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Labor schließt

Affen sitzen in Einzelkäfigen im LPT in Mienenbüttel: Damit ist jetzt Schluss . Das Labor ist geschlossen. Foto: Soko Tierschutz/Cruelty Free International

Affen sitzen in Einzelkäfigen im LPT in Mienenbüttel: Damit ist jetzt Schluss . Das Labor ist geschlossen. Foto: Soko Tierschutz/Cruelty Free International

Nachdem der Landkreis Harburg der Versuchsanstalt LPT am Freitag die Betriebserlaubnis für ihr Labor in Mienenbüttel entzogen hat, feiern die Tierschützer den Etappensieg – und kämpfen weiter für die Schließung aller LPT-Standorte.

17.01.2020, 19:45 Uhr
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Bei den Tierschützern ist die Freude groß, als am Freitagmorgen die Kunde von der Schließung des Labors in Mienenbüttel die Runde macht: Die Mahnwache, die vor Ort vor dem Labor seit Monaten rund um die Uhr präsent ist und erst gehen will, wenn der letzte Hund das LPT verlassen hat, stößt mit Sekt auf den Etappensieg an. Zwar kann das LPT gegen den Widerruf der Betriebserlaubnis noch rechtliche Schritte unternehmen, doch auch eine Klage hätte laut Landkreis keine aufschiebende Wirkung.

Damit ist das Aus zumindest für den Mienenbütteler Standort des LPT wohl unumkehrbar. Vom LPT selbst war gestern auf TAGEBLATT-Anfrage – wie immer – keine Stellungnahme zu bekommen, doch das Labor ist selbst bereits seit Wochen dabei, den Standort Mienenbüttel zu räumen. Die letzten Tierversuche in Mienenbüttel waren im Dezember beendet worden, zuvor hatte LPT in einem internen Schreiben an seine Mitarbeiter die Schließung des Standorts Mienenbüttel für Ende Februar angekündigt.

Bei der Soko Tierschutz wird der Etappensieg denn auch freudig gefeiert: „Diese Entwicklung ist ein großer Erfolg für unsere Bemühungen, die Quälereien im LPT zu stoppen“, kommentiert Friedrich Mülln, Chef und Gründer der Soko Tierschutz, das Aus für Mienenbüttel.

Wie mehrfach berichtet, hatten die Tierschützer Anfang 2019 einen Mitarbeiter undercover für vier Monate in Mienenbüttel eingeschleust, der mit versteckter Kamera die Zustände im Labor dokumentierte. Seine Aufnahmen von in ihrem eigenen Blut vegetierenden Hunden, Affen in zu kleinen Käfigen und die brutale Behandlung von Tieren durch LPT-Mitarbeiter hatten für einen landesweiten Aufschrei des Entsetzens gesorgt und der Kreisbehörde letztlich ausreichend Material an die Hand gegeben, Mienenbüttel nun zu schließen.

„Es war eine überfällige Entscheidung, aber wir müssen dem Landkreis zugutehalten, dass er schnell reagiert hat“, sagt Mülln. Die Tierschützer werden nun weiter kämpfen für die Schließung von LPT auch in Hamburg und Schleswig-Holstein. Auch gegen den Hauptsitz des LPT in Neugraben – dort experimentiert LPT mit kleineren Tieren wie Mäusen und Kaninchen – liegen diverse Strafanzeigen vor, ebenso gegen den LPT-Standort Wankendorf. Auch dort hatten ehemalige Mitarbeiter des LPT als Zeugen über manipulierte Studien berichtet. „Wir erwarten uns nun eine ähnliche Entscheidung der Behörden in Hamburg und Schleswig-Holstein, denn Personen, denen die Zuverlässigkeit in Niedersachsen abgesprochen wird, dürfen nicht in Hamburg und Schleswig-Holstein auf Tiere losgelassen werden“, sagt Mülln.

Große Freude herrscht auch bei der Initiative Lobby pro Tier, die seit mehr als zehn Jahren friedlich und mit unermüdlicher Aufklärungsarbeit gegen das LPT kämpft. „Dass das Aus jetzt in so kurzer Zeit kommt, durch eigenes Versagen, hätte ich nicht erwartet“, kommentierte gestern die noch völlig überwältigte Lobby-Pro-Tier-Chefin Sabine Brauer. LPT habe sich die Grube, in die es nun gefallen sei, selbst gebaut, indem sie in all den Jahren nie transparent gewesen seien, immer hermetisch verschlossen gegenüber jedem und so den Verdacht genährt hätten, dass hinter den Toren der Versuchsanstalt etwas gravierend nicht stimme. „Sie haben sich so sicher gefühlt, das war einfach ein Tick zu viel.“

Unterdessen räumt LPT weiter nach und nach die letzten Tiere aus dem Mienenbütteler Labor. In den vergangenen Wochen waren bereits alle dort noch befindlichen 49 Katzen in private Hände vermittelt worden. Am Freitag sind wieder 32 Beagle über Tierschutzorganisationen zur Vermittlung abgeholt worden. Zwei Wochen Frist hat der Landkreis LPT nun für die Abgabe der letzten 96 Beagle eingeräumt. Damit sind unter dem Strich 172 Hunde und 49 Katzen lebendig aus dem Labor herausgekommen – die ersten und wohl auch letzten Tiere, die das LPT jemals lebend verlassen haben. Nur die Affen haben ein weniger glückliches Schicksal: Sie wurden an den niederländischen Versuchstierhändler Hartelust zurückgegeben und werden nun wohl in anderen Tierversuchsanstalten landen. Gleichwohl ist Brauer froh: „Dass wider Erwarten doch noch so viele Tiere gerettet werden konnten, ist einfach nur grandios.“

Ein Kommentar von Claudia Michaelis

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Beagle, Affen und Katzen haben zu Tausenden in Mienenbüttel gelitten, bis sie schließlich alle getötet wurden. Nun hat das Leiden nach 50 Jahren LPT ein Ende. Zu danken ist das in allererster Linie der Soko Tierschutz, ohne deren Undercover-Recherche nie ans Licht gekommen wäre, wie in Mienenbüttel mit den Tieren umgegangen wird. Nun ist Mienenbüttel dicht. Das ist gut so, denn Tierversuche sind schon bei gesetzeskonformer Ausführung grausam genug, und wer die armen Geschöpfe darüber hinaus zusätzlich quält, dem gehört das Handwerk gelegt, und zwar für alle Zeiten.

Mit dem Aus für Mienenbüttel ist ein wichtiger Schritt geschafft – aber leider noch längst kein echter Durchbruch auf dem Weg zu weniger Tierleid. Deutschland ist nach wie vor eine Hochburg der Tierversuche, rund 700 Versuchslabore gibt es hierzulande noch immer, allein 2017 wurden nach offizieller Statistik zwei Millionen Tiere als Versuchstiere eingesetzt, 740 000 starben in den Laboren.

Mag sein, dass es ganz ohne Tierversuche noch immer nicht geht, auch wenn die Organisation Ärzte gegen Tierversuche seit Jahren argumentiert, dass Tierversuche in der Medizin mehr schaden als nutzen und 95 Prozent der Arzneimittel, die im Tierversuch wirksam waren, wegen mangelnder Wirkung oder schwerer Nebenwirkungen nicht durch die klinische Prüfung am Menschen kommen.

Doch solange die Politik nicht endlich ernst macht mit ihren Bekundungen, mehr für die Erforschung tierversuchsfreier Testverfahren zu tun, wird sich am zigtausendfachen Leid der Tiere in den Laboren nichts ändern. Die Tierversuchslobby ist stark, die Branche ein überaus einträgliches Geschäft. Für Tierversuche stehen Milliarden bereit, da sind die paar Millionen Euro, die Bund und Länder in die Erforschung tierversuchsfreier Methoden stecken, vergleichsweise kläglich.

Im allgemeinen Entsetzen über die Vorgänge im LPT haben sich in den vergangenen Wochen wieder viele Politiker zu Wort gemeldet und gefordert, Alternativmethoden stärker zu fördern, allen voran Niedersachsens Vize-Landesvater Bernd Althusmann, in dessen Wahlkreis Mienenbüttel liegt. Damit muss die Politik nun endlich ernst machen, in Land und Bund. Und mindestens genauso drängend: Sie muss endlich die Vorgaben der EU-Tierversuchsrichtlinie umsetzen. Dass ausgerechnet Deutschland sich von der EU bescheinigen lassen muss, dass es beim Tierschutz im Tierversuch zu lasche Regeln hat, ist ein Armutszeugnis. Mienenbüttel hat landesweit sensibilisiert und ein lautes Signal gesetzt. Es darf nicht so schnell verhallen.

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