Drohnenbauer wollen zum Schutz von Infrastruktur beitragen
Eine Drohne des Typs „Orka“ vom Rostocker Drohnenhersteller CiS fliegt am Himmel. Foto: Philip Dulian/dpa
Hybride Angriffe - teils mit Drohnen - gefährden auch die zivile Infrastruktur in Deutschland. Für bessere Aufklärung und mehr Sicherheit haben sich Drohnenbauer im Norden etwas einfallen lassen.
Rostock. Leise erhebt sich der Orka über die Wiese in die Höhe. Der Herbstwind von der Ostsee mit teils heftigen Böen kann die sieben bis zwölf Kilogramm schwere Drohne nicht aus dem Gleichgewicht bringen. Stabil steht sie in der Luft - und liefert gestochen klare Bilder der rund zehn Kilometer entfernten Warnowwerft. „Wir haben hier extrem steifen Wind - macht sie aber sehr gut“, zeigt sich Tom Kaufmann, geschäftsführender Gesellschafter des Drohnenbauers CiS mit der Flugleistung des Orka zufrieden.
Im Ukraine-Krieg sind Drohnen auf beiden Seiten gefährliche Waffen. An der Front sollen sie schweres Gerät bekämpfen. Zugleich produzieren Angriffe auf Fabriken und Ölanlagen im tiefen Hinterland fast täglich Schlagzeilen - ebenso wie der Tod von Zivilisten durch Drohnenattacken. In Deutschland rückte die Gefahr hybrider Angriffe durch einen Drohnenvorfall auf dem Leipziger Flughafen in den Fokus der Öffentlichkeit. Das Land zeigte sich unvorbereitet - in einer Zeit, in der die USA vielen nicht mehr als zuverlässiger Partner gilt.
Bundeswehr und Behörden sind daher gleichermaßen auf der Suche nach eigenen Lösungen - und dabei auch im Norden fündig geworden. Zugegeben: Hightech ist nicht das Erste, was ein Besucher von Mecklenburg-Vorpommern erwartet. Das Land gilt als provinziell und technologisch rückständig.
Tom Kaufmann, Geschäftsführer des Drohnenherstellers CiS, hält eine Drohne des Typs „Orka“ in den Händen. Foto: Philip Dulian/dpa
Drohnen können in größere Überwachungssysteme integriert werden
Kaufmann widerspricht. In seiner Sparte sei er den meisten voraus. „Eine Drohne zu bauen und in die Luft zu bekommen, das kann heute fast jeder“, sagt er. Die Kunst bestehe darin, Hardware und Software so zu bündeln, dass die Drohne leicht zu bedienen sei und unterschiedlichste Aufgaben in einem größeren System erfüllen könne. CiS sei das gelungen. Bei Dingen wie der Erstellung eines Lagebilds, dem Einsatz von bewegten Plattformen und autonomem Fliegen ohne Hilfe von Satelliten sei das Unternehmen weltweit mit vorn, sagt Kaufmann.
Angefangen hat CiS als Softwarefirma 1990. Später kamen dann Drohnen zur Kartierung von landwirtschaftlichen Flächen hinzu, die CiS in Multicopter für die Vermessung und Inspektion weiterentwickelte. Der heute 25-jährige Kaufmann selbst war noch Schüler, als er bei CiS anfing und den Drohnenbau vorantrieb. Als er 2022 gemeinsam mit seinem Bruder die Firma übernahm, legte er seinen Fokus schnell auf den Sicherheitsbereich.

Ein Rotor einer Drohne des Typs „Orka“. Foto: Philip Dulian/dpa
Heute baut das Unternehmen etwa 100 Drohnen im Jahr. Die Kosten pro Stück liegen zwischen 30.000 und 80.000 Euro - „nach oben hin ist die Grenze natürlich offen - je nachdem, welche Ausstattung der Kunde wünscht“. Zu den Kunden zählen neben der Bundeswehr laut Kaufmann vor allem Unternehmen aus der Sicherheits- und Rüstungsbranche, aber auch zivile Behörden.
Kooperationspartner in Schleswig-Holstein
„Unsere Drohnen sind dafür gemacht, aus der Luft ein kontinuierliches Lagebild zu erzeugen“, sagt Kaufmann. Genutzt werden können die Fähigkeiten so beim Schutz kritischer ziviler Infrastruktur wie beispielsweise Häfen. CiS kooperiert dabei mit einem weiteren Drohnenproduzenten aus dem Norden: FLANQ.
Das Unternehmen mit Sitz in Halstenbek produziert unbemannte Wasserfahrzeuge in Kiel und Rostock. Kiel biete viele Werften, die als Partner beim Bau behilflich seien. „In Rostock testen wir viel, in der Ostsee und in der Warnow“, sagt FLANQ-Mitgründer und Vertriebschef Daniel Esser.
Die Größe der FLANQ-Wasserdrohnen variiert von einem bis zu fast neun Metern - je nach Aufgabe. Sie sind mit teils mehreren Millionen Euro auch deutlich teurer als die Flugdrohnen von CiS. Neben der Wehrfähigkeit gegen Bedrohungen aus der Luft und durch andere Schiffe stellen Salzwasser und teilweise extrem hoher Wellengang an Konstruktion und Material große Herausforderungen.
Wie Esser betont, erlaubt die Produktion dank Modulbauweise und bei den kleineren Drohnen auch mithilfe des 3D-Druckers trotzdem deutlich schnellere Fertigungszeiten als bei Marineschiffen, wo von der Planung bis zur Indienststellung rund zehn Jahre vergehen. Zudem lässt sich die Produktion in kürzester Zeit deutlich steigern. Esser sieht solche Drohnen daher als unverzichtbaren Bestandteil einer zukunftsfähigen Marine. Neben der Bundeswehr sind auch hier Rüstungsunternehmen Kunde. Mit Diehl Defense und dem in Lübeck ansässigen Maschinenbauer Gabler hat FLANQ zudem namhafte Partner.
Kooperation zu Wasser und zur Luft
Schon jetzt ist das Zusammenwirken von Flug- und Wasserdrohne beeindruckend. CiS hat dafür extra einen mobilen Drohnenport entwickelt. Der kann auch auf einer Wasserdrohne platziert werden. Damit kann der Orka auf einer FLANQ-Wasserdrohne landen. „Mit Toms Drohne kann man die Reichweite deutlich erhöhen“, lobt Esser. Die aus der Luft an ein Kontrollzentrum gelieferten Daten sind nicht nur bei einer militärischen Bedrohung oder der Suche nach Treibminen wichtig.
Auch bei der Rettung von Schiffbrüchigen können Wasser- und Luftdrohne als Tandem wirken. Aus der Luft werden in Seenot geratene Boote geortet, die Wasserdrohne kann über Bord gegangene Menschen aufnehmen - auch dort, wo es für Seenotretter selbst wegen Unwetters zu gefährlich wird.
Europaweit gibt es nur eine Handvoll von Unternehmen mit solchen Kompetenzen. Doch mit dem Status quo geben sie sich nicht zufrieden. Beide Unternehmen investieren eifrig in die weitere Entwicklung. „Wenn man nichts tut, ist man nach drei Monaten hinterher“, sagt Kaufmann. CiS arbeite daher schon jetzt an Technologien, die in ein oder zwei Jahren gefragt seien.
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