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Geht Tom Cruise als Ölbaron in „Digger“ auf Oscar-Mission?

Tom Cruise ist in „Digger“ kaum wiederzuerkennen.

Tom Cruise ist in „Digger“ kaum wiederzuerkennen. Foto: -/Warner Bros. Entertainment Inc./dpa

Mit Bauchansatz und schütterem Haar zeigt sich der Action-Star in dem grotesken Film neben Sandra Hüller von einer ganz anderen Seite. „Digger“ ist anders als erwartet. Hat Cruise damit Oscar-Chancen?

Von Sabrina Szameitat, dpa 30.09.2026, 06:05 Uhr
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Berlin. Wenn Tom Cruise besorgt mit seiner kranken, halb tot wirkenden Katze spricht und versucht, ihr mit dem Finger Katzenfutter einzuflößen, ist er kaum zu erkennen. Man muss schon zweimal hinschauen, um den „Mission: Impossible“-Star mit schütterem, grauem Haar, Bauchansatz und dickem Make-up in seiner neuesten Rolle auszumachen. 

Dass der Schauspieler (64) in Hollywood als Perfektionist gilt und nicht vor schrägen Rollen zurückschreckt, hat er schon bewiesen, etwa in der Actionkomödie „Tropic Thunder“ (2008) als Studioboss im Fettanzug mit Glatze. In der grotesken und schrägen Komödie „Digger“ von Oscar-Preisträger Alejandro González Iñárritu („Birdman“, „The Revenant - Der Rückkehrer“), zeigt sich Cruise nun wieder von einer völlig neuen Seite abseits des Action-Kosmos. 

In dem neuen Film spielt er einen mächtigen Ölbaron namens Digger Rockwell, der die Welt auf den letzten Drücker vor einer selbst ausgelösten Katastrophe bewahren will oder vielmehr dazu gedrängt wird. Über kaum eine Filmhandlung wurde in vergangener Zeit wohl so ein Geheimnis gemacht wie über „Digger“. Ein weiterer Film über einen Mann mit Größenwahn? Und welche Rolle spielt eigentlich die momentan in Hollywood gefragte Sandra Hüller an der Seite von Cruise?

Film ist anders, als Trailer vorgibt

Kurz vor dem deutschen Kinostart (1. Oktober) herrscht jetzt Klarheit über die Handlung. Doch so viel vorweg: Allzu viel soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Sogar die Filmemacher haben vor einer Pressevorführung darum gebeten, auf große Spoiler zu verzichten. Denn „Digger“ verläuft anders, als der Trailer es vorgibt und bricht mit Erwartungen.

Im Großen und Ganzen dreht sich die Geschichte um den skrupellosen, exzentrischen Geschäftsmann Rockwell. Er löst mit seinen Ölbohrungen eine globale Katastrophe aus. Eine massive Eisplatte rast auf Europa zu und könnte wiederum Tsunamis auslösen, die Hunderttausende Menschen töten könnte. Der US-Präsident (herausragend gespielt von John Goodman) verlangt von Rockwell, die Krise wieder in den Griff zu bekommen. Nach ungefähr 30 Minuten nimmt der Film eine unerwartete Wendung, die die Handlung in ein neues Licht rückt.

„Digger“ als grotesker Meta-Kommentar auf die Weltlage

Angekündigt als „Komödie von katastrophalen Dimensionen“ entwickelt sich „Digger“ eher zu einem grotesken und sehr überspitzten Meta-Kommentar auf die Weltlage, auf menschlichen und politischen Größenwahn und nicht zuletzt auf die menschliche Anmaßung, die Natur beherrschen zu können.

Als sich Rockwell, der US-Präsident und andere Offizielle zur Krisenbesprechung treffen, geht es vor allem darum, wie man das Narrativ über die Katastrophe öffentlich kontrollieren kann. Sie überlegen, welche Wörter man besser aus der Kommunikation streichen sollte (zum Beispiel: „Explosion“), und die Erzählung so zu den eigenen Gunsten umformen könnte.

Der Cast von „Digger“ bei der Weltpremiere in London. (Archivbild)

Der Cast von „Digger“ bei der Weltpremiere in London. (Archivbild) Foto: Scott Garfitt/Invision/dpa

Die Figuren wirken allesamt wie Karikaturen ihrer selbst. Vorneweg Cruise als großspuriger und narzisstischer Machtmensch, gekleidet in Western-Stiefeln und Western-Hut. Er ringt darum, die Kontrolle über die Katastrophe wiederzuerlangen und als Retter dazustehen. In einem langen Monolog in einer Art Amphitheater versucht er, Vertreter der Nationen davon zu überzeugen, wie wichtig seine Ölbohrungen doch seien, um in Freiheit zu leben.

Abseits davon sorgt er sich übermäßig um das Wohl seiner weißen, uralten Katze, die nur noch vor sich hin vegetiert. Generell gibt es in „Digger“ allerhand solcher absurde und teils sehr vulgären Momente, die nicht den Humor von jedem oder jeder treffen dürften.

Sandra Hüller spielt die impulsive Halbschwester

Neben Cruise stechen besonders die Nebendarsteller hervor, zum Beispiel Riz Ahmed („Sound of Metal“) als Wissenschaftler oder John Goodman („The Big Lebowski“, „Roseanne“) als cholerischer US-Präsident. Hüller („Anatomie eines Falls“) spielt die impulsive Halbschwester und Geschäftspartnerin von Rockwell, die ihn wegen der Katastrophe zusammenstaucht. Die aus Thüringen stammende Schauspielerin ist allerdings in tendenziell eher wenigen Szenen zu sehen. 

Sandra Hüller ist als Halbschwester von Rockwell zu sehen. (Archivbild)

Sandra Hüller ist als Halbschwester von Rockwell zu sehen. (Archivbild) Foto: Chris Pizzello/Invision/AP/dpa

Zur weiteren Besetzung gehören Jesse Plemons („Bugonia“) und Emma D’Arcy („House of the Dragon“). Wer Cruise mal abseits von „Top Gun“ oder „Mission: Impossible“ erleben will, dürfte an „Digger“ seinen Spaß haben. An einigen Stellen wirkt der Film inhaltlich aber etwas überladen. Die ersten Reaktionen auf den Film fielen jedenfalls sehr unterschiedlich aus. Er dürfte das Publikum spalten. 

Hat Tom Cruise nun Chancen auf den Oscar?

Für den vierfachen Oscar-Preisträger Iñárritu ist es der erste englischsprachige Film seit seinem Erfolg „The Revenant - Der Rückkehrer“ (2015). Damals wurde Leonardo DiCaprio für seine Rolle in dem Rachedrama mit einem Oscar ausgezeichnet. Ob auch Cruise mit dem Iñárritu-Werk jetzt auch Chancen auf die begehrte Trophäe hat, wird sich zeigen. 

Der Schauspieler, der dafür bekannt ist, seine spektakulären Stunts oft selbst durchzuführen, war bislang viermal für Hollywoods höchsten Preis nominiert: für seine Rollen in den Filmen „Geboren am 4. Juli“, „Jerry Maguire - Spiel des Lebens“ und „Magnolia“, zudem als Produzent von „Top Gun: Maverick“. Er ging aber immer leer aus. 2025 bekam er immerhin einen Ehren-Oscar.

Tom Cruise zeigt sich in „Digger“ von einer ganz anderen Seite. (Archivbild)

Tom Cruise zeigt sich in „Digger“ von einer ganz anderen Seite. (Archivbild) Foto: Chris Pizzello/Invision/AP/dpa

Das Branchenmagazin „Variety“ sieht die bislang teils sehr geteilten Meinungen zu „Digger“ für Cruises Oscar-Mission nicht unbedingt als Nachteil. „Normalerweise ist eine solche Reaktion ein Problem, aber bei Cruise könnte es genau das sein, was seine Kampagne braucht“. Denn zum ersten Mal seit langem spiele er in einem Film mit, über den die Branche diskutieren müsse, statt ihn einfach nur zu bewundern.

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