Bericht: FIFA plant Regeländerung nach Balogun-Kontroverse
US-Präsident Trump und Gianni Infantino gerieten während der WM in die Kritik. (Archivbild) Foto: Jacquelyn Martin/AP/dpa
Folarin Balogun durfte trotz Roter Karte im WM-Achtelfinale spielen. Der Fall schlägt immer noch Wellen. Die FIFA will einem Bericht zufolge automatische Sperren künftig anders handhaben.
Zürich. Der Fußball-Weltverband FIFA will einem Medienbericht zufolge mit einer Änderung seines Disziplinarkodexes eine Wiederholung der Kontroverse um den US-Stürmer Folarin Balogun bei der Weltmeisterschaft verhindern. Ein entsprechender Vorschlag soll dem FIFA-Council heute bei der ersten Sitzung seit der WM in Zürich vorgelegt werden, hieß es in einem Bericht von „The Athletic“.
Ziel sei es demnach, dass automatische Ein-Spiel-Sperren nicht mehr ausgesetzt werden können. Dadurch solle die Vorhersehbarkeit einer Spielberechtigung für Profis verbessert und die Integrität der Wettbewerbe geschützt werden. Die FIFA ist für eine Stellungnahme angefragt.
Trumps Anruf, Infantinos Dementi
Der US-Stürmer Balogun hatte im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina (2:0) die Rote Karte gesehen und war damit für die Achtelfinal-Partie gegen Belgien eigentlich automatisch gesperrt. Die FIFA hob die Sperre nach einem Anruf von US-Präsident Trump bei FIFA-Chef Gianni Infantino aber überraschend wieder auf - nach Darstellung des Weltverbands traf jedoch die formal unabhängige Disziplinarkommission diese Entscheidung.

Sah Rot - und durfte dann trotzdem direkt wieder spielen: US-Stürmer Folarin Balogun. (Archivbild) Foto: Jeff Chiu/AP/dpa
Trumps Worte klangen indes nach einer persönlichen Intervention Infantinos. Der Schweizer selbst bestritt, an der Entscheidung beteiligt gewesen zu sein. Das US-Team unterlag den Belgiern letztlich trotz Baloguns Einsatz mit 1:4 und schied aus. Die Europäische Fußball-Union UEFA bezeichnete die Aufhebung der Sperre als „unverständlich“ und als „Überschreitung einer roten Linie“.
Nach Informationen von „The Athletic“ kritisierten nicht namentlich genannte Quellen aus dem Umfeld von FIFA-Ratsmitgliedern nun, dass der genaue Wortlaut des Vorschlags erst am Dienstagabend und damit weniger als 48 Stunden vor der Sitzung übermittelt worden sei. Sie werteten dies dem Bericht zufolge als Versuch, kurzfristig eine Regeländerung durchzusetzen und die Kontroverse um Baloguns ausgesetzte Sperre aufzuarbeiten.
Aus ihrer Sicht seien die bisherigen Regeln für die meisten Beteiligten klar gewesen. Lediglich die Entscheidung, Balogun trotz der Roten Karte im Achtelfinale spielen zu lassen, habe eine Feinabstimmung erforderlich gemacht.