Dr. Sebastian Philipp.
Es ist ein Mosaiksteinchen mehr im medizinischen Fortschritt, der in der Kardiologie besonders rasant ist: Nunmehr kann auch Herzrhythmus-Patienten, die Blutverdünnungsmittel nicht vertragen und ein großes Schlaganfall-Risiko haben, operativ im Elbe Klinikum geholfen werden.
Vorhofflimmern ist eine der häufigsten Herzrhythmusstörungen. In der Allgemeinbevölkerung liegt die Krankheitsquote bei durchschnittlich 2,2 Prozent. Sie nimmt mit dem Alter deutlich zu und erreicht bei 70- bis 80-Jährigen eine Häufigkeit bis zu 16 Prozent. Im Gegensatz zu dem Kammerflimmern ist Vorhofflimmern nicht automatisch lebensbedrohlich. Allerdings führt Vorhofflimmern dazu, dass das Blut in bestimmten Bereichen des Herzens sehr langsam fließt und somit gerinnen kann. Rund 30 Prozent aller Schlaganfälle entstehen durch die Verschleppung von Blutgerinnseln (Thromben) aus dem Herzen, sagt Dr. Sebastian Philipp, Chef-Kardiologe am Elbe Klinikum Stade.
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Üblicherweise wird das Vorhofflimmern mit Blutverdünnungsmitteln wie beispielsweise „Marcumar“ therapiert, doch es gibt Patienten, die aufgrund bereits erfolgter Blutungen, einer erhöhten Blutungsneigung oder einer Unverträglichkeit gegen Blutverdünnungsmittel damit nicht therapiert werden können. Bislang mussten diese Patienten mit einem relevant erhöhten Schlaganfall-Risiko leben. „Die sind ein Leben lang besonders gefährdet“, sagt Philipp, denn im linken Vorhofohr des Herzens können sich Blutgerinnsel bilden, die zu einer Thrombose und in der Folge zum Schlaganfall führen, so der Chef-Mediziner. Bisher hatten die Mediziner keine Mittel, um diese Gefahr zu beheben. Seit einiger Zeit gibt es aber eine operative Methode, um die Blutgerinnung im Herzen zu verhindern – neuerdings auch im Elbe Klinikum Stade.
Den Patienten wird über einen Katheter ein mechanischer Verschluss vor das linke Vorhofohr gesetzt, ein sogenannter LAA-Okkluder, eine Art „Stöpsel“ der diesen kleinen Bereich der Herzkammer einfach verschließt. „Der Eingriff ist nicht kompliziert, aber hochkomplex“, sagt Philipp, der bisher bei fünf Patienten im Klinikum in Stade den Eingriff vorgenommen hat – ohne Komplikationen, wie er sagt.
Die technische Voraussetzung für die Operation war die Anschaffung eines Echokardiographie-Gerätes der neuesten Generation. „Damit können wir mit den Universitätskliniken konkurrieren“, sagt Philipp, der davon ausgeht, dass in der Anfangsphase zwei bis drei Patienten mit Vollnarkose im Monat operiert werden, bei einem viertägigen Aufenthalt in der Klinik. Die Kassen übernehmen die Kosten für den Eingriff. Philipp: „Für diese Menschen bedeutet diese neue Technik schlicht eine höhere Lebenserwartung.“