Darum schaut der Landkreis Stade jetzt auch in den Restmüll
Was landet tatsächlich in der Restmülltonne? Das will der Landkreis Stade jetzt herausfinden. Foto: picture alliance/dpa
Die Kontrollen der Biotonnen sind gefürchtet und bekannt. In diesen Tagen wird zudem der Restmüll mancherorts extra eingesammelt. Das steckt dahinter.
Landkreis. Als öffentlich-rechtlicher Entsorgungsträger ist der Landkreis Stade für die Durchführung der Abfallwirtschaft im Kreisgebiet verantwortlich. Im Landkreis sind derzeit etwa 80.000 Restmüllbehälter aufgestellt.
Um ein möglichst genaues Bild der Zusammensetzung des Restabfalls zu erhalten, soll der Hausmüll nun repräsentativ beprobt und analysiert werden.
Die Sammlungen werden seit dieser Woche bis zum 11. Oktober in zuvor festgelegten Sammelgebieten und Routen durchgeführt. Aus der erfassten Sammelmenge wird eine ausreichend große Teilstichprobe entnommen und anschließend zur Sortieranalyse gebracht. So soll sichergestellt werden, dass die Untersuchung die tatsächliche Zusammensetzung des Restabfalls im Landkreis möglichst repräsentativ abbildet.
Müssen Haushalte etwas beachten?
Da die Bebauungs- und Siedlungsstrukturen das Abfallaufkommen und die Zusammensetzung des Restmülls beeinflussen können, wird die Untersuchung in drei unterschiedlichen Stichprobengebieten durchgeführt: in ländlich geprägte Bereiche sowie in städtische Bereichen mit Einfamilienhäusern und mit Mehrfamilienhäusern.
Für jede dieser drei Einheiten sollen entsprechend den Empfehlungen der Sächsischen Sortierrichtlinie 2014 mehrere Stichprobeneinheiten untersucht werden.
- Die Probenahme erfolgt jeweils am regulären Abfuhrtag.
- Für Tonnenbesitzer ändert sich demnach nichts. Sie stellen ihre Tonne wie gehabt an der Straße auf.
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Was gehört in die Restmülltonne und was nicht?
Die Restmülltonne ist für Abfälle gedacht, die sich kaum oder gar nicht recyceln lassen. Dazu gehören Hygieneartikel, Zigarettenstummel, Geschirr, Spiegel- und Fensterglas sowie verschmutztes oder beschichtetes Papier. Was hingegen nicht in den Restmüll gehört: Plastik, Metall, Glas, Papier und Pappe, Batterien, Elektrogeräte, Bauschutt und Schadstoffe.
Für all diese Materialien gibt es im Kreis Stade eigene Entsorgungswege – von der gelben Tonne über Glascontainer bis hin zum Wertstoffhof.
Wann bleibt die Mülltonne stehen?
Entsorgungsfirmen dürfen die Leerung verweigern, wenn die Tonne falsch befüllt oder überfüllt ist. So haben Windeln nichts in der Papiertonne zu suchen, Elektrogeräte gehören nicht in den Restmüll und kompostierbare Plastiktüten dürfen nicht in die Biotonne. Sie verrotten nicht schnell genug und gefährden die Kompostqualität.
Auch überfüllte Tonnen, bei denen der Deckel nicht mehr schließt, dürfen stehen bleiben. Wer absehen kann, dass mehr Müll anfällt, ist angehalten, einen sogenannten Beistellsack zu kaufen.
Vom Trommelsieb bis zur händischen Sortierung
Die Sortierung erfolgt in Anlehnung an die Richtlinie zur einheitlichen Abfallanalytik in Sachsen (Sächsische Sortierrichtlinie 2014) des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie.
Dabei wird der Restabfall zunächst mittels Trommelsieb in verschiedene Korngrößen aufgeteilt. Die Feinfraktion mit einer Korngröße von weniger als 10 Millimetern und die Mittelfraktion von 10 bis 40 Millimetern werden getrennt betrachtet. Die Grobfraktion mit einer Korngröße von mehr als 40 Millimetern wird anschließend händisch bis zur zweiten Differenzierungsebene sortiert.
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Aus der Mittelfraktion wird wiederum eine repräsentative Teilmenge entnommen. Diese wird nach Stoffgruppen sortiert und anschließend verwogen. Für sämtliche untersuchten Fraktionen werden die jeweiligen Massen ermittelt und dokumentiert.
Untersuchung auch mit Blick auf die CO₂-Zertifikatskosten
Die Analyse soll nicht nur Erkenntnisse über das Abfallverhalten und die Zusammensetzung des Restmülls liefern. Die Ergebnisse sollen auch dazu dienen, die derzeit für den Landkreis Stade angewandten Berechnungsfaktoren zur Ermittlung der Zertifikatskosten nach dem Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) zu überprüfen.
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Der Restmüll aus dem Landkreis Stade wird zurzeit in der Müllverbrennungsanlage in Hamburg verbrannt. 2025 zahlte der Landkreis Stade dafür knapp eine Million CO2-Zertifikatskosten. Neben möglichen Auswirkungen auf die Berechnung dieser Kosten geht es bei der Analyse um die Frage, wie die Bürger bei der Abfalltrennung weiter unterstützt werden können.
Daten aus den Nachbarkreisen sollen auch in Stade helfen
In den benachbarten Landkreisen Harburg, Cuxhaven und Rotenburg wird eine entsprechende Restmüllanalyse durchgeführt, sodass vergleichbare Daten vorliegen werden. Die Ergebnisse der Untersuchung sollen nach Abschluss der Analyse ausgewertet und für die weitere Planung der Abfallwirtschaft im Landkreis Stade genutzt und veröffentlicht werden.
Die Projektkosten belaufen sich auf circa 40.000 Euro. (iha)
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