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Überschwemmungsgebiet Este fällt kleiner aus

Das Überschwemmungsgebiet Este (blau) in Cranz wurde um 7,5 Hektar verkleinert, die roten Flächen fallen raus.Karte Behörde für Umwelt und Energie

Das Überschwemmungsgebiet Este (blau) in Cranz wurde um 7,5 Hektar verkleinert, die roten Flächen fallen raus.Karte Behörde für Umwelt und Energie

Das ist eine gute Nachricht für Hauseigentümer, Mieter und Obstbauern in Cranz: Die Nachberechnung für das vorläufig gesicherte Überschwemmungsgebiet (ÜSG) Este hat ergeben, dass die betroffene Fläche um ein Viertel verkleinert werden kann.

Freitag, 07.10.2016, 14:41 Uhr

Das hat Staatsrat Michael Pollmann (Grüne) den Altländern am Donnerstagabend bei einer Präsentation mitgeteilt. Michael Pollmann, Staatsrat der Behörde für Umwelt und Energie, nutzte die Gelegenheit – und forderte die Stadt Buxtehude auf, ihre Planungen für den Hochwasserschutz durch Mini-Deiche zu überdenken. Der Schutz vor Starkregen- und Sturmfluten sei „ein berechtigtes Interesse der Buxtehuder – aber bitte so, dass die Hamburger im Unterlauf nicht acht Zentimeter mehr Wasser bekommen“, betonte der grüne Politiker mit Blick auf das Szenario eines Jahrhunderthochwassers. Pollmann appellierte an die Niedersachsen, Maßnahmen aus dem „Hochwasser- und Gewässerschutzprojekt Klimaanpassung Einzugsgebiet Este“ (KLEE) umzusetzen und das auf Eis liegende Planfeststellungsverfahren zu überdenken.

Die Pläne Buxtehudes, Teile der in den 1930er-Jahren begradigten Obereste bei Daensen mit einem Mäander-Sandfang zu renaturieren, seien ein „vernünftiger Schritt“. Und: Im Sinne der Wasserrahmenrichtlinie sei ein integratives Hochwasserschutzkonzept – von der Quelle bis zur Mündung – erforderlich. Sinnvoll sei Retention („Rückhaltung“) im Oberlauf, etwa durch den Bau von Hochwasserrückhaltebecken. Er begrüßte, dass der Stader Landrat Michael Roesberg im November alle Kreise, Kommunen und Verbände sowie Hamburg zu einem Treffen eingeladen habe.

Dafür gab es Beifall – unter anderem von der grünen Bezirkspolitikerin Gudrun Schittek aus Cranz und Rainer Podbielski von der IG Este aus Jork-Estebrügge.

Die Nachberechnungen für das in Cranz vorläufig gesicherte Überschwemmungsgebiet (ÜSG) Este hätten ergeben, dass dieses um 25 Prozent – von 30 auf 22,5 Hektar – verkleinert werden kann. Die auch von den betroffenen Bürgern angeregte, zweite Berechnung erfolgte auf Basis eines komplexeren Rechenmodells und aktualisierter Vermessungsdaten, die Fachleute sprechen von zweidimensionaler Modellierung (2D-Methode). Der Lastfall ist ein 100-jährliches Hochwasserereignis: eine Kombination aus einer Starkregen- und Sturmflut, sprich ein HQ 5 plus ein drei Tiden (36 Stunden) lang geschlossenes Äußeres Este-Sperrwerk. In diesem Fall würde sich das Wasser in der Este aufstauen, der Fluss würde über seine Ufer treten und die Flächen im ÜSG Este würden überschwemmt werden.

Das linke Vorland am Sportplatz an der Grundschule in der Siedlung am Estebogen liegt jetzt allerdings nicht mehr im Überschwemmungsgebiet, auch die Vorlandflächen entlang der Straße Cranzer Hauptdeich kurz vor dem Äußeren Este-Sperrwerk bis zur Straßenecke Estedeich, überwiegend Obstbauflächen, fallen raus. Statt 34 liegen nur noch 27 Gebäude im ÜSG, sagte Dr. Olaf Müller vom Landesbetrieb für Straßen, Brücken und Gewässer am Donnerstagabend bei der Vorstellung des neuen ÜSG in der Ganztagsgrundschule „Am Johannisland“ in Neugraben.

Was hat das alles für Folgen? Wer das im Hochwasserfall überschwemmte Gebiet kennt, kann schon im Vorfeld die Schäden minimieren. Das ist der große Vorteil einer ÜSG-Ausweisung. Im Überschwemmungsgebiet gibt es Einschränkungen, vor allem bei Neubauten und bei Erweiterungen. Die Freie und Hansestadt Hamburg hat einen Leitfaden aufgestellt – für eine einheitliche Genehmigungspraxis. Hochwasserangepasstes Bauen ist weiterhin möglich, größeres Volumen dürfe nicht beseitigt werden, betonte Olaf Simon von der Behörde für Umwelt. Kurzum: Neubauten auf den bebaubaren und aktuell noch unbebauten Grundstücksflächen seien „unter Auflagen“ weiter möglich. Ersatzbauten und Aufstockungen sind – auf gleicher Grundfläche – zulässig. Unbewohnte Gebäude, wie Carports und Gartenhäuser, dürften ohne wasserrechtliche Ausnahmegenehmigung errichtet werden, sofern weniger als fünf Kubikmeter Wasservolumen verdrängt werden.

Stichwort Deichsicherheit: Die Deiche sind laut Hans-Andreas Lehmann von der Hamburg Port Authority (HPA) am etwa 2,3 Kilometer langen Este-Abschnitt in Hamburg mit 5,60 Meter über Normallnull höher als die mit vier Meter über NN festgesetzte Deichhöhe. Laut HPA gebe es bei einem Jahrhunderthochwasser noch 2,50 Meter „Luft“ bis zur Deichkrone. Allerdings müsse der Hauptdeich an der Elbe mit Blick auf den Klimawandel mittelfristig um etwa 20 bis 30 Zentimeter erhöht werden.

Information

Die Änderung ist am Freitag mit der Veröffentlichung im Amtsblatt in Kraft getreten. Die aktualisierten Karten werden ab dem 1. November für einen Monat in der Umweltbehörde, bei der HPA und im Bezirksamt ausgelegt, auch im Internet stehen diese, genauso wie der Leitfaden, zum Herunterladen zur Verfügung.

http://t.hh.de/7084162

www.hamburg.de/ueberschwemmungsgebiete

Hochwasserschutz kennt keine Grenzen: Olaf Simon von der Behörde für Umwelt und Energie, Staatsrat Michael Pollmann, Gudrun Schittek (Cranz) und Rainer Podbielski von der Interessengemeinschaft Este aus Jork (von links) b ei der Vorstellung

Hochwasserschutz kennt keine Grenzen: Olaf Simon von der Behörde für Umwelt und Energie, Staatsrat Michael Pollmann, Gudrun Schittek (Cranz) und Rainer Podbielski von der Interessengemeinschaft Este aus Jork (von links) b ei der Vorstellung

Wassertiefen im Überschwemmungsgebiet Este in Cranz bei einem 100-jährlichen Hochwasserereignis (HQ5 + drei Sperrtiden).

Wassertiefen im Überschwemmungsgebiet Este in Cranz bei einem 100-jährlichen Hochwasserereignis (HQ5 + drei Sperrtiden).

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