Corinna Lange zum Bas-Rücktritt: „Es macht mich wütend“
SPD-Unterbezirksvorsitzende Corinna Lange kritisiert den Umgang mit Frauen in verantwortungsvollen Positionen. Foto: Sebastian Rath
SPD-Landtagsabgeordnete Corinna Lange zeigt sich betroffen vom Rücktritt von Bärbel Bas und fordert mehr Respekt, Solidarität und Menschlichkeit in der politischen Auseinandersetzung.
Landkreis. Der Rücktritt von Bärbel Bas als Bundesarbeitsministerin und SPD-Vorsitzende hat auch bei den Sozialdemokraten im Landkreis Stade Betroffenheit ausgelöst. „Es macht mich betroffen und wütend, dass sie in einer ohnehin schweren persönlichen Situation auch noch öffentliche Angriffe erleben musste“, sagt die SPD-Unterbezirksvorsitzende und Landtagsabgeordnete Corinna Lange.
Dabei gehe es um weit mehr als den Rücktritt einer einzelnen Spitzenpolitikerin. Es gehe um eine politische Kultur, in der Frauen noch immer mit anderen Maßstäben gemessen würden als Männer. „Ich kenne das aus eigener Erfahrung. Frauen, die Verantwortung übernehmen, klare Positionen vertreten und sich nicht wegducken, werden häufig nicht nur an ihrer politischen Arbeit gemessen, sondern auch an ihrer Persönlichkeit“, schreibt Lange in einer Pressemitteilung.
„Persönliche Verletzlichkeit gehört zum Menschsein“
Kritik ja. Persönliche Angriffe nein. „Politische Verantwortung darf nicht bedeuten, dass man seine Menschlichkeit an der Garderobe abgeben muss“, so Lange über den Umgang mit Bas. Die Landtagsabgeordnete fürchtet, dass solche Szenarien jungen Frauen, die sich politisch engagieren möchten, vergraulen und zermürben.
Merz weist Vorwürfe aus der SPD erneut zurück
Gerade auf kommunaler Ebene sei es wichtig, Frauen zu ermutigen, Verantwortung zu übernehmen. Dafür brauche es nicht nur bessere Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Ehrenamt, sondern auch eine Kultur des gegenseitigen Respekts - innerhalb der Parteien ebenso wie zwischen politischen Mitbewerbern.
Die Politik verliert Persönlichkeiten
Corinna Lange richtet einen Appell an alle demokratischen Kräfte: „Solidarität darf nicht erst dann beginnen, wenn jemand seinen Rücktritt erklärt. Sie muss dann spürbar sein, wenn Menschen angegriffen werden, wenn sie unter Druck geraten und wenn sie Unterstützung brauchen. Wir müssen Frauen in der Politik nicht vor sachlicher Kritik schützen. Aber wir müssen entschieden dafür eintreten, dass sie mit demselben Respekt behandelt werden wie ihre männlichen Kollegen.“
Eine Demokratie, die Frauen durch den Umgang mit ihnen verliere, verliere nicht nur engagierte Persönlichkeiten. Sie verliere Perspektiven, Erfahrungen und Vertrauen. (sal)
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