Firmenchefs werden erstmals seit Jahren optimistischer
Geschäftsreisende: Die Chefinnen und Chefs deutscher Firmen werden erstmals seit Jahren wieder zuversichtlicher (Archivbild) Foto: Andreas Arnold/dpa
Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft hellen sich auf. In den Chefetagen kehrt mehr Zuversicht ein - auch zum Standort Deutschland. Vor allem eine Technologie bewegt die Manager.
Frankfurt/Main. Firmenchefs in Deutschland schauen erstmals seit Jahren optimistischer auf die Aussichten für ihr Unternehmen. In einer Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG erwarten 86 Prozent der Manager Wachstum in den kommenden drei Jahren. Das sind 14 Prozentpunkte mehr im Vorjahr. Auch 2023 und 2024 hatte der Anteil der Optimisten mit 80 bzw. 77 Prozent deutlich niedriger gelegen.
„Die Konjunkturaussichten für Deutschland haben sich zuletzt aufgehellt und auch in den deutschen Chefetagen kehrt vorsichtiger Optimismus zurück“, heißt es in der Analyse. Für die Umfrage wurden von 11. August bis 21. September 1.400 Chefs großer Unternehmen aus zwölf Ländern weltweit befragt, darunter 125 aus Deutschland.
Mehr Optimismus für Standort
In den kommenden drei Jahren rechnen fast 70 Prozent der befragten Firmenchefs in Deutschland mit 2,5 Prozent Gewinnwachstum für ihr Unternehmen oder mehr. 2025 waren es erst 42 Prozent. Auch die Aussichten für die eigene Branche und den Standort Deutschland beurteilen die Firmenlenker besser als im Vorjahr: Für die eigene Branche steigt der Wert von 71 auf 78 Prozent, für den Standort von 75 auf 78 Prozent.
Mehr und mehr Ökonomen trauen der deutschen Wirtschaft dieses Jahr ein größeres Wachstum zu. Zuletzt hatte die Bundesregierung ihre Prognose für 2026 mehr als verdoppelt auf 1,3 Prozent.
Der Blick der Firmenchefs auf die Weltwirtschaft bleibt indes trüb: Knapp zwei Drittel (62 Prozent) rechnen mit Wachstum, nach 64 Prozent im Vorjahr, so die Umfrage, für die Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 500 Millionen Dollar (mehr als 445 Mio. Euro) berücksichtigt wurden. „Deutsche Firmenchefs bewerten das globale Umfeld damit etwas vorsichtiger als ihre internationalen Kollegen“, schreibt KPMG.
Rüsten für KI-Zeitalter
Die optimistischeren Erwartungen speisten sich nicht aus der Hoffnung
auf bessere Bedingungen oder Rückenwind aus dem globalen Handel, sagt Mattias Schmelzer, Deutschlandchef von KPMG. Vielmehr investierten Unternehmen in neue Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI), stärkten ihre Wettbewerbsfähigkeit und trieben ihre Transformation voran.
77 Prozent sehen laut Umfrage KI als Top-Investitionspriorität. Fast alle (94 Prozent) erwarten spätestens binnen drei Jahren eine Rendite auf ihre KI-Investitionen oder haben diese bereits erzielt. 90 Prozent der Firmenchefs ziehen in den kommenden drei Jahren zudem Übernahmen in Betracht.
Trotz der gestiegenen Zuversicht kämpften Unternehmen mit einem schwierigen Umfeld. Als größte Risiken für Wachstum nennen deutsche Firmenchefs vor allem externe Faktoren wie Regulierung mit 30 Prozent, geopolitische Instabilität mit 29 Prozent und eine schwache Weltwirtschaft mit 27 Prozent.