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Auf dem Versuchsgut Lindhof der Uni Kiel werden die Jersey-Milchkühe von der Weide zum Stall getrieben. Fotos Dr. Neumann/Fehlbus

Auf dem Versuchsgut Lindhof der Uni Kiel werden die Jersey-Milchkühe von der Weide zum Stall getrieben. Fotos Dr. Neumann/Fehlbus

Der Anblick von weidenden Kühen in Niedersachsen ist selten geworden. Jetzt erlebt die Weidemilcherzeugung in Norddeutschland eine Renaissance – sagt Prof. Dr. Friedhelm Taube von der Christian-Albrechts-Universität Kiel in der Festhalle Harsefeld.

Von Miriam Fehlbus 09.02.2018, 08:00 Uhr
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Er ist einer der hochkarätigen Referenten, die beim Grünlandtag der Landwirtschaftskammer für Weidehaltung werben. Seit 2016 gibt es das Siegel für Weidemilch, bei der Tiere mindestens 120 Tage im Jahr, sechs Stunden am Tag auf der Weide grasen können. Eine, die damit nachweislich gute Erfahrungen gemacht hat, ist die Molkerei Ammerland. „Allein im Jahr 2017 ist die Nachfrage nach einem solch gekennzeichneten Produkt um fast 40 Prozent angestiegen“, so Eike Ulke von der Molkerei.

Verkaufen lässt sich das Produkt gut, doch beim Thema Umsetzung zeigen sich einige der etwa 150 Zuhörer in Harsefeld am Donnerstag spürbar skeptisch. Das spornt Prof. Taube noch an. Er wirbt dafür, dass Weidehaltung fast überall Sinn mache, mit Einschränkung auf extremen Moor- oder Sandböden.

Ein Projekt der Kieler Universität ist das Versuchsgut Lindhof – ein ökologischer Gemischtbetrieb mit Milcherzeugung. Ab März werden dort fast 100 Kühe Milch geben. Die Daten werden wissenschaftlich ausgewertet. Schon jetzt steht für Taube fest, dass die Politik die Landwirtschaft durch ein falsches Handeln in eine schwierige Situation getrieben hat und dass unter den Vorzeichen von Klimaschutz und Düngeverordnung längst andere Wege hätten beschritten werden müssen.

„Das ist eindeutiges Politikversagen auf vielen Ebenen“, sagt Taube. Die erste Düngeverordnung von 2006 sei so gewesen, als führe jemand mit 80 Stundenkilometern durch den Ort und müsse am Polizeiwagen nur den Führerschein vorweisen, um unbestraft weiterfahren zu dürfen: „Es reichte, die Zettel auszufüllen, damit wurden Landwirte in den Wachstumsregionen motiviert, noch mehr zu wachsen.“

Spätestens als 2015 die Milchquote auslief, hätte dann jemand schauen müssen, wie es um die Güllelagerkapazitäten stand, so Taube. Doch wieder sei nichts geschehen. Jetzt ist die strenge Düngeverordnung da. Seit dem vergangenen Jahr sorgt sie bei vielen Landwirten mit Tierhaltung für Sorgenfalten auf der Stirn. Ein Problem sind die Phosphorwerte. Und da, so der Wissenschaftler, könne die Weidehaltung mit Vorteilen punkten. Eiweißlieferanten wie Raps oder aus dem fernen Ausland importiertes Soja bringen die Betriebe an die Grenzen des Erlaubten. Mit einer Grasfläche, auf der der „Weizen des Grünlands, das Deutsche Weidelgras“ gedeihe, gelinge es beim Wechsel von Beweiden und der Winterfuttersilage-Ernte, die Energiedichte von Silomais zu übersteigen und hochwertiges Protein zu liefern.

Das Tierwohl wird vom Verbraucher nachweislich honoriert. Aber die Weidehaltung könne auch mit geringerem Energieaufwand bei den Kosten überzeugen, rechnet Taube vor. Unter dem Strich könne ökologisch und effizient Weidemilch produziert werden. Dass vielleicht eine andere Rinderrasse nötig ist, um alle Ziele der Vermarktung zu erreichen, wird auch überprüft. Auf dem Lindhof kommt das eher zierliche Jersey-Rind mit hoher Milchleistung zum Einsatz.

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