit einen neuen Bürgermeister gewählt haben, der offenbar einen tiefen Rückhalt in der Bevölkerung hat. Insbesondere in den Ortschaften liegen die Hochburgen von Sönke Hartlef. Und da ist der SPD ein fataler Fehler unterlaufen, denn in den letzten Tagen wurden in den Ortschaften Flugblätter von SPD-Mitgliedern unterzeichnet verteilt, die hart an die Gürtellinie des politischen Gegners gegangen sind. „Für Bützfleth einen Mann mit Mops, für Stade eine Frau, die es kann“ – so etwas kommt nicht gut an. Das mobilisiert den Gegner und in den Ortschaften gehen traditionell mehr Leute zur Wahl. Und das war klar: Je geringer die Wahlbeteiligung, desto größer die Chancen für den Mann der Ortschaften.

Dass Sönke Hartlef am Ende dann aber mit elf Prozent Vorsprung aus dieser Stichwahl geht, ist auf der einen Seite ein glänzender Sieg, aber halt auch eine vernichtende Niederlage für die amtierende Bürgermeisterin, die in ihrer Amtszeit nicht viel falsch gemacht hat, was aber offenbar nicht reicht, um Ansehen bei den Stadern zu gewinnen.

Übrigens: Dass 60 Prozent der Wahlberechtigten diese Stichwahl offenbar schnuppe war, ist ein alarmierendes Zeichen für alle Kommunalpolitiker dieser Stadt, die dringend das Thema Bürgernähe auf die Agenda nehmen müssen.

Was sich jetzt im Stader Rathaus ändern wird? Formal bekommt die SPD einen Sitz weniger und die Mehrheitsfraktion der CDU einen Sitz mehr, was sich aber in der Ratsarbeit nicht gravierend auswirken wird. Aber in der Rathausführung ändert sich viel, denn nach Andreas Rieckhof und Silvia Nieber müssen die Sozialdemokraten der CDU das Bürgermeisteramt überlassen. Für die ohnehin gebeutelte SPD ein ganz bitterer Tag.

Natürlich wurde gestern Abend der Wahlsieger Sönke Hartlef gebührend gefeiert. Doch der gestrige Tag hatte noch einen zweiten Sieger: Verwaltungs-Vize und Erster Stadtrat Dirk Kraska ist der neue starke Mann im Stader Rathaus. Für viele war er das bisher auch, aber der Christdemokrat hatte eine Genossin als Chefin vor sich. Die ist bald Geschichte. Sönke Hartlef muss er nicht fürchten.

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