AbonnierenAbo
Zähl Pixel
Nach Feuer-Katastrophe

Haut von Toten hilft Brand-Opfern von Crans-Montana

Als Überbrückung bekommen die schwer verletzten Brandopfer von Crans-Montana auch die Haut von Toten

Als Überbrückung bekommen die schwer verletzten Brandopfer von Crans-Montana auch die Haut von Toten Foto: Antonio Calanni/AP/dpa

Viele der mehr als 100 Verletzten sind nach dem Inferno von Crans-Montana in einem kritischen Zustand. Temporäre Hauttransplantationen sollen helfen. Zum Trauertag kommen Vertreter aus 30 Nationen.

Von dpa 08.01.2026, 04:05 Uhr
3 Monate Premium-Zugriff auf tageblatt.de für nur 0,99 €! Jetzt sichern!

Zürich. Eine Woche nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana haben Zürcher Spitäler von einem Lieferanten bisher 9,3 Quadratmeter Spenderhaut für Brandopfer erhalten. Das teilte die niederländische Gewebebank der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mit. Außerdem habe die Gewebebank Spenderhaut auch nach Leipzig geliefert, hieß es. 

Die Haut von toten Spendern sei zum Universitätsspital und zum Kinderspital Zürich gebracht worden, so die Gewebebank „ETB-BISLIFE“. „Glücklicherweise zeigten sich die Schweizer Zollbehörden sehr kooperativ und ermöglichten eine verzögerungsfreie Abfertigung der Spenderhaut“, sagte ein Sprecher der Gewebebank in Haarlem der Agentur.

Die Spenderhaut wird als temporärer Hautersatz eingesetzt, um die Wunden schwer brandverletzter Patientinnen und Patienten zu schützen, Infektionen zu verhindern und die Heilung zu unterstützen, bis das Einsetzen körpereigener Haut möglich ist.

Trauertag mit Vertretern aus 30 Nationen

Am Freitag gedenkt die Schweiz mit einem nationalen Trauertag der 40 Toten der Brandkatastrophe. 116 Menschen wurden außerdem verletzt. In einer Bar war in der Silvesternacht durch eine funkensprühende Partyfontäne die Decke in Brand gesetzt worden. Schnell verwandelte sich der Raum in ein Inferno.

Der Tag sei der Erinnerung an die Todesopfer, der Solidarität mit den Verletzten und der Verbundenheit mit allen Betroffenen gewidmet, hieß es seitens der Behörden. Die ganze Schweiz sei aufgefordert, am Freitag um 14 Uhr innezuhalten. 

Bei der offiziellen Zeremonie im Kanton Wallis werden mehr als 1.000 Gäste erwartet. Etwa 30 Staaten kündigten ihre Teilnahme an, darunter Italien mit Präsident Sergio Mattarella und Frankreich mit Staatspräsident Emmanuel Macron.

Langer Leidensweg droht

Den Verletzten steht laut der deutschen Trauma-Expertin Sybille Jatzko ein langer Leidensweg bevor. Vieles erinnere an die schlimmen Verbrennungen bei der Flugtag-Katastrophe von Ramstein im August 1988, deren Opfer und Hinterbliebene Jatzko betreut hat.

„Wir wissen, wie lange sie gebraucht haben, einigermaßen ins Leben zurückzukommen, und wie viel Beeinträchtigungen nach fast 40 Jahren für die verbrannten Opfer jetzt noch da sind“, sagte Jatzko von der Stiftung Katastrophen-Nachsorge im bayerischen Sonthofen. Als Beispiele nannte sie Hautprobleme oder ständig wiederkehrende Operationen.„Sie haben einen schweren Weg vor sich.“

Chefärztin geht von monatelangem Klinikaufenthalt aus

Die Chefärztin des Brandverletzten-Zentrums des Kinderspitals in Zürich, Kathrin Neuhaus, geht von monatelangen, äußerst intensiven Behandlungen aus. „Von solchen Patienten wissen wir, dass sie sehr, sehr viele Operationen brauchen“, sagte sie jüngst im Schweizer TV-Sender SRF. „Wir rechnen mit Aufenthalten im Spital von drei bis fünf Monaten.“ Die Klinik behandelt fünf Brandopfer aus Crans-Montana. Vier davon seien aktuell in einem kritischen Zustand, teilte die Klinik der Deutschen Presse-Agentur mit.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel

Höchste Sturmwarnung für Mallorca

Ein schriller Warnton auf allen Handys, kein Unterricht am Montag und Verspätungen am Flughafen: Mallorca bereitet sich auf das Sturmtief „Adam“ vor. Was in der Nacht droht.

ICE-Lokführer verpasst Halt in Fulda

Kein guter Tag für den ICE 596: Erst ist er extrem überfüllt und fährt verspätet in Frankfurt los. Und dann vergisst der Lokführer, in Fulda zu halten. Was danach geschah.

Trump spricht Wahlempfehlung für Netanjahu aus

Immer wieder fragten Reporter US-Präsident Trump, ob er eine Wiederwahl des israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu begrüßen würde. Knapp anderthalb Wochen vor der Wahl gibt er eine Antwort.

Eine Tote bei Sturmtief Adam in Spanien

Reißende Bäche, überflutete Wohnungen und mehr als 200 Liter Regen pro Quadratmeter: Sturmtief Adam trifft Spaniens Mittelmeerküste. Warum solche Unwetter wahrscheinlicher werden.