Bayern feiern Torfest nach Frusttagen - Kompany angeschlagen
Luis Díaz (l) wurde für viele Tore beglückwünscht. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Nach zwei Unentschieden mit fünf Gegentoren demonstriert der FC Bayern seine Extraklasse. Gegen Sparringspartner Leipzig trifft Luis Díaz gleich dreifach. Fragen wirft Trainer Vincent Kompany auf.
München. Vincent Kompany ging langsamen Schrittes in den Mittelkreis, um Dreifachtorschütze Luis Díaz zu einem herausragenden Auftritt zu gratulieren. Angeführt vom Kolumbianer Díaz ist der FC Bayern nach zwei Frusterlebnissen auch mit einem angeschlagenen Trainer an die Tabellenspitze gestürmt. Beim 6:1 (3:0) gegen RB Leipzig saß der gesundheitlich angeschlagene Kompany fast über die gesamte Spielzeit auf der Bank, statt wie gewohnt präsent in seiner Coachingzone zu stehen. Die Münchner Tor-Gala dürfte ihm aber auch von diesem Platz aus gefallen haben.
„Er hat einen Infekt gehabt über die ganze Woche und hat dann auch noch eine Sportverletzung an der Hüfte. Er liegt grad in der Trainerkabine, aber es geht im gut“, sagte Bayerns Sportvorstand Max Eberl bei Sky. Kompany selbst erschien nicht zum TV-Interview nach dem Spiel. Beeindruckt war Eberl vom Team: „Von Anfang an super aggressiv in der Defensive, super mutig, bereit - und dann gewinnst du halt auch in der Höhe hochverdient.“
RB-Sportchef ist sauer
Leipzigs Sport-Geschäftsführer Marcel Schäfer sprach von einer „Lehrstunde“ und kritisierte das Team. „Es war ein komplettes Versagen von uns in allen Bereichen, und deshalb ist das Ergebnis auch so, wie es ist.“ Schäfer kündigte eine knallharte Analyse an: „Das ist nicht unser Anspruch, da müssen wir schon deutlich drüber reden.“
Nach zwei Unentschieden mit fünf Gegentoren hatten sich die Bayern an harm- und hilflosen Leipzigern nach Belieben ausgetobt. Díaz (12. Minute/47./69.), Aleksandar Pavlovic (26.), Michael Olise (34.) und Harry Kane in einem Jubiläumsspiel (53.) dokumentierten mit ihren Toren den Klassenunterschied. RB kam durch Andrija Maksimovic (90.+1) nur zum Ehrentreffer.

Trainer Vincent Kompany saß fast die gesamte Spielzeit auf der Bank. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Bayern mindestens für eine Nacht an der Spitze
Die Münchner nutzten das 0:0 von Borussia Dortmund beim 1. FC Union Berlin und schoben sich zumindest bis zum Spiel des SC Freiburg am Sonntag in Leverkusen auf den ersten Tabellenplatz vor. Es war die perfekte Einstimmung auf den Champions-League-Abend am Mittwoch gegen Titelkandidat FC Arsenal.

Die Bayern um Dreh- und Angelpunkt Harry Kane (2.v.r.) feiern ein Torfest. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Gegen Leipzig gab an der Seitenlinie Co-Trainer Aaron Danks meist die Anweisungen für den Sturmlauf. Nachdem die Münchner in Augsburg (2:2) nach 8,4 und in Stavanger (3:3) nach 71 Sekunden in Rückstand geraten waren, hätte diesmal beinahe Díaz einen Blitzstart nach nicht einmal 120 Sekunden hingelegt. RB-Keeper Maarten Vandevoordt konnte da noch parieren.
Einbahnstraßen-Fußball in der Arena
Die erste Torchance gab gleich die Richtung vor, in die sich die gesamte Partie vor 75.000 Zuschauern entwickelte. Es ging fast nur auf das Leipziger Tor. In seinem 100. Bundesliga-Spiel glänzte Kane wiederholt als Vorbereiter. Nach dem Seitenwechsel durfte Englands Nationalmannschaftskapitän dann auch seinen eigenen Treffer bejubeln. Bundesliga-Tor Nummer 102.
Bei den schön herausgespielten Münchner Toren war viel Esprit und Spielwitz zu erkennen. Etwa beim 1:0 durch Díaz, als Kapitän Joshua Kimmich den Ball über die Leipziger Defensive hob. Oder beim 3:0, als Kane nach einem Doppelpass Olise bediente. Der Franzose, der nach seinem Platzverweis in Stavanger noch kritisiert worden war, glänzte diesmal wieder als Torschütze.
Wann kehrt Neuer zurück?
Vandevoordt im Leipziger Tor rückte immer wieder in den Fokus und war an diesem Abend der beste Gästespieler. Dagegen erlebte Jonas Urbig zwischen den Münchner Pfosten bis auf den Gegentreffer in der Nachspielzeit ein recht ruhiges Spiel. Der 23-Jährige vertrat erneut Manuel Neuer. Der 40-Jährige fehlte nach seinem Fauxpas in Augsburg schon in der Königsklasse, weil er etwas am Fuß spürte. Ob er gegen Arsenal wieder im Tor steht?

Aleksandar Pavlovic kürte sich auch zum Torschützen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Diesmal Torschütze statt Rotsünder: Michael Olise. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa