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Droht ein Ausverkauf?

Ausländische Käufer übernehmen reihenweise deutsche Firmen

Der Ventilatoren-Spezialist EBM-Papst geht an einen Käufer in Amerika (Archivbild)

Der Ventilatoren-Spezialist EBM-Papst geht an einen Käufer in Amerika (Archivbild) Foto: Christoph Schmidt/dpa

Investoren aus dem Ausland kaufen deutsche Unternehmen in Serie. Das Volumen der Deals hat sich binnen eines Jahres mehr als verdoppelt. Ist das ein Grund zur Sorge? Eine Studie sieht das anders.

Von dpa 05.11.2026, 04:35 Uhr
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Frankfurt/Main. Deutsche Unternehmen stehen bei ausländischen Käufern als Übernahmeziel so hoch im Kurs wie lange nicht mehr. Im Zeitraum vom dritten Quartal 2025 bis zum zweiten Quartal 2026 habe sich das Volumen grenzüberschreitender Übernahmen deutscher Firmen mehr als verdoppelt, zeigt eine Analyse der Beratungsgesellschaft KPMG - um 134 Prozent auf fast 129 Milliarden Dollar.

Zugleich sei die Zahl solcher Transaktionen von 897 auf 926 geklettert. Dabei wurden 18 Deals mit einem Volumen von mehr als einer Milliarde Dollar angekündigt, so die Studie, die auf Zahlen des Finanzdaten-Konzerns LSEG basiert. Besonders US-Investoren seien hierzulande aktiv; sie standen demnach allein hinter zehn Milliardendeals. Deutsche Firmen stünden bei vielen US-Investoren „ganz oben auf der Einkaufsliste“.

„Deutschland im Fokus ausländischer Investoren“

„Die nächste Welle der Künstlichen Intelligenz entscheidet sich nicht allein in den großen Technologiezentren dieser Welt“, erklärt KPMG-Experte Michael Buhl. Auch Deutschland rücke in den Fokus ausländischer Investoren. „Denn viele deutsche Unternehmen vereinen technologische Kompetenz, industrielle Exzellenz und hochwertige Daten.“ Rückenwind gäben zudem die relativ attraktiven Bewertungen deutscher Firmen und die Aussicht auf Milliarden-Staatsausgaben für Infrastruktur und Verteidigung. Ein vergleichbar starkes Interesse von US-Käufern an deutschen Firmen habe es zuletzt 2007 im Zuge der Privatisierung der Kabelnetze gegeben.

US-Investoren schlagen immer wieder in Deutschland zu. Der baden-württembergische Ventilatorenspezialist EBM-Papst etwa geht für rund 4,8 Milliarden Euro an den US-Konzern Madison Air. BASF Coatings, das Lackgeschäft des Ludwigshafener Chemieriesen, wurde vom US-Investor Carlyle mehrheitlich übernommen. Zudem vereinbarte der Finanzinvestor Bain Capital die Mehrheitsübernahme des Augsburger Schiffs- und Kraftwerksmotorenbauers Everllence. Und die nordhessische Viessmann-Gruppe verkaufte ihr Wärmepumpen-Geschäft an den US-Konzern Carrier.

Die nordhessische Viessmann-Gruppe verkaufte ihr Geschäft mit Wärmepumpen an den US-Konzern Carrier. (Archivbild)

Die nordhessische Viessmann-Gruppe verkaufte ihr Geschäft mit Wärmepumpen an den US-Konzern Carrier. (Archivbild) Foto: Nadine Weigel/Nadine Weigel/dpa/dpa

Profitieren deutsche Firmen von Übernahmen?

KPMG-Experte Buhl sieht das starke ausländische Interesse nicht als Ausverkauf, sondern als Beschleuniger des Strukturwandels. So könne etwa der Berliner Lieferdienst Delivery Hero durch die Übernahme durch den Fahrvermittler Uber Zugang zu dessen Plattform erhalten. Und bei Ebm-Papst eröffne ein Verkauf den Zugang zum US- und Datencenter-Markt. 

Zugleich investieren auch deutsche Unternehmen stärker im Ausland, zeigt die KPMG-Studie. Die Zahl der Auslandsübernahmen stieg im Betrachtungszeitraum von 593 auf 622, das Volumen wuchs um 15 Prozent auf 42,9 Milliarden Dollar. 

KPMG erwartet eine kräftige Zunahme bei Fusionen und Übernahmen (M&A) in Deutschland. Inlandsdeals sollten geschätzt bis 2028 um 22 Prozent auf rund 1.300 Transaktionen steigen, die Übernahmen deutscher Firmen durch ausländische Käufer um 13 Prozent auf 1.039 Deals. Treiber sei der Umbruch durch Künstliche Intelligenz (KI), der viele Geschäftsmodelle umwälze.

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